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Wie das Christkind den Hollerlikör stibitzt

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Petrus (Max Schauer) und Engel Franzi (Herbert Haag) machen sich ein Bild über die irdischen Dummheiten. Foto: Anzeiger/aum

Berchtesgaden - Alljährlich in der Advents- und Weihnachtszeit lädt das Bauerntheater zur Muße und zum Innehalten ein. Mit den beiden Einaktern »Der himmlische Besuch« von Martin Fischer und »Das Himmelsguckerl« von Franz Schaurer kommt diesmal der komödiantische Aspekt stärker zum Tragen. Besinnliche Gedanken sind dabei fein eingestreute Zutaten im heiteren Weihnachtspackerl.


Regie und Ausstattung liegen wieder in den Händen von Elisabeth Hölzl-Michalsky, die ihre Darsteller stets prächtig zu motivieren versteht. Und sie kann sich verlassen auf ihre jungen und alten Schauspiel-Hasen und die singenden Häslein, wie sie ihren unterschiedlichen Rollen kraftvolles Leben einhauchen.

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Traditionsgemäß sorgen die Gerer Weisenbläser zum Auftakt für die rechte Stimmung im Theatersaal, bevor sich der Vorhang hebt. Da sitzen in der guten Stube Vater Gustl (Roman Kuchta) und Mutter Anni (Tanja Mißfeldt) mit Sohn Sepperl (Bartholomäus Murf) gemütlich beisammen und lauschen den Jodel-Liedern der drei Rothen-Dirndln, die ihre flotten Gstanzln so voller Liebreiz und Musikalität singen, dass es eine wahre Freude ist. Vor dem Schlafengehen schreibt der Sepperl noch einen Wunschzettel fürs Christkind und die Mutter gewährt dem Vater als Betthupferl ein Stamperl vom selbst gemachten Hollerlikör.

Alle sind zu Bett und da kommt Engel Franzi (Herbert Haag) mit dem Himmelslift direkt in die gute Stube, um den Wunschzettel abzuholen. Aber er kann nicht mehr zurück, denn er hat seinen Liftschlüssel vergessen und auch Petrus (Max Schauer), der den Säumigen nun holen kommt, hat den Himmelsschlüssel verlegt. Da vertreiben die beiden ihre Ratlosigkeit mit der Flasche Hollerlikör, die so verwaist auf dem Tisch steht und deren Inhalt nun ganz schnell die beiden wärmt. Somit muss der Erzengel Gabriel (Richard Renoth) energisch einschreiten, um Petrus und Franzi wieder in die himmlischen Gefilde zurückzuholen. Mutter Anni entdeckt am Morgen die leere Flasche und schimpft den Vater Gustl gehörig aus.

Petrus und Engel Franzi sind wohlbehalten wieder in ihre Himmelsstube zurückgelangt. Dort ist Franzis Lieblingsbeschäftigung der Blick durch das Fernrohr auf die Erde. Obwohl Petrus auch gern einen Blick riskiert, erlässt er ein Generalverbot für das Himmelsguckerl. Die Untugend der Neugier darf es schließlich im Himmel nicht geben. Auch die Naschhaftigkeit verdonnert er, kann aber dann doch der Versuchung der Weihnachtsplätzchen, die ihm Franzi so verführerisch unter die Nase hält, nicht widerstehen.

Herbert Haag spielt köstlich die Facetten des pfiffig-listigen Franzi-Engels aus. Er bemüht sich zwar, den Anordnungen von Petrus Folge zu leisten, aber dann kann er es dem Sportfanatiker Richard Renoth doch nicht versagen, das Beobachten der Fußballmannschaft durchs himmlische Fernrohr zu gewähren. Petrus, dem Max Schauer eine Mischung aus Autorität und Gutmütigkeit verleiht, möchte energisch eingreifen, kann jedoch dem himmlischen Fußballspiel nicht widerstehen, das Franzi schnell angezettelt hat, um ihn gewogen zu stimmen. Ganz unhimmlisch benimmt sich als »Neuzugang« der Beamte, von Roman Kutha herrlich charakterisiert, der pedantisch Ordnung schaffen will, aber das kommt bei den Himmlischen nicht gut an und Franzi nimmt sich vor, dem Überbeamten seinen Verwaltungsfimmel auszutreiben. Franzis weiches Herz trägt den Sieg davon, wenn er der gar so lieb bittenden Oma gewährt, durchs Guckerl das Treiben ihres Enkels zu beobachten. Die Oma macht Elisabeth Hölzl-Michalsky mit vital charakterisierender Überzeugungskraft zum Traum aller Enkel. Ihre sorgende Liebe bringt auch Michaels Mutter zur Vernunft, sich mehr ihrem Buben zu widmen. Die Himmelseingebungen wären unten oft vonnöten, meinen die Himmlischen übereinstimmend, die jetzt vereint und amüsiert am Himmelsguckerl die Erdenszenerie beäugen. aum