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Wer zahlt den Einsatz?

Berchtesgaden – Jemand, der auf dem Berg in Not gerät, ruft die Bergwacht. Die ehrenamtlichen Bergretter sind immer zur Stelle. Aber wer kommt für die Kosten eines Einsatzes auf? Denn die Tankfüllung eines Hubschraubers, der Notarzt und das Material kosten eine Menge Geld. Thomas Stöger und Christian Wolf, erster und zweiter Einsatzleiter der Bergwacht Berchtesgaden, erklären es der Heimatzeitung.

Richtig teuer wird ein Bergwachteinsatz, wenn Hubschrauberunterstützung nötig ist. Foto: BRK BGL

Christian Wolf zeigt die feststehenden Kostenstrukturen auf: »Wenn ein Patient verletzt ist, muss er in ärztliche Behandlung, das übernimmt in der Regel die Krankenkasse.« Anders sei es bei der Bergung von Tieren, Sachen oder unverletzten Personen: »Wenn so ein Fall vorliegt oder wenn Menschen ›nur‹ in Bergnot geraten sind, dann gibt es drei verschiedene Kategorien. Sondereinsatz Berg eins, zwei oder drei«, weiß Wolf, der lange für die Einsatzerfassung im Bergwachthaus zuständig war.

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Ein »Sondereinsatz Berg drei« bezeichnet die unkompliziertesten, kleinsten Einsätze. Zum Beispiel, wenn die Bergretter nur jemanden in der Seilbahn ins Tal begleiten müssen. »Solch kleine Einsätze kommen bei uns aber nur sehr selten vor«, bemerkt Christian Wolf. Hier belaufen sich die Kosten auf 245 Euro. Teurer wird's da schon bei einer Sach- oder Tierbergung oder einer Vermisstensuche mit geringem Aufwand. Diese als »Sondereinsatz Berg zwei« bezeichneten Notfälle kosten 490 Euro. Die größten und aufwendigsten Einsätze, »Sondereinsatz Berg eins«, erzeugen Kosten in Höhe von 980 Euro.

Aber wer genau muss zahlen und wo geht das Geld hin? Das weiß Thomas Stöger, Leiter der Einsatzleitgruppe Bergwacht Berchtesgaden: »Das ist ganz einfach. Rettung aus Bergnot zahlen die Leute grundsätzlich selbst. Und wenn man verletzt ist, übernimmt das grundsätzlich die Krankenkasse.« Brenzlig wird es für den Kostenträger, wenn ein Hubschraubereinsatz erforderlich ist.

Pro Flugminute 90 Euro

Christian Wolf berichtet von einem Fall aus Österreich: »Ein Kollege von uns musste mit dem Hubschrauber aus Bergnot gerettet werden. Pro Flugminute musste er knappe 90 Euro zahlen und kam so alleine mit dem Hubschrauberflug auf 7 500 Euro.« Dazu würden dann noch die Kosten für den Notarzt und die Bereitschaftspauschale kommen. »Hier bei uns fliegen Hubschrauber wie Christoph 14 aber schon für 40 bis 50 Euro die Minute«, tröstet der stellvertretende Einsatzleiter Wolf. Noch besser haben es die Mitglieder des deutschen Alpenvereins. Der bezahlt diesen auch Bergnoteinsätze bis zu 25 000 Euro.

Drei Kostenträger

Das Geld, das durch die Einsätze zusammenkommt, gehe jedoch nicht in die Kasse der Berchtesgadener Bergwacht: »Wir gehören zur Bergwacht Bayern und da geht auch das Geld hin. Bei uns kommt nicht mehr viel davon an«, weiß Stöger. Die Finanzierung der Bergwacht stehe grundsätzlich auf drei Säulen: »Vom Freistaat Bayern bekommen wir die ganze Hardware, wie Fahrzeuge, Funkgeräte und Seile«, berichtet Christian Wolf. »Dafür bekommen wir kein Bargeld vom Staat. Fahrzeugreparaturen oder Versicherungen für die Mannschaft beispielsweise werden aus der Kasse unserer Berchtesgadener Bergwacht bezahlt.« Bei der Kostenfrage nicht zu vergessen ist die persönliche Ausrüstung der Einsatzkräfte. Dinge wie Jacken, Schuhe, Ski und Funkgerät müssen aus dem eigenen Geldbeutel bezahlt werden.

Das zweite finanzielle Standbein der Arbeit der Bergretter sei die Bergwacht Bayern. Laut Thomas Stöger erhält die Einsatzleitgruppe Berchtesgaden jährlich 3 900 Euro für die Instandhaltung des Bergwachthauses. Davon würden Wasser-, Kanal-, Strom- und Telefonrechnungen bezahlt. »Außerdem bekommen wir Geld für die Einsatzzahlen, dieses Jahr 25 000 Euro.«

Unverzichtbare Spenden

Die dritte und wichtigste Säule, auf denen die Finanzierung der Bergwacht Berchtesgaden steht, sind Förderer und Spenden. Denn zu den bereits genannten Kosten kommen noch diverse weitere hinzu. Einsatzleiter Stöger nennt ein Beispiel: »Wir brauchen allein in den Sommermonaten 600 bis 700 Euro Sprit monatlich, weil wir ja immer den Berg rauffahren müssen.« Die Zusatzversicherung für die 50 Mitglieder der Bergwacht kommt auch noch dazu.

»Wir sind nach bayerischem Rettungsdienstgesetz beauftragt, alle Verletzten beziehungsweise in Not Geratenen unwegsamem Gelände Gelände zu bergen. Menschen, Tiere und Sachen«, erläutert Christian Wolf. Die Arbeit der Bergwacht ist aufwendig, erfordert eine lange Ausbildung, das Verständnis vom Arbeitgeber und vieles mehr. Umso wichtiger ist die geleistete Arbeit für die Allgemeinheit. Thomas Stöger hat noch einen Wunsch: »Wir würden uns sehr freuen, wenn wieder mehr junge Leute zum Team stoßen würden.« Annabelle Voss