Wertvoller Beitrag zur Erhaltung der »echten überlieferten Volksmusik«

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Zu den Höhepunkten des Programms von »Aufgspuit am Chiemsee« gehörte das Chieminger Alphorn-Trio mit (von links) Hermann Probst, Irmi Wallner und Albert Asenkerschbaumer. (Foto: Zandl)

Chieming – Mit Petrus in sehr gutem Verhältnis standen die Veranstalter von »Aufgspuit am Chiemsee«, die dem Verein Freunde des Heimathauses angehören. Nach dem Sturmregen am frühen Sonntagmorgen hatte sich das Wetter zum Start des Musiktages ab 10 Uhr im Biergarten des Chiemseer Wirtshauses so beruhigt, dass das Musikprogramm mit insgesamt 19 Gruppen programmgemäß den ganzen Tag über stattfinden konnte. Nur drei Musikgruppen hatten wegen des unsicheren Wetters kurzfristig abgesagt. 


Das Corona-Schutzkonzept im Biergarten sah vor, dass die Besucher festgelegte Plätze zugewiesen bekamen und die Musikgruppen im Zirkel an Stationen um sie herum wanderten. Insgesamt zeigten über einhundert Musiker ihr Können. Der Wirt des Chiemseer Wirtshauses, Alexander Wolff, ging nach grober Schätzung von insgesamt 1500 Biergartenbesuchern aus, die zwischen 10 und 19 Uhr bei freiem Eintritt im Wechsel an den musikalischen Darbietungen Inte-resse zeigten. Als Abschluss-Gruppe engagierte der Wirt die Schladl Musi, die nach erneut eintretendem Starkregen von 19 bis 22 Uhr im Saal die verbliebenen Musikliebhaber mit boarischer Tanzlmusi bestens unterhielten.

Als Vertreter der Musikschulen aus Traunwalchen, Inzell, Grassau und Traunstein glänzten die Ziach-Solisten Elias Nassor aus Grassau, Julian Kecht aus Inzell, und der neunjährige Ale-xander Hofmeister aus Traunstein, der die von Musikschulleiter Heini Albrecht für ihn komponierte »Ale-xander Hofmeister-Polka« in Abwesenheit seines Lehrers beeindruckend vortrug. Die Inzeller Musikschüler überzeugten in Begleitung von Musikschulleiter Markus Gromes und Musiklehrerin Sabine Kübler mit der Inzeller Geigenmusi und den Berreiter Buam. Die Jung-Musikanten aus den Musikschulen zeigten, dass viele Talente zur Verfügung stehen, die auch künftig für traditionelle Volksmusik sorgen werden.

Von den Nachwuchs-Musikern überzeugten die Geschwister Niederbuchner aus Nußdorf mit der Buachleitn Musi, die Bergwasserl Tanzlmusi, die sich aus Mitgliedern der Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgaden zusammensetzt, die Bergbleame Zithermusi aus dem Raum Traunstein mit den drei jungen Frauen Magdalena, Kathi und Bernadette, die Fuschbach Musi aus Vachendorf, die mit vier 16- bis 19-jährigen Jungmusikern die Tradition der Fuschbachtaler-Musi weiterführen möchte, und die Wabach Musi aus dem Raum Traunstein, die durch Power, Jodler und lustige Gesänge auf Anhieb die Sympathien des Publikums gewann.

Traditionelle Familienmusik spielten die Gruppen Baumgartner & Wallner aus Chieming, Stief aus Ruhpolding, die mit drei Ziachan und einem Löffel-Schlager auftraten, und Lahner, deren Besonderheit in der Verwendung eines Akkordeons und einer Kontra-Gitarre liegt.

Unter professioneller Leitung steht die Wirtshausmusik Waging mit dem selbständigen Musiklehrer Willi Huber, ebenfalls dem Wirtshaus verbunden ist die Gruppe Mehraloa, die seit etwa sieben Jahren regelmäßig am Musikantenstammtisch im Raum Petting und Schönram teilnimmt und der Tanzlmusi nahesteht, ebenso die Nachtliachtl Musikanten aus den Landkreisen Mühldorf und Altötting, die ihren Namen damit begründen, dass sie erst weit nach Mitternacht von ihren Auftritten nach Hause kommen. Auch die Bochleitn Musi und die Daxnschnoata Tanzlmusi, deren Alleinstellungsmerkmal in einem diatonischen Hackbrett besteht, gaben überlieferte Volksmusik mit schmissigen Liedern zum Besten.

Ein besonderer Höhepunkt waren die drei Chieminger Alphornbläser mit Irmi Wallner, Albert Asenkerschbaumer und Hermann Probst. Vor fünf Jahren war der Leiter des Chieminger Männerchors, Albert Asenkerschbaumer, der schon seit 40 Jahren ein Alphorn besitzt, auf die Idee gekommen, eine Alphorngruppe zu gründen. Seitdem blasen die drei Chieminger Mitglieder der Chieminger Blasmusik gemeinsam in ihre langen Hörner und erwecken bei unwissenden Zuhörern immer wieder den falschen Eindruck, dass es sich um Schweizer Musikanten handeln könnte.

Hubert Steiner, der Vorsitzende des Vereins Freunde des Heimathauses, zeigte sich sehr glücklich mit dem Verlauf des musikalischen Sonntags in Chieming. Dass der erneute Starkregen erst kurz vor 19 Uhr eintrat – also genau mit dem Ende des Biergarten-Programms – war für ihn genauso zufriedenstellend wie die von allen Seiten kommenden »wohlwollenden Rückmeldungen«, dass den Chiemingern mit der Veranstaltung ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung der »echten überlieferten Volksmusik« gelungen sei. az