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Wie werden Kammer und Rettenbach attraktiver?

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Vor allem im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr rollt täglich ein Auto nach dem anderen auf der Kreisstraße durch Kammer und Rettenbach. Der Verein Dorfentwicklung Kammer-Rettenbach diskutierte mit Bürgern über dieses Problem und andere Themen, die für den Ort von Bedeutung sind. (Foto: Oberkandler)

Traunstein – »Nur wer mitredet, kann auch mitgestalten« – unter diesem Motto stand ein öffentlicher Diskussionsabend des Dorfentwicklungsvereins Kammer-Rettenbach im Gasthaus Jobst in Rettenbach. Mit fast 60 Personen war das Nebenzimmer brechend voll. Es entwickelte sich eine mehr als zweieinhalbstündige Diskussion, in der zahlreiche Anregungen vorgebracht wurden.


Als Hauptproblem wurde dabei, wie in anderen Orten mit Durchgangsstraßen auch, der ständig zunehmende Verkehr angesprochen. Eine Lösung in Form einer Umgehungsstraße werde es in den nächsten 30 Jahren wohl nicht geben, lautete die realistische Einschätzung.

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Vorsitzender Markus Wimmer berichtete eingangs kurz über die Entstehungsgeschichte und die Ziele des Vereins, der im vergangenen Jahr gegründet worden ist. Bereits 2014 habe das erste Treffen von Interessierten stattgefunden. Erstes Thema sei ein Dorfladen gewesen, »aber da sind wir schnell an unsere Grenzen gestoßen«, räumte Wimmer ein.

Schließlich sah man die Möglichkeit, ein Ortsteilentwicklungskonzept erarbeiten zu lassen. 50 000 Euro wurden dafür zunächst im städtischen Haushalt bereitgestellt. Der Haushalt wurde vom Stadtrat jedoch abgelehnt. In der abgespeckten Version sei der Posten dann gestrichen gewesen. Das Erarbeiten eines solchen Entwicklungskonzepts kostet voraussichtlich 30 000 bis 35 000 Euro; »aber unter 50000 Euro hat man nichts beantragen können«, berichtete Wimmer. Deshalb müsse man auch ein Projekt vorschlagen, das verwirklicht werden soll.

Erstes Diskussionsthema war die Breitbandversorgung. Die ist nach Angaben von Helmut Kuttler im Ortskern sehr gut, im Außenbereich aber teils weniger gut. Schnell ging es weiter zu einem Thema, über das in Kammer seit Monaten kontrovers diskutiert wird: einen Dorfplatz. Gerlinde Stuhlreiter sagte, sie fände es schön, wenn man einen Dorfplatz bekäme. Andreas Hobmaier, der durch den Abend führte, ergänzte, dass ja auch der Mozartradweg von Waging Richtung Chiemsee durch Kammer führe und ein solcher Dorfplatz Rastgelegenheit für Radler böte.

Dem hielt Rita Pleli entgegen, diese könnten auch beim Wirt Rast machen. Überhaupt, so hieß es von anderer Seite, habe man zwei Gaststätten, einen Dorfplatz, womöglich mit einem Café, brauche man nicht. Der Vorsitzende des Arbeiter- und Burschenvereins, Georg Huber, fragte nach dem Standort für einen solchen Platz. Man habe ja gar kein Grundstück. »Das kommt mir vor, als wie wenn du sagst, du baust ein Haus, hast aber gar kein Grundstück.«

Wunsch nach besserer Nahversorgung

Breiten Raum nahm auch das Thema Nahversorgung ein. Markus Wimmer berichtete, man habe dazu mehrere Gespräche geführt und derartige Einrichtungen in der Umgebung besichtigt. Sein Fazit: »Ohne passende Immobilie ist es nicht rentabel, eine solche Einrichtung zu betreiben.« Man könnte darüber nachdenken, einen Lieferservice zu organisieren, aber »von einem Laden sind wir weit entfernt.« Eine Reihe von Vorschlägen für eine bessere Nahversorgung kam von mehreren Versammlungsteilnehmern; die Erfolgsaussichten dürften eher gering sein.

Dass der Wunschtraum einer eigenen kleinen Turnhalle untrennbar mit der Schule in Kammer verbunden ist, wurde in den Redebeiträgen zu diesem Thema deutlich. Der Rektor der Ludwig-Thoma-Volksschule, Clemens Gruber, zeigte sich dankbar, dass man das Schulhaus in Kammer habe. »Wir sind am Wachsen. Jedes Zimmer in der Ludwig-Thoma-Volksschule ist belegt.« Er räumte ein, dass der Turnraum in Kammer nicht mehr auf dem Stand der Technik und für den Schulsport nicht nutzbar sei. Er verstehe deshalb den Ruf nach einer Halle; allerdings seien die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung »äußerst zäh«. Man würde sich nicht nur beim Kindergarten und der Kindertagesstätte, sondern auch bei der Schule in Kammer eine Fortentwicklung wünschen.

Neben dem Thema Wohnraum und der Frage, wie man junge Familien in Kammer und Rettenbach ansiedeln kann, beherrschte dann das Thema Verkehr einen großen Teil des Abends. Dass der Verkehr auf der Kreisstraße ständig zunimmt, ist unbestritten. Es gab auch Vorschläge, dem entgegenzusteuern. Die waren jedoch Wunschdenken und können aus verschiedenen Gründen nicht verwirklicht werden, vor allem, weil dem rechtliche Vorgaben entgegenstehen.

Das gilt zum Beispiel für eine durchgehende Tempo-50-Beschränkung auch in dem unbebauten Bereich zwischen Kammer und Rettenbach. Tempo 30 im Bereich der Bushaltestelle in Kammer und beim Fußgängerüberweg waren eine weitere Forderung, die wohl kaum zu erfüllen sein wird.

Andreas Hobmaier notierte eifrig alle Vorschläge, über die das Kernteam des Vereins nun diskutieren und herausfiltern kann, was Aussicht auf Realisierung haben könnte. Die 50 000 Euro für das Ortsentwicklungskonzept stehen ja inzwischen bereit (wir berichteten). -K.O.-