weather-image
19°

»Wer liest, hat es leichter, mit Worten zu argumentieren«

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Über die Auszeichnung der Gemeindebücherei St. Michael mit dem silbernen Bücherei-Siegel durch Diözesanbibliothekarin Sabine Adolph (rechts) freuten sich Rosmarie Mangelberger vom Führungsteam der Bücherei sowie die Hausherren, Bürgermeister Hans-Jörg Birner (links) und Pfarrer Ludwig Westermeier. (Foto: Caruso)

Kirchanschöring – Das war ein fröhlicher Geburtstag einer schon recht betagten Dame: Die Gemeindebücherei St. Michael feierte ihr 100-Jahr-Jubiläum mit einem edel präsentierten Programm. Dazu zählten würdigende Ansprachen sowie erlesene Musik und humorvolle Geschichten, die ganze Familien begeisterten.


Passend zum 100. Gründungsjubiläum, das die Einrichtung mit einem Festakt beging, stand in den Redebeiträgen neben dem Dank an das Büchereiteam auch die unverändert hohe Bedeutung der Einrichtung im Vordergrund. Denn sie bietet unter anderem Zugang zu Wissen, Information und Kultur für alle Bevölkerungsgruppen und unterstützt und ergänzt besonders die örtliche Schule beim Erreichen ihres Bildungsauftrags. Sie ist ein höchst lebendiger Ort der Begegnung und fördert den Dialog zwischen allen Generationen, Kulturen und Religionen.

Anzeige

Das Büchereiteam mit dem Führungsduo Rosemarie Voggenberger und Rosmarie Mangelberger wählte mit einer Autorenlesung für die Feierstunde im Pfarrsaal eine Veranstaltungsform, die ohne große Veränderungen auch alle medialen Neuerungen überlebt hat. Denn die Begeisterung des Publikums für Literatur ist ebenso ungebrochen wie die Beliebtheit dieser öffentlichen Bücherei, einem Ort, der Kontemplation ermöglicht und zugleich Geselligkeit bietet.

Pfarrer Ludwig Westermeier ließ in seinem Grußwort zunächst die hundertjährige Geschichte der Bücherei, die im Untergeschoss des Pfarrheims untergebracht ist, Revue passieren und dankte allen, die zu ihrem erfolgreichen Bestehen beigetragen haben. Dabei hob er auch hervor, wie wichtig das Lesen ist. »Wer viel liest, hat es leichter, mit Worten zu argumentieren.« Daher eigne sich Lesen auch bestens zur Gewaltprävention.

»Es ist eine wirklich grandiose Leistung über hundert Jahre lang eine Bücherei ehrenamtlich zu unterhalten«, würdigte Bürgermeister Hans- Jörg Birner das große Engagement in der Vergangenheit und jetzt. »Danke an das freundliche, hochkompetente Team. Danke, dass Ihr immer für alle Bürger da wart und da seid.« Birner strich zudem die Offenheit des Teams gegenüber neuen und zukunftsorientierten Medienangeboten heraus und verwies auf die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Pfarrei.

Die Bücherei diene als Treffpunkt und werde fürs alltägliche Gemeindeleben immer wichtiger, erklärte Diözesanbibliothekarin für die Erzdiözese München und Freising, Sabine Adolph. Eine Bücherei sei heute kein Ort mehr, an dem Stille herrsche. Es sei ein Ort, an dem sich Menschen unterschiedlichen Alters, Status' und Bildungsstand auf Augenhöhe begegnen. Da es sich bei der Gemeindebücherei St. Michael um eine innovative Einrichtung mit großer medialer Vielfalt handelt, die in den meisten Punkten die vom katholischen Medienhaus St. Michaelsbund geforderten Qualitätsstandards erfüllt, verlieh Sabine Adolph der gut betreuten Gemeindebücherei das Zertifikat mit dem silbernen Bücherei-Siegel. Sichtlich überrascht und erfreut nahm Rosmarie Mangelberger nicht nur Zertifikat und Siegel, sondern auch noch einen »schlauen Lesefuchs« dankend entgegen. Den übergab Adolph als Geschenk an die kleinen Leseratten.

Anschließend ließen sich die zahlreichen Gäste und Ehrengäste, unter denen sich auch der frühere Kirchanschöringer Pfarrer Christoph Kronast befand, dann in geselliger Runde vorlesen. So lauschte man nur allzu gerne zwei beliebten Autoren aus dem Chiemgau dem Mundartautor und »Bergener Gschichtlschreiber«, Robert Xaver Gapp, und dem Traunsteiner Romanschriftsteller Bernhard Straßer.

Robert Xaver Gapp unternahm eine Zeitreise in seine Kindheit und erzählte in amüsanter wie nachdenklich stimmender Weise Lausbuben-, Wirtshaus- und andere Geschichten. Zwischen den Ansprachen musizierten Eva-Maria Forreiter mit Luisa Rackerseder an der Harfe und Sarah Emmert mit Johannes Gaube, Alina Burgstaller und Julia Göstl auf der Geige. ca