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Wie der Christbaum zu den Waldbauern kam

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Die Harfenistin Silke Aichhorn begleitete musikalisch die Lesung von Dr. Martin Fogt im NUTS. (Foto: Heel)

Einen kurzweiligen Adventskranz aus stimmungsvollen Geschichten und schwungvollen Melodien haben die Harfenistin Silke Aichhorn und der Radiosprecher, Autor und Musikwissenschaftler Dr. Martin Fogt bei ihrer mittlerweile siebten Weihnachts-Lesung in der gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS präsentiert.


Zum Auftakt las Fogt mit »Der Nikolaustag« eine Kurzgeschichte von Joseph Maria Lutz vor, dessen bekanntestes (Bühnen-)Werk die Adaption der »G'schicht vom Brandner Kasper« von Franz von Kobell ist. Weiter ging es mit Gedanken über Weihnachten, wie es wohl wirklich ist und wie viele Männer eigentlich zur Weihnachtszeit verschwinden, entnommen der Kurzgeschichte »Familienfest« von Keta von Waberer. Ein nicht ganz so gelungenes Weihnachtsfest beschreibt auch Ludwig Thoma mit einem Augenzwinkern in »Der Christabend – Eine Familiengeschichte«, die Fogt zum Besten gab. Eine höchst amüsante Geschichte, in der ein Staatsanwalt und seine Frau auf den Gedanken kommen, dass sie ihre drei Töchter, die »alle im höchsten Grade fähig und entschlossen, dem ledigen Stand zu entsagen«, zu Weihnachten am besten mit Männern bescheren würden. Ein Vorhaben, das trotz sorgfältigster Planung dennoch komplett aus dem Ruder läuft.

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Nach weiteren Geschichten, unter anderem von Paul Maar (»Der doppelte Weihnachtsmann«) und Gustav Ernst (»Die Geschenke ...«), sowie einigen Gedichten von Rainer Maria Rilke (»Die hohen Tannen«) trug Fogt abschließend noch vor, wie durch Peter Rosegger der erste Christbaum zu den Waldbauern kam. Eine atmosphärisch ungemein dichte, autobiografische Erzählung, in der Rosegger schildert, wie er als Student zu Weihnachten seine Familie besuchte und die Idee bekam, für seinen jüngsten, kränkelnden Bruder Nickerl einen Christbaum zu errichten, denn »ich hatte viel sprechen gehört davon, wie man in den Städten Weihnachten feierte. Da sollen sie ein Fichtenbäumchen, ein wirklich kleines Bäumlein aus dem Wald, auf den Tisch stellen, an seinen Zweigen Kerzlein befestigen, sie anzünden, darunter sogar Geschenke für die Kinder hinlegen und sagen, das Christkind hätte es gebracht.«

Ein besonderes Vergnügen war dabei, dass Silke Aichhorn die Lesung musikalisch begleitete: Die Harfenistin brachte so schwungvoll wie technisch brillant einen bunten Strauß von Melodien facettenreich zu Gehör, angefangen mit »Valse Caprice«, einem graziösen Walzer des französischen Harfen-Virtuosen Gabriel Verdalle. Danach folgten unter anderem der flotte, an Scott Joplin erinnernde »Dirty Laundry Rag«, eine Komposition des in New York geborenen Harfenisten Park Stickney, eine berührende Version des österreichischen Weihnachtslieds »Es werd scho glei dumpa«, und mit »Samba« ein Parade-Stück des französischen Harfenisten und Komponisten Bernard Andrès.

Sehr klangvoll war auch Karel Svobodas Titelmelodie aus dem Film »Drei Nüsse für Aschenbrödel« und mit Claude Debussys »Claire de Lune«, wohl einem der bekanntesten Werke des Franzosen, ging die Lesung zu Ende. Wolfgang Schweiger

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