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Das alte Schulgebäude in Weildorf soll abgerissen und durch ein neues ersetzt werden. Der Gemeinderat hat begonnen, über die Gestaltung nachzudenken. (Foto: Konnert)

Wie sieht die Schule der Zukunft aus? – Informationen in der jüngsten Teisendorfer Gemeinderatssitzung

Teisendorf – Die Schule ist für Schüler und Lehrer Lern- und Lebensraum zugleich. Mit Schulen in Teisendorf, Oberteisendorf, Neukirchen und Weildorf ist die Marktgemeinde ein wichtiger Schulstandort. In Weildorf steht der Neubau eines Schulgebäudes an. Zudem hat Corona gezeigt, wie wichtig Flexibilität in der Gestaltung von Klassenräumen ist. Deshalb, so Bürgermeister Thomas Gasser, müsse sich der Gemeinderat verstärkt mit der Frage beschäftigen, wie eine Schule der Zukunft aussehen soll, um die Veränderungen im Bildungsbereich und in der Gesellschaft umzusetzen und abzubilden. 


Als Impuls zu einer beginnenden Diskussion, vor allem auch angesichts des in Weildorf anstehenden Schulneubaus, war Franz Röder aus Frasdorf von »Lernwelten - Franz Röder« eingeladen. Unter der Überschrift »Lernumgebung neu denken« sprach der Fachmann und Vater zweier Kinder darüber, wie man Architektur, Pädagogik und Ausstattung der Schulen in Einklang bringen kann, beziehungsweise wie eine leistungsfähige und zeitgemäße Lernumgebung gestaltet werden sollte, um den Kindern Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. Röder arbeitet an der Schnittstelle zwischen Pädagogik und Architektur und begleitet Veränderungen im Bildungsbereich konzeptionell und in der Umsetzung. Er hat unter anderem in Projekten zur Schulgestaltung in der Schweiz und in Südtirol mitgearbeitet. Schule müsse von innen heraus gebaut werden, »Die Gebäude gehen zu wenig von innen nach außen. Nicht die Fassaden sind wichtig, sondern die Kinder, für die die Gebäude errichtet werden«, so sein Credo.

Sein zweiter Grundsatz ist, Bewegung in den Unterricht zu bringen. »Bewegung fördert Seele und Geist«, ist Röder überzeugt. Der Frontalunterricht mit starren Möbeln und ruhig sitzenden Kindern gehöre der Vergangenheit an, mit Bewegung und Gruppendynamik wären auch die Lernergebnisse besser. Im Einzelnen ging es um neue Lehrraumausgestaltung mit kreativen, flexiblen auch multifunktionalen Möbeln und Einrichtungsszenarien, einer Neugestaltung eventuell auch Verkleinerung und Mitnutzung des Lehrerbereichs durch die Schüler, um offene Räume mit einem »Marktplatz« als Mittelpunkt, ähnlich wie bei dem Münchner Lernhaus-Konzept. Weitere in anderen Projekten bereits verwirklichte Ideen waren Sammelgarderoben, einsehbare Lehrerzimmer mit Glaswänden, ein Brunnen als sozialer Mittelpunkt oder bodennahes Lernen, zum Beispiel in einem Zelt. Die Bedenken der Gemeinderäte hinsichtlich eines hohen Lärmpegels oder hoher Kosten, konnte Röder entkräften. »Neue Pädagogik muss nicht mehr kosten« zeigte er sich überzeugt. Und aktive Kinder sind ruhiger als solche, die eine Stunde lang auf dem selben Platz sitzen sollen.

In der anschließenden Diskussion fragte Gemeinderat Georg Quentin, ob diese Konzepte nur für Grundschulen gelten würden, oder auch für weiterführende Schulen, wie beispielsweise Berufsschulen angewendet werden könnten. Natürlich gelte das auch für weiterführende Schulen, so Röder, denn der Mensch brauche Bewegung in jedem Alter. Gemeinderat Georg Wetzelsperger bedankte sich in der Sitzung für die interessante Vorstellung. Er betrachte dies als einen Start in eine neue Denkweise. Bleibt zu sehen, ob und wie die neuen Ideen in dem Schulalltag der Marktgemeinde Einzug finden werden.

kon