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Wie wichtig sind gute Schulnoten?

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Die Noten sind der Grundstein für eine spätere Karriere – so die weit verbreitete Annahme. Doch spielen die Schulzensuren tatsächlich eine so wichtige Rolle? Schulnoten sollen den Leistungsstand der Schüler dokumentieren und bewerten; mit ihnen bewerben sich die jungen Leute später auf einen Ausbildungsplatz, einen Beruf oder ein Studium. Aus diesem Grund sind Schulnoten von zentraler Bedeutung, doch sagen sie nur wenig über Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein oder Fähigkeiten wie Konzentrationsfähigkeit und logisches oder räumliches Denkvermögen aus.


Ausbildungschancen auch ohne hervorragende Noten

Einige Betriebe legen aus diesem Grund mehr Wert auf interne Einstellungstests als auf die Schulnoten der Bewerber. Denn Noten werden von vielen Faktoren beeinflusst, die nichts mit dem Leistungsvermögen der Schüler zu tun haben und für das Unternehmen überhaupt keine Rolle spielen. Werden beispielsweise sehr viele Klassenarbeiten hintereinander geschrieben, bleibt dem Schüler oft nicht genug Zeit, um sich auf jede Arbeit sorgfältig vorzubereiten. Auch die Sympathie bzw. Antipathie im Lehrer-Schüler-Verhältnis beeinflusst die Zensurenvergabe. Doch für ein Unternehmen sind vor allem Motivation, soziale Fähigkeiten und fachliche Eignung wichtig. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Trumpf aus der baden-württembergischen Kleinstadt Ditzingen. "Wir haben festgestellt, dass die Noten bei den künftigen Auszubildenden auch stark abhängig davon sind, in welcher Lebensphase sie gerade sind", berichtet eine Sprecherin des Unternehmens in der FAZ. Bei Trumpf sind die Schulnoten nicht wichtig, stattdessen muss jeder Bewerber zu Hause ein 30-minütiges Online-Quiz absolvieren. Allein dessen Ergebnisse entscheiden darüber, wer zum persönlichen Gespräch eingeladen wird und wer nicht.

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Kann man von einer Noteninflation sprechen?

Doch stehen nicht immer nur Schüler mit schlechten Noten und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt im Mittelpunkt der Diskussion. Aktuell wird vielmehr darüber debattiert, ob in Deutschland eine Inflation der Schulnoten zu beobachten sei. Angeheizt wurde die Diskussion vom Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus: Er sorgt sich, "dass die Abiturzeugnisse entwertet werden." Angesichts der Tatsache, dass mittlerweile die meisten Studiengänge einen Numerus clausus haben – sie sind also zulassungsbeschränkt – versuchen Lehrer mitunter tatsächlich, mithilfe guter Schulnoten die Chancen ihrer Schüler zu verbessern. In solch einem Fall kann von einer Entwertung der Bewertung gesprochen werden. Bewerben sich Abiturienten mit ihrem Abschlusszeugnis schließlich nicht an einer Universität, sondern auf eine Ausbildungsstelle, ist das Unternehmen daher gut beraten, wenn es die tatsächlichen Kenntnisse und Fähigkeiten mithilfe eines Testverfahrens prüft.

Gutes Abitur ist der Schlüssel zum Studium

Wer sich jedoch mit seinem Abiturzeugnis nicht bei einem Betrieb bewirbt, sondern ein Studium anstrebt, der muss sich mithilfe seiner Noten gegen die anderen Studienbewerber durchsetzen. Aus diesem Grund ist Nachhilfeunterricht in den prüfungsrelevanten Fächern gerade unter angehenden Abiturienten so beliebt, um die Noten noch zu verbessern – sei es im Gruppenkurs, im One-to-one-Unterricht oder mithilfe der immer beliebter werdenden Online-Plattformen für Nachhilfe. Denn gerade an den großen Universitäten gibt es für die populärsten Studiengänge überdurchschnittlich viele Bewerber. Und ist ein Studiengang zulassungsbeschränkt, setzen sich in der Regel die Bewerber mit den besten Noten durch. Redaktion: Marc Huber

Bildrechte: Flickr School CollegeDegrees360 CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten