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Wie ein aufsteigender Morgen über der See

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Begeistert war das Publikum vom Konzert der Irish Wings im Haus St. Rupert in Traunstein.

Die meisten Besucher haben sicherlich die Band, die sich seit 1988, dem Jahr ihrer Gründung, Irish Wings nennt, noch nicht gekannt. Gleichwohl gab es bei dem Konzert der Band im Haus St. Rupert in Traunstein eine Handvoll Gäste, die sich noch an deren erstes Konzert im Chiemgau erinnern konnten, das im Chieminger Haus der Vereine stattfand. So meinte eine Chiemingerin, als sie von der Veranstaltung hörte, ganz spontan, dass sie »da hin muss«.


Trotz eines zeitgleich in Traunstein stattfindenden, sinfonischen Konzerts waren alle Plätze reserviert. Der Saal im Haus St. Rupert war voll; so mussten noch weitere Stühle herbeigeschafft werden, um ohne Voranmeldung gekommene Gäste nicht abweisen zu müssen. Auch die Empore musste für Besucher herhalten. Die Enge in den hinteren Reihen tat jedoch der Stimmung keinen Abbruch.

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Das Quintett von »Irish Wings« trug seine Lieder virtuos solo oder begleitet mit verschiedenen Saiteninstrumenten, Geige, Violoncello, Flöte und Bodhrán vor. Zu hören waren im ersten Teil ein- und mehrstimmige Lieder des 17. und 18. Jahrhunderts aus der Geschichte Irlands und Schottlands, die Zeugnis von vielen kriegerischen Auseinandersetzungen gaben sowie geprägt waren von Vertreibung und Hungersnöten. Ihnen folgten zeitgenössische Kompositionen. Nach der Pause wurde das Programm von Werken der Lebensfreude und Lebendigkeit besonders geprägt. Die Stücke ließen das Gefühl eines aufsteigenden Morgens in der Irischen See aufkommen, so hatte es ein Kritiker einmal formuliert.

Bandgründer Heinz Sammer verstand es, ob mit Gitarre oder Bouzouki, die volle Klangfarbe seiner Instrumente zur Geltung zu bringen. Ihm oblag es auch, mit einführenden Geschichten durch den Abend zu führen. Die ausgebildete Klassik- und Jazzsängerin Bianca Bodler, die sich als Sopranistin bei Gospels und Spirituals bereits einen Namen gemacht hat, verstand es, in allen Tonlagen perfekt ihre Songs vorzutragen, gleichgültig, ob sie von Melancholie oder Freude bestimmt waren. Die außerordentliche Beherrschung der irischen Harfe, dem wichtigsten Instrument irischen Folks, zeichnete Bruno Steins Musik besonders aus. Er begeisterte die Gäste auch mit seinen verschiedenen Flöten, der Gitarre und dem Bodhrán.

Als im zweiten Teil des Abends Heila Steinmann mit Violoncello oder Tin Whistles sowie Christine Stransky auf ihrer Violine bei irischen Tänzen begannen, strophenweise die Interpretation wechselten sowie zusätzlich den Rhythmus zu erhöhten, bedurfte es keiner Anweisung mehr für das Publikum, im Takt begleitend zu klatschen. Große Stimmung kam auf. Einige Gäste, die irischen Volkstanz beherrschten, ließen sich nicht davon abhalten, selbst in dem engen Raum, der ihnen zur Verfügung stand, zu tanzen.

Überwältigender, großer Applaus, gewürzt von begeisterten Zurufen, war Irish Wings sicher. Besonders die begnadet aufspielende Geigerin Christine Stransky freute sich darüber; denn es war für sie erst das dritte Konzert, seit sie Anfang des Jahres in das Ensemble aufgenommen worden war. Mit einem, von Heinz Sammer vorgetragenen, Gebet und mehreren Zugaben verabschiedeten sich Irish Wings vom Publikum. fb