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»Wie auf dem Münchner Stachus«

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»Und rauf aufs Gas« denkt sich hier so mancher. Die Anwohner stört's. Sie möchten eine Lösung des Lärmproblems. Wie die auch immer aussehen soll. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Walter Schindler ist den ständigen Lärm leid. Der Oberauer aus dem Renothenweg ärgert sich über die Raser, die am Ende der Oberau aufs Gas drücken und die Roßfeldhöhenringstraße (BGL 9) nach oben brettern. »Der Lärmpegel ist enorm«, sagt er.


Walter Schindler wohnt rund 150 Meter neben der Roßfeldhöhenringstraße. Seit längerem stellt er fest, dass die Autofahrer immer schneller, die Motorräder immer lauter werden. »Die fahren durch den Ort und am Ende beschleunigen sie.« Der Motor brüllt dann, für Walter Schindler ein unerträglicher Zustand. »Natürlich ist das eine Straße«, weiß Schindler, aber dass Anwohner »durch das Hobby einiger drangsaliert werden«, das leuchte ihm überhaupt nicht ein.

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Walter Schindler ist deshalb auch schon mal beim Bürgermeister gewesen. Er hatte angefragt, was machbar wäre. Etwa eine Hecke, die den Schall »verschluckt« oder eine Verbauung, die den Lärm zurückwirft, weg von den Wohnhäusern. Jedoch sei der Markt Berchtesgaden nicht zuständig, bekam er als Antwort. Alles, was hinter dem Ortsschild passiere, dafür habe der Markt keine Befugnis.

Also hat sich Schindler an das Landratsamt Berchtesgadener Land gewendet und wollte den in seinen Augen deutlichen Missstand anzeigen. Denn immerhin hat er über einen längeren Zeitraum stichprobenartig gemessen. Und zwar jenen Lärm, der entsteht, wenn mal wieder ein Motorradfahrer auf Vollgas beschleunigt und den Berg nach oben rast. »Von mir zuhause aus misst das Gerät noch immer 80 Dezibel«, sagt Schindler. Auf 150 Meter Entfernung. Während ein normales Gespräch etwa 55 Dezibel hat, bringt ein Presslufthammer schon 90 Dezibel auf die Messanzeige. Der Gewitterdonner wird auf 120 Dezibel geschätzt, ein Düsenjäger kommt auf 130 Dezibel.

Aus dem Landratsamt habe er eine Auswertung erhalten, wie viele Autos wie schnell fahren. Allerdings sei aus der Liste nicht hervorgegangen, wie an den Messtagen das Wetter war und um welchen Wochentag es sich gehandelt hat. Denn das sei, sagt Schindler, wesentlich. Vor allem am Wochenende, wenn die Sonne scheint, die motorisierten Ausflügler unterwegs sind, sind auch die Straßenflitzer auf den hiesigen Straßen stark vertreten. Und brechen teils waghalsig aus dem Ort hinaus, die Roßfeldhöhenringstraße hinauf.

Das Problem zu bannen, scheint kaum möglich, meint Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt Traunstein. »Die Probleme gab es schon vor mehreren Jahren«, sagt Bambach im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Bis zum Ortsschild liegt die Geschwindigkeitsbegrenzung bei 50 km/h, nach dem Schild ist 100 km/h erlaubt, »da reißen sie dann den Bock auf«, sagt Bambach.

Mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung nach dem Ortsschild wäre Walter Schindler und den weiteren Anwohnern aber geholfen. Doch dass die untere Verkehrsbehörde eine solche umsetzt? Eher nicht. Denn es gibt gesetzliche Bestimmungen, Grenzwertmessungen in Sachen Lärm. Auf der BGL 9 durch die Oberau fahren täglich im Durchschnitt 2 300 Fahrzeuge. Im Sommer sind es mehr, im Winter weniger. »Allerdings werden die Lärm-Grenzwerte stark unterschritten«, weiß Martin Bambach. »Die Verkehrsbehörde hat deshalb keine Handhabe.«

Ein ähnliches Problem gibt es am Wachterl in der Ramsau. In der kleinen Gemeinde ist der Lärm bekannt, Bürgermeister Herbert Gschoßmann hat die Sache an die Verkehrsbehörde weitergegeben. Doch dass Autofahrer per Schild angewiesen werden, langsamer zu fahren, dürfte nicht Realität werden. Viel realistischer scheint folgender Vorschlag, den Bambach schon mehrfach angeregt hatte, der bislang aber noch nicht umgesetzt wurde.

»Plakate sollen an den Verstand des Fahrers appellieren. In Zusammenarbeit zwischen Baurechtsbehörde, Verkehrsbehörde, Verkehrswacht und Kommune könnten warnende Schilder aufgestellt werden. Allerdings weiß auch Bambach, dass die, die rasen wollen, sowieso rasen. Deshalb haben sie sich die BGL 9 wahrscheinlich zum Befahren auch ausgesucht: Um hier richtig auf die Tube drücken zu können. Kilian Pfeiffer