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Wie die schöne Italienerin eitle Liebhaber überlistet

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Die Ankunft der schönen Isabella (Cecilia Bartoli) in Algier. (Foto: Monika Rittershaus)

Die diesjährige Programmausrichtung der Salzburger Pfingstfestspiele widmete sich dem Gedenken an Gioachino Rossinis 150. Todestag. Rossinis pulsierende Komödie »Die Italienerin in Algier« machte das Regie- und Ausstattungsteam Moshe Leiser / Patrice Caurier im Haus für Mozart zur spritzigen Hommage an den Komponisten.


Die Regisseure gestalten ein amüsantes Vergnügen, spaßig, unbeschwert trotz kleiner Anspielungen, insgesamt eine prächtig gesungene Opernheiterkeit, die das Publikum in beste Laune versetzt und entsprechend bejubelt.

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Die Geschichte dreht sich um Mustafa, den Bey von Algier, der seine ihn liebende Gattin Elvira loswerden will, weil sie seinen sexuellen Ansprüchen nicht mehr genügt. Für diese wünscht er sich eine feurige Italienerin. Die findet sich in der schiffbrüchigen Isabella, die in Begleitung ihres von ihr nicht erhörten Anbeters Taddeo auf der Suche nach ihrem verlorenen Geliebten Lindoro ist.

Aber Mustafas Rechnung geht nicht auf. Zwei Welten prallen aufeinander. Als sich Isabella und Lindoro wiederfinden, überlistet die schöne Italienerin den despotischen, eitlen Möchtegern-Liebhaber und entschwindet mit Lindoro per Schiff nach Italien. Die rundum lustig dargestellte Komödie hat dabei durchaus aktuellen Bezug. Nicht erst heute ist die Thematik brisant, dass in die Jahre kommende Machos es für selbstverständlich halten, junge Frauen hätten nichts anderes im Sinn, als deren Begehrlichkeiten einen neuen Liebesfrühling zu servieren.

Ein bisschen Algerien hat das Ausstattungsteam (Bühne Christian Fenouillet) angedeutet: Der Muezzin ruft noch während der Ouvertüre, Isabella erscheint auf einem Kamel, und aus einem etwas heruntergekommenen Vielfamilien-Hochhaus lassen Bewohner arabische Schimpftiraden los als Reaktion auf Lindoros schmachtende Liebessehnsucht. Orientalisch ausstaffiert wird Taddeo bei seiner Ernennung zum »Kaimakan«. Im Gegenzug wird Mustafa in den Rang des »Pappataci« erhoben, dessen Aufgaben einzig im Schlafen, Essen, Trinken und Genuss der Liebe bestehen. Diese List ermöglicht den Liebenden die dadurch von Mustafa zu spät bemerkte Einschiffung und Heimreise.

Mit einer Fülle von hurtigen Noten und witzig strukturierten Ensemblenummern sind die singenden Darsteller zu vokalen Glanzleitungen präziser musikalischer Genauigkeit und Zungenfertigkeit herausgefordert. Cecilia Bartoli hat in der Italienerin Isabella eine neue Glanzrolle gefunden, die ihr maßgeschneidert ist. Mit ihren flinken Koloraturen, der elektrisierenden Präsenz, der sie kein Nachlassen an Intensität gewährt, und der pfiffigen Darstellung kostet sie alle Facetten ihres immensen Bühneninstinkts und ihrer Gabe zur interpretatorischen Rollenidentifikation aus.

Den hier geforderten stimmlichen Umfang von der Altregion bis hinauf zu brillanten Spitzentönen meistert sie mit Bravour und punktet sogar in der überschäumenden Badewanne mit vokaler Qualität. Zudem hat sie sich mit einem hervorragenden Ensemble umgeben: Mit beweglichem Bass, lockerem Parlando und üppigem Bühnenbauch gibt der Ungar Peter Kálmán als Mustafa eine veritable Leistung als Komiker. Lindoro stattet der aus Uruquay stammende Edgardo Rocha mit hellen Tenorqualitäten aus, die, geschickt geführt, höhensicher strahlen. Der Turiner Alessandro Corbelli ist der komödiantische Taddeo mit großer Erfahrung im genau richtigen Maß von ernsthaftem Herangehen an eine witzige Figur.

Der junge bolivianische Bass José Coca Loza als Diener Haly lässt mit profunder stimmlicher Qualität aufhorchen. Rebeca Olvera, Mustafas verschmähte Ehefrau Elvira, gibt der undankbaren Partie aufleuchtenden Sopranglanz, der funkelnde Lichter über die Ensembles streut. Der Dirigent Jean-Christophe Spinosi ist der Sängercrew ein engagierter und anspornender Führer mit Impetus für flotte Rossini-Tempi, aber leider sitzt sein Ensemble Matheus so tief im Graben, dass es meist nur als filigrane Untermalung wahrgenommen wird. Fantasievoll begleitet Luca Quintavalle die Rezitative am Hammerklavier.

Die gelungene Produktion wird mit fünf Aufführungen vom 8. bis 19. August in die Sommerfestspiele übernommen. Elisabeth Aumiller