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Werke von Mozart am angestammten Ort

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Unser Bild zeigt János Czifra mit Chor und Orchester der Salzburger Dommusik; hinter den Hörnern und Oboen stehen die Solisten, (von links) Simone Vierlinger, Astrid Hofmann, Maximilian Kierner und Christoph Schöffmann. (Foto: E. Kaiser)

Die großartige Motette »Exsultate, jubilate« KV 165 spricht im Rezitativ des 2. Satzes einen »freundlichen Tag ohne Wolken und Stürme« an – einen besseren dankbaren Einstieg am Ende dieses Sonnentages hätte die Salzburger Dommusik zu ihrem Mozart-Konzert in der Klosterkirche St. Lambert in Seeon im Rahmen des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« nicht finden können.


»Großartig« ist diese Motette allerdings nur, wenn die Sopransolistin höchsten Ansprüchen genügt. Da war Simone Vierlinger, begleitet von einem ausgesucht kleinen, aufmerksamen Orchester, die erste Wahl. Ihre große, in allen Lagen tragende und ausgeglichene Stimme, die auch ein feines, klingendes Piano beherrscht, gestaltete im 3. Satz (»O virginum corona«) eine wunderbar kantable Arie und meisterte mühelos die gefürchteten Koloratur-Ketten des »Alleluja«, beschloss sie mit einem strahlenden »Hohen C«.

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Die Kirchensonate KV 224 (1780) für Streicher und Bassgruppe bot ein frisches, unkompliziertes Stück Musik, das nichts von Mozarts Problemen mit dem Salzburger Erzbischof Colloredo ahnen ließ. Eine weitere, dramatisch-anspruchsvolle Kirchensonate (KV 278) aus dem Jahr 1777 gliederte später die »Krönungsmesse« an passender Stelle, zwischen Gloria und Credo; sie war festlich angereichert mit Oboen, Naturtrompeten und Pauken. Gleich noch eingefügt: nach dem Credo der Messe zelebrierte der in Wohlklang strömende Sopran von Simone Vierlinger das »Laudate Dominum« KV 339; ihr Herrenlob wurde vom Chor behutsam aufgefangen und machtvoll bestätigt.

Vor der Messkomposition fanden die beiden Offertorien, die Mozart für das Kloster Seeon komponiert hatte, ihren Platz. »Scande coeli limina« (»Durchschreite die Pforten des Himmels«) KV 34 zum Fest des heiligen Benedikt überraschte mit einem bezaubernden Sopransolo, mit einer Überleitung mit Pauken und Trompeten zum Chor mit quicklebendigen durchfigurierten Chorpassagen. »Inter natos mulierum« KV 72 mit einem großen instrumentalen Präludium wurde unter dem detailliert fordernden Dirigat von Domkapellmeister János Czifra zu einer Kostbarkeit in klangvoller Chorleistung.

Und doch stand Wolfgang Amadeus Mozarts Missa C-Dur KV 317 (1779) im Focus des Kirchenkonzerts. Die Bezeichnung »Krönungsmesse« stammt natürlich, wie so oft, wieder einmal nicht vom Komponisten - wir wollen dem Ursprung nicht weiter nachgehen. Die Komposition, zu oft von halbwertigen Ensembles abgenudelt, erfuhr in Seeon eine »Krönung mit Sternen«. Der als Mensch bescheidene, als Dirigent unerbittliche, agile János Czifra, ein Charismatiker der Kirchenmusik, gestaltete mit einem wohlabgestimmten Soloquartett (neben Simone Vierlinger der Altistin Astrid Hofmann, dem Tenor Maximilian Kierner und dem Bass Christoph Schöffmann) und einem auf das Notwendige reduziertem Orchester klar strukturierte, pointierte Kontraste, behutsam erzählte und bedenkende Anmerkungen vom »Et incarnatus est« des Soloquartetts über die Leidensgeschichte mit klagenden Oboen bis zu einem figurierten »Amen«.

Sehr intensiv gestalteten die Solisten das »Benedictus«. Für das »Agnus Dei«, einem weitgespannten Sopransolo, hat Mozart eine berührende Melodie erfunden, die er später als Arie der Contessa »Dove sono« in »Le nozze di Figaro« kongenial wiederverwendet hat. Die anderen Gesangssolisten gesellten sich zur Sopranistin und mit der Melodie des Kyrie sprach der Chor eine unwiderstehliche Bitte um Frieden.

Nur eine Zugabe war möglich, wohl von den meisten Zuhörern erhofft: das »Ave verum«, das »himmlische Gebet« (Hector Berlioz), eine sehr vertiefte und ausdrucksstarke Verehrung. Engelbert Kaiser