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Wie Prince in weiblich: Janelle Monáe begeistert Berlin

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Janelle Monáe
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Janelle Monáe ist live ein Erlebnis. Foto: Matt Sayles/Invision/AP/Archiv Foto: dpa

Ist der schmerzlich vermisste Prince auf die Erde zurückgekehrt - als Frau? Das Berliner Konzert der fantastischen Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin Janelle Monáe vermittelt den Eindruck einer Wiedergeburt über Gender-Grenzen hinweg.


Berlin (dpa) - Janelle Monáe singt so toll wie die größten weiblichen Stars des Soul oder Jazz. Sie tanzt so schwerelos wie die Allerbesten im gegenwärtigen R&B oder Hip-Hop. Und sie performt ihre Botschaft - für Toleranz und Liebe, gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie - restlos überzeugend als politisch engagierte schwarze Frau.

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Das Berliner Konzert der 33-jährigen Musikerin und Schauspielerin (im US-Drama »Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen« und in »Moonlight«, beide von 2016) präsentiert ein Multitalent, wie es seit Prince nur sehr wenige gab. Gerade der 2016 mit nur 57 Jahren gestorbene Crossover-Superstar kommt vielen in den Sinn, als Monáe in der pickepacke vollen Columbiahalle am Dienstagabend mit fünf Begleitmusikern und vier Tänzerinnen loslegt.

Nicht nur ihr aktueller Song »Make Me Feel« erinnert mit funky Gitarren-Groove (gespielt von Monáe selbst) und erotisch aufgeladenem Gesang an den Prinzen aus Minneapolis, den sie vor seinem Tod noch kennenlernen durfte. Eine »Purple Rain«-Hommage des anderen Gitarristen auf der Bühne - einziger Mann in der Band! - erinnert ganz direkt an das schmerzlich vermisste Genie.

Doch Janelle Monáe hat es mit ihrem Charisma und ihrer Vielseitigkeit gar nicht nötig, als Prince-Epigonin kurzfristigen Beifall abzugreifen. Mit Songs aus ihrem kunterbunt-kühnen Debüt »The ArchAndroid« (2010), dem etwas stromlinienförmigeren Nachfolger »The Electric Lady« (2013) und dem aktuellen Hit-Album »Dirty Computer« (2018) wickelt diese körperlich kleine, ansonsten aber riesengroße Soul-Pop-Überfliegerin ihr Publikum lässig um den Finger.

Mal lässt sie sich einen Thron auf die Bühne stellen und rappt, dass es nur so knistert. Dann schäkert sie mit ihren (wie sie selbst) oft leicht bekleideten Tänzerinnen, während die Band den Klang zum Brodeln bringt. Sie holt vier Fans zu sich ins Rampenlicht und animiert sie zum (sehr respektablen) »Juice«-Gezappel.

Die Bilder auf der Großleinwand im Hintergrund zeigen eine schöne junge Frau, die sich sichtbar wohlfühlt in Berlin. Gegen Ende der Show klettert die Tochter eines Lastwagenfahrers aus Kansas City ins begeistert mitsingende Publikum und dirigiert ihre Fans. Nach gut 90 schweißtreibenden Konzertminuten hat Janelle Monáe locker bewiesen, welches Superstar-Potenzial sie hat. Neben Rihanna, Beyoncé und Ariana Grande ist bestimmt auch noch ein Plätzchen frei.

Website Janelle Monáe