weather-image

Wie man aus Menschen Konsumenten macht

3.7
3.7
Bildtext einblenden
Als selbsternannter Verbraucherschützer begeisterte der Kabarettist Philipp Weber bei seinem Gastspiel in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Heel)

Marketing ist alles und weit mehr als nur Werbung. Wie es funktioniert und welche Folgen dies hat, erklärte der 45-jährige Kabarettist, Autor und selbsternannte Verbraucherschützer Philipp Weber bei seinem Auftritt in der voll besetzten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo er sein aktuelles Programm »Weber No. 5: Ich liebe ihn!« – in Anlehnung an den Duft und die Fastfoodwerbung – vorstellte.


Ausgehend von dem Motto »Der Mensch kauft Dinge, die er nicht braucht, um Leute zu beeindrucken, die er nicht mag«, zeigte er dabei auf, wie sehr wir alle manipuliert werden, um nicht als mündige Bürger, sondern als (besinnungslose) Konsumenten durchs Leben zu gehen. Das klingt jetzt ein wenig nach Oberlehrer und Frontalunterricht, doch keine Sorge.

Anzeige

Wie schon bei seinen Vorgängerprogrammen »Futter – streng verdaulich« und »Durst – Warten auf Merlot« schaffte es der aus Amorbach im Odenwald stammende Kabarettist auch hier, seine Kritik an den Auswüchsen unserer Konsumgesellschaft so kurzweilig wie konstruktiv ans Publikum zu bringen. Zumal er als studierter Biologe und Chemiker weiß, wovon er spricht, auch wenn viele der angeführten Fakten zunächst wie erfunden wirkten wie etwa die Forschungen zwecks einer »Lustpille für Frauen«.

Doch wieso hat die Werbung so leichtes Spiel mit den Menschen? Weil sie Emotionen schüren würde, so Webers Kernaussage, die er anhand von Begriffen wie »pränatales Marketing«, »emotionale Konditionierung« oder »Bedürfnispyramide« wissenschaftlich untermauerte und mit oft skurrilen Beispielen aus der Realität illustrierte. Denn ist der Verstand erst einmal ausgeschaltet, könne man den Leuten alles andrehen, sogar Fahrradhelme, die zur Unterwäsche im Bett getragen werden, oder Luxusuhren für Taucher, die bis 1200 Meter Tiefe garantiert wasserdicht sind. Weber selbst bildet da keine Ausnahme: Er sei anfällig für jede Art von Küchengerät, vom 45-teiligen Messerset über diverse Milchaufschäumer bis hin zum Mayonnaise-Maker, wie er offen zugab. Fast immer in Bewegung, wortgewaltig und publikumsnah, machte er sich dabei zwischendurch über eine Image-Kampagne der Bundeswehr lustig, setzte Senioren mit »fossilen Energien« gleich und verwies darauf, dass »geplante Obsoleszenz« mittlerweile jeden von uns betreffen würde, nämlich dann, wenn zum Beispiel Elektrogeräte viel schneller kaputtgehen als früher.

Über all dies und vieles mehr philosophierte der Kabarettist bei seinem gut zweistündigen Auftritt, und das derart temporeich und leidenschaftlich, dass man zuweilen Mühe hatte, die vielen Informationen, witzigen Einfälle und Pointen zu verarbeiten. Kabarett eben, wie es sein sollte, Spaß und Aufklärung in einem.

Wolfgang Schweiger

Italian Trulli