»Wetten, dass..?«-Star macht Urlaub in den Bergen

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Am liebsten ist Günter Geisler mit dem Rad unterwegs – oder er erzählt von seinen Fernsehauftritten. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Mit 2,04 Metern ist er ein wahrer Hüne, die Hände groß wie Pranken: Bei »Wetten, dass..?« nutzte er sie, um damit 50 Kerzen auszumachen. Günter Geisler aus Köln war bislang schon 80 Mal auf Urlaub in Berchtesgaden. Er reist stets mit der Bahn an. Im Gepäck hat er immer einen alten Klappsessel und ein Sieben-Gang-Fahrrad. Nun wurde der »Wetten, dass..?«-Teilnehmer für seine Treue zur Region geehrt. Günter Geisler kommt gerne, fühlt er sich doch in der Lederhose und mit der Weißwurst auf dem Teller am wohlsten.


Der Urlauber aus Köln ist ein überzeugter Fahrradfahrer und ein Fan der Berchtesgadener Berge. Es gab Jahre, in denen er vier oder fünf Mal in die Region gekommen war. Urlaubsgäste wie ihn lieben Berchtesgadens Touristiker wohl: Günter Geisler nämlich verzichtet auf ein Auto. So ist ein Fahrzeug weniger auf Berchtesgadens Straßen unterwegs. Günter Geisler ist als eingefleischter Bahnfahrer ein Vorzeigegast. Obwohl er einen Führerschein besitzt, ist das nostalgische schwarze Stadtfahrrad sein steter Begleiter. 1984, als gerade die Olympischen Spiele in Los Angeles ausgetragen wurden, besuchte er das Berchtesgadener Land zum ersten Mal. Seine Devise lautete schon damals: »In Köln brauche ich kein Auto, in Berchtesgaden also auch nicht.«

Wenn er auf die Bindalm in Ramsau will, fährt er mit dem Zweirad hin. Sieben Gänge hat sein Rad. Die Gangschaltung aber braucht Günter Geisler nicht.

Als er zum ersten Mal in Berchtesgaden gewesen sei, habe er sich in die Menschen verliebt, in die bergige Landschaft, in »das Bayerisch-Urige« und natürlich in das Bier aus dem Süden, »Das ist mein Lieblingsbier«, sagt der Kölner.

In jungen Jahren habe er sogar mit dem Gedanken gespielt, vom Westen in den südöstlichsten Zipfel der Republik zu ziehen. Mit dem Alter komme die Gemütlichkeit. »Alte Bäume sind nicht mehr zu verpflanzen.« »In Köln fühle ich mich auch sehr wohl«, sagt Günter Geisler. Die Vermieterin, bei der er in Schönau am Königssee immer wohnt, nennt ihn liebevoll »großer Brummbär, der bei Wind und Wetter mit dem Rad unterwegs ist«. Günter Geisler brummt tatsächlich beim Sprechen. Er redet viel, ohne Punkt und Komma. Er hat jede Menge zu erzählen: Er berichtet von Fernsehauftritten, über seine Reisen und die bayerischen Feste, die er besucht hat. Er sagt: »Ich bin gerne unter Leuten.« Günter Geisler lebt alleine. Er ist ein bekennender Karnevalist. Er besuchte 33 Jahre lang die Faschingsfeste in Berchtesgaden. Er reiste mit dem Zug rund 800 Kilometer von Köln nach Bayern, feierte und fuhr am nächsten Tag wieder nach Hause. Als er jünger war, sei das kein Problem gewesen. Mit den Jahren kam aber die Einsicht: Wer die Nacht zum Tag macht, dem fehlt die Kraft und der Tatendrang.

Günter Geisler sorgt gerne für Unterhaltung. »Wir Kölner sind einfach so«, sagt er. Tatsächlich kennen ihn manche Berchtesgadener seit Langem. Günther Geisler zieht es nämlich dorthin, wo der Trubel herrscht. Er besucht Volksfeste oder Trachtenumzüge, natürlich immer in der Lederhose. Er stellt fest: »Seit Corona haben sich die Menschen verändert.« Der Lockdown habe ihn schwer mitgenommen. »Der gesellschaftliche Kitt stand während der Pandemie auf dem Spiel«, so der 58-Jährige.

Dann kommt er auf die Fernsehsendung »Wetten, dass..?« zu sprechen. Günter Geisler war einst Wett-Kandidat. Nach dem Auftritt im Fernsehen sei er plötzlich jemand gewesen, der auf der Straße erkannt worden war. Stolz schwingt in der Stimme mit.

Sein Fernseh-Auftritt im Jahr 2000 vor knapp 13 Millionen Zusehern liegt 21 Jahre zurück. Er erinnert sich daran, als ob es gestern gewesen wäre. Die skurrile Wette, Flammen mit der Hand zu löschen, entstand mehr zufällig: Immer, wenn er als Letzter das Gasthaus verlassen habe, habe er die Kerze nicht ausgeblasen, sondern habe die Hand zur Faust geballt und so die Kerzen ausgemacht. Die Hand ist groß genug für ein ordentliches Lüftchen. »Die perfekte Wettidee«, dachte sich der Kölner und meldete sich bei Thomas Gottschalk an. Günter Geisler bekam eine Zusage. Er wurde genommen. Er trat in der 126. Ausgabe in Basel auf. Günter Geisler weiß alles noch ganz genau – die Wettpaten in Basel waren die drei Tenöre, Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras. Jennifer Lopez und Karl Lagerfeld saßen ebenfalls auf dem Sofa. Die Resonanz auf Günter Geislers Auftritt war enorm. Die Boulevardzeitungen berichteten über ihn. Die rheinische Frohnatur wurde nach Peking eingeladen zur chinesischen Variante des Showformats. »Beim Oktoberfest in München erkannten mich unzählige Leute«, berichtet er. Das sei gewöhnungsbedürftig gewesen. Er sagt: »Ein bisschen wie im Streichelzoo.« Es folgten weitere Fernsehauftritte. Selbst 14 Jahre nach der TV-Premiere lud ihn der »Fernsehgarten« ein, wieder wegen der Sache mit den Kerzen. Den Kölner stört das nicht. Er sagt: »Alles mitnehmen, was geht.« Seine Devise lautet: »Wer rastet, der rostet.« Er sagt: »In meinem Alter muss ich aufpassen, dass ich nicht zum Eigenbrötler werde.« Dann packt er sein Stadtrad. Heute will er wieder auf die Alm. Bald geht es wieder zurück nach Köln. »Ich komme wieder, wahrscheinlich im nächsten Jahr«, kündigt er an.

Kilian Pfeiffer