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Wie den wilden 20er Jahren entstiegen: Schmidt

Hamburg/Berlin (dpa) - Wenn eine 22-Jährige Sätze sagt wie «Aus meinen ersten Songs bin ich herausgewachsen» und «Ich hab mich gefunden durch mein Album», dann klingt das durchaus etwas befremdlich. Schmidt sagt solche Sätze und bei dieser 22-Jährigen scheinen sie fast selbstverständlich und doch ein wenig einstudiert.

Sängerin Schmidt
Die Berliner Sängerin Schmidt hat sich in jungen Jahren schon einen Markenkern erarbeitet. Foto: Daniel Reinhardt Foto: dpa

Schmidt heißt mit bürgerlichem Namen Elisa Schmidt und hat gerade (18. Mai) ihr Debütalbum «Femme Schmidt» veröffentlicht, produziert von Guy Chambers, der bereits mit Robbie Williams mehrere Alben aufgenommen hat.

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«Ich wollte schon mit zehn Jahren Sängerin werden, habe damals Jugendtheater gespielt und mit elf Gesangsunterricht bekommen. Mit 15 hat es mich dann in die Ferne gezogen», sagt sie, während sie sich lasziv auf einem Ledersofa in einer Hamburger Hotellobby räkelt und sich eine lange Pony-Strähne aus dem Gesicht streicht. Lasziv, das ist auch Schmidts Musik, die sie als «Pop Noir» bezeichnet. Es ist eine Mischung aus Jazz, New Burlesque und Cabaret, modern interpretiert und als Reminiszenz an die verruchten 20er und 30er Jahre angelegt, mit kräftiger, voller Stimme gesungen, mal auch gehaucht.

Dazu passen die auftoupierten, langen braunen Haare, die Smockey-Eyes mit dichten, langen künstlichen Wimpern, das sexy Outfit. «Ich bin dann auf ein Musikinternat südlich von London gegangen und nach fünf Monaten hat es mich in die USA verschlagen, wo ich in einer Familie gelebt habe und dann noch mit einer Freundin quer durchs Land gereist bin», erzählt sie freundlich und doch stets darauf bedacht, die unnahbare, geheimnisvolle junge Frau zu geben - «verletzlich, aber selbstbewusst und fordernd», wie es auf ihrer Homepage heißt. Schmidt beherrscht das perfekt.

Nach ihrer Zeit im Ausland kehrt sie nach Deutschland zurück, nach München, wo ihre Eltern inzwischen hingezogen sind. Sie macht ihr Abitur - und Musik. «Im Internat hatte ich ja begonnen, Songs zu schreiben und irgendwann habe ich einen davon ins Internet gestellt. So kam der Kontakt zu meinem heutigen Manager. Ich bin also eine "Internet-Entdeckung".» Schmidt, damals hieß sie noch für alle Elisa, zieht nach Berlin, besucht Songwritercamps. Und dann geht alles ganz schnell. Plötzlich hat Warner Music Entertainment Interesse an Schmidt.

Die Plattenfirma ist es dann auch, die Schmidt mit Guy Chambers bekanntmacht. Chambers, der nach seinem Bruch mit Robbie Williams nie wieder ein ganzes Album mit einem Künstler machen wollte, ist begeistert, arbeitet in seinem Londoner Studio mit der Sängerin. Die streift abends durch Bars und Clubs, darunter «Ronnie Scott's», wo schon Jimi Hendrix, Ella Fitzgerald und Jamie Cullum auf der Bühne standen.

In einer solchen Bar in Notting Hill trifft Schmidt auch Hugh Grant. «Ich hatte mein Handy auf dem Tresen liegen und er hatte es genommen und mich dann nach dem PIN-Code gefragt und wir sind ins Gespräch gekommen», erzählt sie fast beiläufig. Als sie einige Monate später mit ihm in Berlin Essen geht, sind die Paparazzi gleich zur Stelle. Die Klatschpresse dichtet den beiden eine Affäre an. «Wir sind nur sehr gut befreundet. Er ist ein wahnsinnig aufregender Mensch.»

Schmidt ist ein Gesamtkunstwerk: jung, schön, mit einer rauchigen Stimme, perfekt inszeniert. Ihre Musik erinnert ein wenig an Katie Melua, manchmal an Adele oder auch Amy Winehouse, nur eleganter, geheimnisvoller. «Ich hab' mit meiner Musik etwas Eigenes geschaffen, was mir keiner wegnehmen kann», wehrt sie jeden Vergleich ab. «In dieser Musik stecken alle meine Emotionen, Träume und Wünsche.» Auch so ein Satz. Aber wenn dabei ihr Koblenzer Dialekt ganz leicht zu hören ist, sie an ihrem ultrakurzen, engen Mini zuppelt, dann kommt hinter der perfekten Figur Schmidt auch noch die 22-jährige Elisa zum Vorschein. Und das ist sympathisch.

Schmidt