weather-image
25°

Widerstand gegen Königsseer Hotelpläne wächst

Schönau am Königssee (BI) – Der Widerstand gegen die Hotelbaupläne am Königssee wächst. Dieser Tage hat sich in Schönau am Königssee eine Bürgerinitiative gegründet. Ihr Ziel ist es, die derzeitigen Planungen zur Bebauung an der Seestraße und am Areal um den ehemaligen Bahnhof Königssee zu stoppen. Mobilisiert durch Mund-zu-Mund-Propaganda, trafen sich wenige Tage nach der letzten Gemeinderatssitzung in Schönau am Königssee knapp 40 Schönauer Bürger, um Schritte zu beraten, wie die Planungen an der Seestraße und für das künftige »Parkhotel« einer für alle Bürger akzeptablen Lösung zugeführt werden können.


Unter den Anwesenden war als Beobachter der Gemeindeverwaltung auch der Leiter des Bauamtes von Schönau am Königssee, Andreas Huber. Man einigte sich deshalb zunächst darauf, wie das auch im Gemeinderat von Schönau am Königssee praktiziert wird, die Besprechung in einem öffentlichen und einem nicht öffentlichen Teil durchzuführen. Im öffentlichen Teil wurden zunächst alle Argumente diskutiert, die im Zusammenhang mit den Bauplanungen am Königssee zu Unmut in der Bevölkerung geführt hatten.

Anzeige

So hält man die derzeitigen Planungen für beide Bauleitplanverfahren an der Seestraße und für das »Parkhotel« für städteplanerisch bedenklich. Es fehle ein städteplanerisches Rahmenkonzept für den gesamten Bereich zwischen Seelände und Parkplatz Königssee. Die als Beraterin der Gemeinde hinzu gezogenen Städteplanerin Claudia Schreiber hatte nur beratende und keine planerische Funktion. »Erst nach Vorliegen eines solchen Rahmenkonzepts kann es eine Grundlage für eine koordinierte Ausplanung der beiden Hotelprojekte im Rahmen der Bauleitplanverfahren geben«, so die Bürgerinitiative in einer Pressemitteilung.

Die Bürgerinitiative unterstützt den Gemeinderat allerdings in seiner Auffassung, dass der derzeitige bauliche Zustand am Königssee nach Änderungen verlange. »Hier, an der Eingangspforte zu einer der bedeutendsten Naturschönheiten Deutschlands und zum Alpennationalpark muss aber baulich etwas entstehen, für dessen Gesicht man sich eines Tages weder vor seinen Gästen noch vor den nachwachsenden Generationen schämen muss«, so die Bürgerinitiative.

Die Planungen sind nach Ansicht der Initiative aber bereits so weit entwickelt, dass die bestehenden Planungsmängel nur durch ihre unverzügliche Einstellung und einen planerischen Neuansatz korrigiert werden können. Es erscheine wenig Erfolg versprechend, durch Einwendungen einzelner Bürger oder der Bürgerinitiative zu versuchen, auf das laufende Verfahren nachhaltig Einfluss nehmen zu können. Dies würde, ist man sich sicher, an den bekannten Mehrheitsverhältnissen im Gemeinderat scheitern.

»Bei den Planungen mangelte es bisher an der gebotenen Transparenz und Öffentlichkeit für dieses wichtige städtebauliche Entwicklungsprojekt der Gemeinde Königssee«, kritisiert die Bürgerinitiative in ihrer Pressemitteilung. Vieles sei im Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung behandelt worden. Ein maßstabsgetreues Modell der Planungen sei der Öffentlichkeit nur einmal, nämlich bei der letzten Bürgerversammlung im Februar, vorgestellt worden. Die Initiative: »Nötig wäre es, ein solches Modell für den ständigen Zugang der Öffentlichkeit im Rathaus und auch auf der Homepage der Gemeinde auszustellen, zumal die alten Planungen mittlerweile auch überholt sind. Transparenz kann jetzt nur noch mit einem planerischen Neuansatz hergestellt werden. Sie ist Voraussetzung dafür, dass eine Entwicklung erfolgen kann, die auch die Akzeptanz der Bevölkerung findet«.

Bauamtsleiter Andreas Huber wurde ebenfalls Gelegenheit zu einer Stellungnahme gegeben. Dies lehnte er aber ab und erklärte, nur als interessierter Zuhörer hier zu sein. Die Beschlussfassung zur weiteren Vorgehensweise erfolgte dann im nicht öffentlichen Teil der Besprechung, bei der Bauamtsleiter Andreas Huber nicht mehr dabei war. Es wurde beschlossen, dass die Bürgerinitiative über ein Bürgerbegehren und einen Bürgerentscheid in der Gemeinde erreichen will, dass die derzeitigen Bauleitplanverfahren am Königssee einzustellen sind, um damit die Voraussetzungen für einen grundlegenden planerischen Neuansatz zu schaffen. Klaus Gerlach wurde einstimmig als vertretungsberechtigte Person und als Sprecher der Bürgerinitiative gewählt.

Die Beratung über die weitere Vorgehensweise wurde auf das nächste Treffen vertagt. Dabei ist man sich in der Bürgerinitiative darüber im Klaren, dass die weiteren Schritte im Rahmen der Vorgaben der gemeindlichen Satzung für Bürgerbegehren/Bürgerentscheid sehr sorgfältig geplant werden und auch juristisch begleitet werden müssen, wenn sie nicht an formalen Hürden scheitern sollen. Für die Zulassung des Bürgerbegehrens werden die Unterschriften von zehn Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung benötigt. Dies sind in Schönau am Königssee knapp über 400 Unterschriften.