Wieder ein Fehlbetrag in der Bewirtschaftung des Waldes

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Reich an Wald ist die Stadt Traunstein. Ihr gehören rund 600 Hektar. (Foto: Pültz)

Traunstein – Aufgrund der niedrigen Holzpreise hat die städtische Forstverwaltung in der Endabrechnung für das vergangene Jahr erneut einen Verlust verzeichnet. Stadtförster Gerhard Fischer hat im Ausschuss für Mobilität, Umwelt und Nachhaltigkeit des Stadtrats den Jahresbericht 2020 vorgelegt und erläutert, dass sich in der Bewirtschaftung des Stammbesitzes ein Minus von 121.000 Euro ergeben habe. Auch 2019 war bereits eine Fehlbetrag in Höhe von sogar 161.000 Euro zu Buche gestanden.


Die Stadt besitzt insgesamt rund 600 Hektar Wald – und zwar nicht nur, aber vor allem in Traunstein. Der Bürgerwald in der Stadt ist mit 240 Hektar der größte, zusammenhängende Bestand, der Haidforst kommt auf 150 Hektar. In Froschham zwischen Kammer und Otting – in einem Gebiet, das zu 90 Prozent zum Markt Waging gehört –, verfügt die Stadt über 130 Hektar, Kleinflächen in einer Größenordnung von insgesamt 40 Hektar liegen in mehreren Gemeinden in der Umgebung von Traunstein. Neben diesem Stammbesitz gehört der Stadt Traunstein auch noch der 40 Hektar große Wald der Stiftung Haßlberger in Truchtlaching, einem Teil der Gemeinde Seeon-Seebruck.

Der Forstbetrieb der Stadt Traunstein finanziert sich laut Fischer nach wie vor über den Verkauf von Holz. Andere Geschäftsfelder gebe es nicht – abgesehen von wenigen Verpachtungen und Vermietungen, die aber keine nennenswerten Beträge in die Kasse bringen. In dieser Ausrichtung ist der wirtschaftliche Erfolg abhängig von den auf dem Markt gängigen Holzpreisen.

»Dass der Holzpreis immer schwankt, weiß ich aus Erfahrung«, sagte Fischer, der seit drei Jahrzehnten Stadtförster in Traunstein ist. »Doch dass er so abstürzt, war nicht zu erwarten«, blickte er auf die Entwicklung in den vergangenen Jahren zurück. Die Zahlen: Hatte die Stadt im Jahr 2014 noch 78 Euro pro Festmeter im Durchschnitt bekommen, so sanken die Erlöse 2018 auf 68 Euro, 2019 auf 54 Euro und 2020 dann auf 50 Euro.

Seit einiger Zeit steigt der Holzpreis wieder – und zwar gewaltig. Die Nachfrage auf dem Markt ist riesig. Vor diesem Hintergrund erwartet Fischer, dass die Endabrechnung für das laufende Jahr mit jener für 2018 vergleichbar sein werde – und damals hatte der Forstbetrieb in etwa mit plus minus null geschlossen.

Fischer freute sich über die Entwicklung auf dem Markt, meinte jedoch im selben Atemzug, das der gewaltige Anstieg des Holzpreises noch größer hätte ausfallen können – was dem Forstbetrieb der Stadt Traunstein zugute gekommen wäre. So kritisierte der Stadtförster, dass sich der Staat mit seinen Wäldern dagegen ausgesprochen habe, den Preis weiter nach oben zu tragen, und ihn mit 120 Euro gedeckelt habe. Die Stadt Traunstein muss sich laut Fischer dieser Politik beugen, denn ihre Kunden fordern den Preis, den der Staat verlangt. »Wir hätten leicht 150 Euro herausschlagen können.«

Ausnahmsweise auch mit einem Fehlbetrag schloss 2020 die Jahresrechnung für die Stiftung Haßlberger. Stadtförster Fischer erläuterte, dass die Bewirtschaftung dieses städtischen Waldbesitzes »normalerweise immer ein Plus ergibt«. Im vergangenen Jahr jedoch sei mit rund 44.000 Euro ein Minus zu verzeichnen gewesen. Fischer sagte, dass dieses Defizit das Ergebnis ausnahmsweise vorgenommener, innerer Verrechnungen gewesen sei. Ziel ist laut Fischer, die steuerliche Belastung zu verringern.

