Wie ist es um den Grünstein-Klettersteig bestellt?

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Die Hinweistafeln für den Klettersteig mussten entfernt werden. Der Weg ist offiziell gesperrt.
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Der Zustieg ist abgebrochen und als Mure ins Tal gegangen. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Der Grünstein-Klettersteig ist mit mehr als 12.000 Begehungen pro Saison einer der beliebtesten Klettersteige. Oder war er es einst? Wie es nach den Murenabgängen um die Zukunft des Klettersteiges bestellt ist, sei ungewiss, das bestätigte der Klettersteig-Initiator (Vorsitzender des SC Grünstein Klettersteig) Michael Grassl auf Nachfrage.


Umgerissene Bäume, eine Geröllhalde und eine riesige Bruchkante zeugen davon, was einst der Einstiegsbereich des Grünstein-Klettersteigs war. »Der Einstieg – ein Wandfuß mit Buckel – existiert nicht mehr«, sagt Michael Grassl. Auf seine Initiative hin wurde der Klettersteig am 1 300 Meter hohen Grünstein vor zwölf Jahren installiert. Ehrenamtliche Helfer errichteten den Steig gemäß der geltenden DAV-Richtlinien in Zusammenarbeit mit einheimischen Bergführern. Der Klettersteig war in der Vergangenheit stets gut besucht. »Die Leute reisen teilweise von weit her an«, sagt Michael Grassl, der selbst Bergführer ist.

Was den Grünstein-Klettersteig ausmacht, sind die Varianten: Isidorsteig, Räuberleiter, Hotelroute und Gipfelwand und die Bandbreite der angebotenen Routen umfasst Schwierigkeitsgrade von A bis E. »Der Grünstein-Klettersteig ist ein moderner Sportklettersteig für jedermann«, so Michael Grassl. Der Steig hat eine Wandhöhe von 400 Metern und eine Länge von 670 Metern.

Als Folge des Starkregens waren mehrere Muren ins Tal gerauscht. Nun gibt es keinen Zustieg mehr zum Steig. Der Einstiegspunkt oberhalb der Kunsteisbahn am Königssee ist auch zu Schaden gekommen (wir berichteten). Das gesamte Start-Plateau ist weggebrochen.

Die Gemeinde Schönau am Königssee hat den Schaden begutachten lassen und die Klettersteig-Verantwortlichen dazu aufgefordert, alle Hinweisschilder entfernen zu lassen. Dann sollen Varianten geprüft werden, wie weiter vorgegangen wird.

Im Internet machen Äußerungen die Runde, der massive Schaden könne das Ende für den Klettersteig bedeuten. Unrealistisch sei das nicht. »In dieser Saison geht sowieso gar nichts mehr«, sagt Michael Grassl. Ob es den Grünstein-Klettersteig in Zukunft geben wird, habe viel damit zu tun, ob es möglich ist, einen neuen Einstieg anzulegen. Eine Instandsetzung des Einstieges komme teuer zu stehen: »Das sind alles immense Kosten«, sagt der Bergführer. Wie es um den Klettersteig selbst bestellt ist, kann Michael Grassl noch nicht abschätzen. »Dazu müssen wir den Bereich zunächst begutachten.« Bislang sei dazu noch keine Zeit gewesen. Wagemutige haben aller Warnungen zum Trotz den Klettersteig begangen. Auf sozialen Medien tauschen sich die Sportler aus. »Wir können nur dazu auffordern, das zu unterlassen«, macht Michael Grassl deutlich. Der Klettersteig sei weder gewartet noch auf Sicherheit hin geprüft worden.

Solange es keinen offiziellen Zustieg gibt, bleiben die Routen offiziell gesperrt. Dass der Wegfall des Klettersteigs am Grünstein einen »herben Verlust« bedeutet, daraus macht niemand ein Geheimnis.

Ein Mitarbeiter eines auf Bergsportler zugeschnittenen Hotels am Fuße des Grünsteins sagt: »Es gibt etliche Gäste, die eigens wegen des Steigs zu Besuch gekommen sind.« Das Begehen eines Klettersteiges sei einst im Trend gewesen, sagt Michael Grassl. »Mittlerweile hat sich der Sport fest etabliert.« Irgendwann, so hofft es der Vereinsvorsitzende, werden die Felsbegeisterten auch am Grünstein wieder auf ihre Kosten kommen. Das allerdings könnte dauern. Kilian Pfeiffer