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Paul Schallwegs »Opern auf bayrisch« mit Starbesetzung im Traunreuter k1

Wia d’Liab an Sepp zum Mörder gmacht hat

Seit den späten 70er Jahren sind sie von den bayerischen Bühnen nicht mehr wegzudenken, Paul Schallwegs »Opern auf bayrisch«. Kleine Sprachkunststücke, in denen der 1998 verstorbene Münchner Mundartautor, Brauchtums- und Kulturförderer die Libretti bekannter Opern in bajuwarischer Manier wiedergab, pointiert, witzig und mit viel Sinn für bayerischer Lebensart.

Drei »Opern auf bayrisch« haben die Schauspieler Conny Glogger, Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg jetzt im vollbesetzten Saal des Traunreuter k1 vorgetragen. (Foto: Heel)

So verpflanzte er den »Fliagadn Holländer« an den Starnberger See, gestaltete »Tristan und Isolde« als »A Liabstragödie mit Wuiderer-Einlage«, oder erzählte mit »Wia d’Liab an Sepp zum Mörder gmacht hat« auf ganz eigene Weise die Oper »Carmen« nach.

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Drei der insgesamt 25 Texte haben die renommierten Schauspieler Conny Glogger, Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg jetzt im vollbesetzten Saal des Traunreuter k1 vorgetragen, begleitet von dem Percussionisten Werner Hofmeister und einem Orchester unter der Leitung von Andreas Kowalewitz. Eine szenische Lesung, wie man sie in dieser Qualität wohl selten präsentiert bekommt. Sprachgewaltig, perfekt aufeinander eingespielt und mit sichtlichem Vergnügen entführten sie das Publikum dabei zunächst nach Spanien, wo sich, frei nach Georges Bizet, die »tragische G’schicht« von Carmen und Don José auch weiterhin abspielte. Nur dass der José hier Sepp hieß und die Carmen ein »ausg’machts Luada« war, die Sepps Angebot »I geh in d’Arbeit, und du kriagst Kinder« zum Lachen fand. Stattdessen suchte sie ihr Glück bei einem feschen Torero, und die Tragödie nahm ihren Lauf. Am Ende war Carmen tot, erstochen vom eifersüchtigen Sepp. »Es gibt koan Stierkampf mehr für sie«, so das traurige Fazit.

Ein böses Ende nimmt bekanntlich auch Giuseppe Verdis Oper »Rigoletto«, angesiedelt in Matua (Italien). Umbenannt in »Der Graf von Dachau«, besiegelte sich das tragische Schicksal des Hofnarren Rigoletto hier am Ufer der Amper. Leichtere Kost bot nach der Pause Rossinis »Barbier von Sevilla«, umgetauft in »Der Bader von Ruahpolding« und speziell von Michael Lerchenberg in der Rolle eines alten Lüstlings mit derart umwerfender Komik rezitiert, dass selbst die Künstler auf der Bühne sich ein Lachen nicht verkneifen konnten.

Aber nicht nur die Rezitatoren, die sich nebenbei als veritable Sänger entpuppten, begeisterten mit ihrer Leistung. Auch die Orchestermusiker brillierten mit einem virtuosen Mix aus Klassik, Volksmusik, Jazz und Schlager, bei dem auch Gesangseinlagen wie »In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine« oder »Viva Espania« nicht fehlten. Schräg, eigenwillig und mit sichtlicher Freude am ausgelassenen Spiel war auch das Wirken des Percussionisten Werner Hofmeister, dem ein beträchtliches Arsenal an Schlagwerk, von der Bratpfanne bis zur blechernen Wärmflasche, zur Verfügung stand. Kein Wunder also, dass das Publikum stürmisch nach einer Zugabe verlangte. Zwar drohte Gerd Anthoff erst mit dem »Ring der Nibelungen« – »Wollt’s des wirklich hörn?«, ließ es dann aber gut sein und entließ die Zuschauer nach einer melancholischen 5-Minuten-Version von Giacomo Pucchinis Oper »Madame Butterfly« mit den Worten: »Aus is, gar is – Harakiri.« Wolfgang Schweiger