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Jetzt ist die Vierergruppe komplett und macht sich auf den Weg zum Zauberer von Oz (von links): Margit Thaller als Vogelscheuche, Lukas Thaller als Blechmann, Johanna Maier-Fenninger als Dorothy und Sepp Thaler als ängstlicher Löwe. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Der Theaterverein Otting hat mit seinem neuen Stück »Der Zauberer von Oz« überzeugt – und das im 30. Jahr seines Bestehens. Von Jahr zu Jahr laufen die Verantwortlichen des Vereins – die Schauspieler und mindestens ebensosehr das Team im Hintergrund – zu ganz großer Form auf.


Das Märchenspiel bot bei der Premiere großes Theater: ein künstlerisches, vielfältiges Bühnenbild, tolle, fantasievolle Kostüme, packende Effekte in Beleuchtung, Ton und Spezialeffekten – und das alles immer wieder begleitet von Live-Musik einiger Musikanten der Blaskapelle Jung-Otting. Nicht zuletzt überzeugten die Akteure auf der Bühne mit ihrem hingebungsvollen Spiel.

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Die Kinder, die beim Ottinger Theater ganz vorne auf Bänken sitzen dürfen und somit beinahe mitten im Geschehen sind, erleben gleich zu Anfang einen schrecklichen Sturm, der schier die Häuser zum Einsturz bringt, und fiebern mit Dorothy, gespielt von Johanna Maier-Fenninger, mit, als diese schließlich in dem bonbonbunten Land Oz landet. Da wird sie gleich von zwei Hexen – die ausgestattet sind mit prächtigen Kostümen und viel Wirbel machen – in Empfang genommen: Die eine, die gute Hexe Glinda (Rosi Seehuber), verspricht Dorothy ihre Hilfe, die andere, die schrille, böse Hexe des Westens (Gina Maierhofer), will sie dagegen vernichten.

Glinda gibt Dorothy schließlich den Rat, den Zauberer von Oz aufzusuchen. Auf ihrem Weg durch ganz unterschiedliche Landschaften, in deren Darstellung die Ottinger Bühnenmaler Margit und Lukas Thaller viel Fantasie, Kreativität und Können investiert haben, lernt sie drei recht unterschiedliche Kreaturen kennen. Das ist die Vogelscheuche (Margit Thaller), die sich mehr Verstand wünscht, der Blechmann (Lukas Thaller), der so gern ein Herz hätte, und der ängstliche Löwe (eine Paraderolle für Regisseur Sepp Thaler), der so gerne mutig wäre. Diese drei, von denen das Stück ganz wesentlich lebt, hoffen, dass der Zauberer ihre Wünsche erfüllen kann, und begleiten das von Heimweh geplagte Mädchen.

Ein genialer Gag, der das Stück gliedert, zudem die Kinder und auch die erwachsenen Zuschauer mit einbindet, sind die Wanderungen der Schauspieler entlang des rund um die Kinderplätze aufgemalten gelben Backsteinwegs. Schon bald singen und klatschen die Besucher mit, wenn die von den Musikanten begleitete Melodie »Folge dem gelben Backsteinweg« erklingt. Währenddessen wird oben auf der Bühne in Windeseile umdekoriert. So wandern die Vier durch ein Sonnenblumenfeld, werden auf einem Mohnfeld vom Duft der Blumen in Schlaf versetzt, und erleben wüste, turbulente Szenen mit der bösen Zauberin und ihren kreischenden Affen.

Einen Höhepunkt erreicht das Bühnenbild, wenn die Wanderer nach einigen Abenteuern endlich beim Zauberer ankommen. Der Eingang ins Land Oz, das Tor zum Zauberer und ganz und gar nicht zuletzt der Zauberer, der zunächst als großer Steinkopf in der Wand auftaucht, mit mächtiger Stimme spricht, umgeben von waberndem Rauch und funkelnden Lichteffekten – das alles ist in großartiger Weise gestaltet. Ein Kompliment an das Team Sebastian Zahnbrecher, Lisa Seehuber, Hermann Maier-Fenninger, Konrad Seehuber und Sepp Thaler!

Erwähnenswert sind die Kinderrollen: Da tollen kleine Mäuse und Mümmler auf der Bühne herum, die Affen der Hexe machen einen gewaltigen Lärm, bunt gekleidete Kinder bilden eine lebende Kulisse im bonbonbunten Zauberland. Die für die Kostüme zuständige Rosi Seehuber hat hervorragende Arbeit geleistet. Nicht zuletzt bei den »großen« Figuren: bei der strohigen Vogelscheuche, mit dem Löwen und gerade auch beim Blechmann in seinen sperrigen, verrosteten Metallröhren – deren Knarzen und Quietschen die Soundtechnik täuschend echt simuliert. he