7392 Festmeter geerntet

Der Holzeinschlag betrug im vergangenen Jahr 7392 Festmeter: Im Stammbetrieb kamen 7077 Festmeter zusammen, im Stiftungswald 315. 1906 Festmeter – 26 Prozent der Holzmenge, die die Stadt auf den Markt brachte – hatte sie in Folge von Schadeinwirkungen ernten müssen. Sturm und Schnee hinterließen gleichermaßen ihre Spuren in den städtischen Wäldern wie etwa der Borkenkäfer. Und auch absterbende Eschen hatte die Stadt zu fällen.

Drei eigene Reviere unterhalte die Stadt, an der Bejagung seien fünf private Jäger beteiligt, so der Stadtförster weiter. Er berichtetet, dass im vergangenen Jahr insgesamt 69 Rehe erlegt worden seien – und damit sieben mehr als 2019. Der Verbiss sei, so Fischer, »nur wenig spürbar gewesen«.

Vorbildlicher Waldumbau

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) würdigte die Arbeit von Stadtförster Fischer und wertschätzte den Waldumbau weg von der Fichtenmonokultur hin zum Mischwald. »Wir sind dort, wo andere erst noch hinkommen wollen.«

Auch Dr. Patrick Nepper (Bündnis 90 / Die Grünen) lobte die »konsequente Arbeit der letzten Jahrzehnte«, die von »enormem Wert« sei. Seinerzeit seien aus der Beurteilung des Waldzustands die »richtigen Schlüsse« gezogen worden. Der Umweltreferent sagte weiter, dass er verstärkt Bäume gesehen habe, die »Zeichen des Nagens« tragen. »Wir haben schon seit vielen Jahren Biber in Traunstein«, entgegnete ihm Fischer. Der Bestand sei so, dass man sich keine Sorgen um die Bäume machen müsse. »Wir können es entspannt sehen«, so der Stadtförster.

Robert Sattler (SPD / Die Linke) betonte, dass der Stadtwald in einem »sehr guten Zustand« sei. Der Forstreferent lobte den Stadtförster für die »Weitsicht«, die er in den vergangenen Jahrzehnten an den Tag gelegt habe. Die Fichtenmonokulturen abzuarbeiten und stattdessen Mischwald anzusetzen, sei »sehr sinnvoll« gewesen.

»Die Holzernte ist bei Gerhard Fischer nie motiviert aus dem alleinigen Interesse an einem maximalen wirtschaftlichen Betriebsergebnis, sondern immer in erster Linie Waldpflege, weil er weiß, dass der Raum zwischen den obersten Kronenspitzen und zwischen den äußersten Wurzelverzweigungen im Boden ein Organismus ist, der lebt, arbeitet und sich beständig verändert«, sagte Karl Schulz (CSU). Auch er lobte den von Fischer geleiteten Waldumbau. Der Stadtförster sei ein »absoluter Experte mit ganz viel Geduld und ganz viel Gespür«.

Auf Anfrage von Hans Zillner (CSU) erläuterte Fischer, dass die Stadt immer wieder Unternehmer beauftrage, die Arbeiten im Wald verrichten und dann zum Beispiel Straßen herrichten. Auf Anfrage von Simon Steiner (Traunsteiner Liste) sagte der Stadtförster, dass er empfehle, die Zusammenarbeit mit der Universität fortzusetzen. Der Hintergrund: Nominell leitet ein Professor den städtischen Forstbetrieb. Die Uni steht mit Rat und Tat in Sachen Waldbewirtschaftung zur Seite.

Dritter Bürgermeister Sepp Kaiser (UW) würdigte die Leistung, dass sich der Waldbestand in der Vergangenheit nicht verringert habe. Zwar seien einerseits acht Hektar durch Baumaßnahmen wie die Ortsumfahrung verloren gegangen, aber ebenso viel sei dann aber an anderer Stelle wieder hinzugekommen.