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Wie bewerten Kulturschaffende die Situation in Traunstein?

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Traunstein: Wie bewerten Kulturschaffende die Situation in der Kulturstadt Traunstein
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Eine verlässliche Kulturförderung in der Stadt Traunstein wünschen sich viele Vereine. So könne man besser planen.

Traunstein – Mit dem Forum Klosterkirche hat die Stadt Traunstein einen neuen, repräsentativen Veranstaltungsort, der künftig auch den Traunsteiner Vereinen – nach den Worten von Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer sogar mietfrei – zur Verfügung stehen soll. Das Traunsteiner Tagblatt hat sich bei Traunsteiner Vereinen umgehört, wie sie die Situation für Kulturschaffende in der Großen Kreisstadt gerade auch in Zeiten der Corona-Pandemie bewerten und welche Ideen sie für die Kulturstadt Traunstein haben.


»Heftig erwischt« hat die Pandemie auch den Historischen Verein, sagt Hans Helmberger, Vorsitzender des Historischen Vereins Traunstein. So mussten pandemiebedingt im Frühjahr mehrere Vorträge ausfallen. Für die neue Vortragssaison, die normalerweise von Oktober bis März geht, habe man Vorträge vorgesehen, von denen aber die Veranstaltungsorte noch nicht feststünden.

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Zudem ist es »für ehrenamtliche Kulturschaffende schwieriger geworden, Veranstaltungen anzubieten, da nicht alle Räume in Traunsteiner Kultureinrichtungen oder Gasthäusern kostenlos zur Verfügung stehen und viele Künstler nicht auftreten können«, sagt Helmberger.

Saalmieten sind durchaus ein Problem

Normalerweise nutzt der Verein die Zieglerwirtsstube des Heimathauses. Aufgrund der beengten Räumlichkeiten und der coronabedingten Hygienevorschriften steht dieser dem Verein aber aktuell nicht zur Verfügung. Daher sei gerade für größere Veranstaltungen etwa die Klosterkirche auch für den Historischen Verein interessant.

Helmberger freut sich, dass die Klosterkirche »gemeinnützigen Vereinen kostenlos zur Verfügung« gestellt werden soll. Denn Saalmiete könne der Verein »in den allerwenigsten Fällen zahlen, dafür ist unser Budget nicht ausgelegt, zumal wir ja auch meistens die Referenten bezahlen müssen«, sagt Helmberger.

»Theaterproduktionen kosten vorher Geld«

Bisher ein Totalausfall war die Spielsaison 2020 für das Salztheater Traunstein, wie Vorsitzender Gerhard Brusche mitteilt. »Wir standen drei Wochen vor der Premiere im Traunsteiner Vereinshaus, als der Lockdown kam und wir alles absagen mussten«, sagt Brusche. Für den Theaterverein »ein finanzieller Ausfall von 100 Prozent«.

Um den Vereinen in Traunstein grundsätzlich etwas finanziellen Puffer jenseits der eigenen Einnahmen durch Auftritte oder Veranstaltungen zu verschaffen, wünscht er sich eine städtische Kulturförderung, ähnlich der für Sportvereine. »Wenn es künftig einen Fonds für Kulturschaffende gäbe, wäre das ein Erfolg.«

Die Klosterkirche als Spielstätte kann sich auch Brusche für das Salztheater vorstellen. Da der Theaterverein keine eigenen Räumlichkeiten für Aufführungen hat, sei man darauf angewiesen, sich in andere Spielstätten einzumieten. »Allerdings müssen wir vorab die Konditionen der Stadt für die Kalkulation genau kennen.« Brusche wünscht sich hier mehr Informationen.

Patrick Pföß, Vorsitzender von ARTS Traunstein, findet, dass schon viel Positives in letzter Zeit in Traunstein passiert ist. Die Einbeziehung der Fachkompetenzen innerhalb der Vereine, sollten jedoch verstärkt beachtet werden. Praxisorientierte Entscheidungen wären wünschenswert. Er erhofft sich einen offenen und gepflegten Veranstaltungskalender, den alle Vereine und Veranstalter nutzen, um Überschneidungen zu verhindern und besser planen zu können.

