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Wenn zwei sich streiten

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Wie geht Versöhnung? Al (Marcus Marotte, links) und Willie (Olaf Salzer) haben große Probleme, alte Streitigkeiten beizulegen. (Foto: Benekam)

Soll mal einer behaupten, Frauen seien zickig: Das Publikum im Vereinshaus Traunstein durfte sich in Neil Simons Komödien-Klassiker »Sonny Boys« davon überzeugen, dass es auch männliche Zicken gibt, also Böcke. Und zwar richtig sture. Darüber lachen, wie sich das in die Jahre gekommene Komiker-Duo »Lewis und Clark – die Sonny Boys« ihre Gemeinheiten um die Ohren schlugen, konnten dann Frauen und Männer.


Auf der Bühne standen Schauspieler des Schauspielhauses Salzburg und das sei, wie der Vorstand des Vereinshauses Traunstein, Konrad Baur, bei seiner kurzen Begrüßungsrede verriet, der 2. Vorstandsdame Julia Bauer zu verdanken. Es sei ihr Wunsch gewesen, neben Konzertveranstaltungen auch professionelles Schauspiel auf die bestens dafür geeignete Bühne zu holen. Schauspielhaus-Intendant Robert Pienz sprach von einem »Besuch bei Freunden«. Von dem Ergebnis profitierten Publikum, Schauspieler und das Vereinshaus, denn die gelöste Stimmung bescherte allen einen genussvollen Theaterabend, dem laut Pienz in Zukunft noch weitere folgen sollen.

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Um zu streiten, was das Zeug hält, schlüpften die langjährigen Ensemblemitglieder des Schauspielhauses Marcus Marotte und Olaf Salzer in die Rollen von Willie Clark und Al Lewis. Als Neffe und Willies Agent stand Bülent Özdil auf der Bühne: maximal genervt, zwischen Wutanfall und hypochondrischer Herzattacke. In der Rolle der genervten Krankenschwester kassierte Christiane Warnecke als »Schwester-Rabiata-Verschnitt« mit unverfrorener Kaltschnäuzigkeit etliche Lacher.

Einst waren »Lewis und Clark« das erfolgreichste Komiker-Duo ihrer Zeit. Doch das liegt ganze elf Jahre zurück. Elf Jahre, in denen Willie den Hass zu dem Menschen, der über 33 Jahre lang sein Bühnenpartner war, Tag für Tag züchtete. Nach einem unsinnigen Streit fanden die beiden einfach nicht mehr zueinander, sodass Al die Reißleine zog und »Schluss machte«.

»Als er sich zur Ruhe setzte, setzte er auch mich zur Ruhe«, stellt Willie rückblickend klar. Seither langweilt sich Al auf der Veranda seiner Tochter in New Jersey, während sich Willie immer mehr dem Selbstmitleid hingibt und in seinem heruntergekommenen Appartement in New York vergeblich auf neue Engagements hofft. »Ich bin glücklich, ich sehe nur unglücklich aus«, motzt er als Neffe Ben ihn, nicht ganz uneigennützig, bittet, den Streit beizulegen und anlässlich einer Fernseh-Jubiläumsshow über die große Zeit des Varietés noch einmal die alten Sketche zu spielen.

Ben fährt alle Geschütze auf, um die beiden Grantler zusammenzubringen, die ja prinzipiell selbst nichts anderes wollen, sich aber mit gekränktem Stolz selbst ein Bein stellen. Das erste Treffen endet in einer Katastrophe: Wie ein altes Ehepaar machen die zwei Dickschädel genau dort weiter, wo sie aufgehört haben. Der Probenversuch wird zur schrägen Lachnummer – das Vereinshaus-Publikum lachte Tränen.

Es wird alte Dreckwäsche gewaschen, sich gegenseitig provoziert, es regnet gnadenlose Vorhaltungen, bis schließlich Willie zum Messer greift, um sich gegen Als Zeigefinger, der ihm 33 Jahre lang in die Brust gebohrt wurde, und die Flut an Spucke, die sich bei allen T-Endungen über sein Gesicht ergoss, zur Wehr zu setzten. Resigniert flüchtet Ben vom »Irren-Tatort«, an dem sich die beiden Komödianten weitere Gefechte liefern.

Mittendrin fragt sich das Publikum, ob das, was sich da auf der Bühne abspielt, wirklich nur gespielt oder nicht längst zu bitter entgleistem Ernst geworden ist: Rasante Wortgefechte, »Texthänger« und falsche Absprachen in einem wahnwitzigen Doktor-Sketch, der vor laufender Kamera in einen weiteren handfesten Streit übergeht, münden in einen Herzinfarkt, der Willie endgültig lahmlegt.

Am Ende ist es ruhig auf der Bühne und im Saal. »Du bist wirklich witzig«, gesteht Willie. »Weißt du, was das Problem ist? Du hast meine Witze ernst genommen«, entschuldigt sich Al. Friede, Hoffnung, Einsicht? Wie, ob und wo es für Willie und Al weitergeht, soll nicht verraten werden. Großes Theater. Riesenapplaus! Kirsten Benekam