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Wie das Leben so spielt – in Bayern

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Beim Glockenspiel vom Münchner Marienplatz assistierte die Besucherin Elisabeth aus Bernau dem Musik-Kabarettisten Josef Brustmann. (Foto: Heel)

Ginge morgen die Welt unter, der Musiker, Dichter und Kabarettist Josef Brustmann käme mit einem blauen Auge davon. Er müsste nur daheim bleiben, in Wolfratshausen, wo »alles 20 Jahre später passiert«. Wie dem auch sei, jetzt war er wieder einmal in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS zu Gast, wo er in einer Vorpremiere sein neues Programm »Das Leben ist kurz – kauf die roten Schuh« vorgestellt hat.


Ein Programm, das eigentlich eine lockere Plauderstunde mit Gesangseinlagen war, in der Brustmann mit verschmitztem Humor von (s)einem Bayern erzählte, in dem er 1954 als achtes von neun Kindern einer mährischen Flüchtlingsfamilie in der Nähe von Teisendorf geboren wurde. Einer sehr musikalischen Familie übrigens, in der stets gesungen wurde; eine Lust, die der kleine Josef schnell übernehmen und die sein ganzes Leben bestimmen sollte.

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Aufgewachsen ist er in Waldram bei Wolfratshausen, in der Heimat von Edmund Stoiber und anderen skurrilen Gestalten wie dem Leichenwäscher und Totengräber Toni, der diese Tätigkeiten nur ausübte, weil er gerne mit Menschen zu tun hatte. Hier hat der »Joe« Fußball gespielt, »Judenstrick« geraucht und in den Isarauen Indianer gespielt. Und als Sternsinger miterlebt, wie das Wirtschaftswunder an Fahrt gewann, auf Gaben wie Äpfel oder Birnen erst Südfrüchte und dann Geld folgten. Bekannt wurde er (nach einem Zwischenspiel als Musiklehrer an einem Münchner Gymnasium) durch seine Mitwirkung beim »Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn« und als Mitbegründer der »Monaco Bagage«. 2004 präsentierte er mit »Leben hinterm Mond« sein erstes Soloprogramm, kennt Bayern von A bis Z und wenn er erzählt, wie seine Mutter seine »blauen Blue Jeans« bügeln wollte, dürften so manche Besucher von ähnlichen Erinnerungen heimgesucht werden.

Kleine, sehr persönliche Geschichten, mal amüsant und mal nachdenklich, untermalt mit heimeligen bayerischen Volksmusikklängen und einer furios gezupften Zither-Version der Beatles-Nummer »Across the Universe«, der er mit »Highway to Hell« von AC/DC noch eins draufsetzte. Wobei eine Discokugel in Taschenformat für besondere Lichteffekte sorgte. Gelegentlich streifte er dabei mit seinen bissigen Gstanzln die große Weltpolitik: »Trump ist Präsident und Cohen hin-über. Verzeih, lieber Gott, aber andersrum wär’s mir lieber.«

Stattdessen präsentierte er launige Grabsteininschriften wie den einer Witwe für ihren verblichenen Gatten: »Ruhe in Frieden, bis wir uns wiedersehen.« Zum Abschluss bezog er eine Besucherin namens Elisabeth aus Bernau noch in sein melodisches Glockenspiel vom Münchner Marienplatz ein und animierte das Publikum zum Mitsingen. Und wer sich jetzt fragt, was der Titel des Programms besagen sollte: Gemeint mit dieser Aufforderung war (natürlich) seine Frau, die er brav ins Schuhgeschäft begleitet hat, um dort bei Kaffee und Zeitungslektüre auszuharren, bis der Kaufvorgang abgeschlossen war.

Einige Passagen des Programms finden sich auch auf seinem soeben erschienenen Album »Brustmanns Lust«, das er zusammen mit sieben befreundeten Musikern aufgenommen hat. Wunderbare, aus dem Leben gegriffene Lieder, von der Ballade über Folk und Rock’n’Roll, Franz Schubert, Bayerischer Elegie bis hin zur Trash-Polka. Wolfgang Schweiger