»Klar umrissenen Kulturetat«

»Aktive Kulturförderung kostet Geld«, betont Pföß. Daher wünsche er sich als Künstler einen klar umrissenen Kulturetat zu allgemein verbindlichen Verteilungsregeln. Unter anderem wäre auch eine beantragbare Ausfallbürgschaft eine große Hilfe, die zur Planungssicherheit erheblich beitragen würde. »Dies würde die Stadt für Künstler noch attraktiver machen«, ist sich Pföß sicher.

Konrad Baur, Vorsitzender der Freunde des Vereinshauses Traunstein, appelliert an die Besucher: »Wir müssen da jetzt alle gemeinsam durch: nicht nur die Kulturschaffenden, sondern auch die Gäste und Besucher der Veranstaltungen.« Er freue sich darauf, bei jeder Veranstaltung ein paar Leute mehr begrüßen zu dürfen. »Wir sind aktuell nicht an dem Punkt, an dem wir über große Konzepte oder Kulturmanager diskutieren müssen. Aktuell geht es, ganz platt gesagt, um den Fortbestand vieler kleiner, toller Einrichtungen. Das muss sich jeder ins Bewusstsein bringen. Am meisten ist uns geholfen, wenn wir nun nicht hängen gelassen werden.«

Eine Vereinfachung von »bürokratischen Hürden und Auflagen« bei Veranstaltungen wünscht sich Thomas Gätzschmann, Hauptmann der Gebirgsschützenkompanie Traunstein. Er hofft, dass die Stadt die Gebirgsschützen bei der Vorbereitung von Festen und Veranstaltungen auch weiterhin gut unterstützt und vielleicht auf »auf manche 'kommunale' Auflage für den Verein« verzichtet.

Subkultur in Traunstein sichtbarer machen

»Wir würden uns wünschen, dass die Stadt Traunstein noch offensiver digital und analog für das vielfältige, kulturelle Angebot in Traunstein wirbt«, sagt Robert Heigl, der sich im Offenen Raum Traunstein (O.R.T) organisiert. So könne man die Sichtbarkeit auch von jungen und kleineren Initiative wie die des O.R.T.s erhöhten.

Coronabedingt verzeichnet auch der O.R.T. Einbußen. »Durch fehlende Besucher und eine deutlich reduzierte Zahl an Veranstaltungen fehlen uns in erheblichem Maße Spenden, mit denen wir den Betrieb des offenen Raums sicherstellen können«, betont Heigl. Daher »fänden wir eine zuverlässige und auf einem nachvollziehbaren, transparenten Entscheidungsprozess fußende Förderung unseres Engagements hilfreich«.

»Gewisse Richtlinien, die mit der Förderung von kulturellen Veranstaltungen von Seiten der Stadt verbunden sind«, befürwortet auch das Vereinsheim-Festung-Team. Dies würde es vielen Kulturschaffenden erleichtern, Förderanträge zu stellen oder sie überhaupt in Erwägung zu ziehen, sagt Vorsitzender Christian Latzlsperger.

Bei der Stadt konkreter Ansprechpartner

Auch würde das Vereinsheim-Festung-Team einen konkreten Ansprechpartner bei der Stadt befürworten, der bei der Organisation von kulturellen Veranstaltungen auch beratend zur Seite stehen würde und der einen Überblick über die räumlichen Möglichkeiten in Traunstein – nicht nur städtischen Räume – geben kann.

Einen breit gefächerten Veranstaltungskalender für ganz Traunstein, der die unterschiedlichsten Veranstaltungen auflistet, hält Latzlsperger ebenfalls für sinnvoll. »Nicht nur in digitaler Form im Internet, sondern idealerweise auch in klassischer Form eines regelmäßigen Aushangs an zwei oder drei zentralen Punkten in der Stadt.«

Lena Wimmer, Schriftführerin der Faschingsfreunde Blau-Weiss Kammer betont: Bei der Suche nach Probenräumen »stand uns die Stadt Traunstein in der Pandemie bestens gegenüber und hat uns geholfen, Turnhallen in der Region zum Trainieren zu finden und bereitzustellen«. Das Problem des Vereins seien derzeit aber die notwendigen Hygieneregeln, die viele Veranstaltungen einschränken. vew