Wiederaufbau der Rodelbahn nach dem Unwetter kostet rund 53,5 Millionen Euro

Wiederaufbau der Bahn nach dem Unwetter kostet rund 53,5 Millionen Euro
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Rund 53,5 Millionen Euro könnte der Wiederaufbau der beim Unwetter vom 17. Juli teilweise zerstörten Königsseer Kunsteisbahn kosten. (Foto: Wechslinger)

Schönau am Königssee – Über die Zukunft der beim Unwetter vom 17. Juli schwer beschädigten Kunsteisbahn am Königssee ist noch nicht entschieden.


Doch die Kreisausschussmitglieder erfuhren bei ihrer gestrigen Sitzung, dass alleine ein Wiederaufbau der Bahn rund 53,5 Millionen Euro kosten könnte. Dazu kommen die Kosten für die Hangsanierung im Grünsteinbereich. Den Zwischenbericht legte das Team um Klaus Willberger vom Zentralen Gebäudemanagement des Landkreises Berchtesgadener Land als unterhaltspflichtiger Träger dem Kreisausschuss zur weiteren Besprechung im Kreistag vor. Landrat Bernhard Kern hatte zuvor bekräftigt, dass es in erster Linie um den Schutz der Menschen und die Hilfe für die Betroffenen gehe, die bis heute unter den Schäden zu leiden hätten. Er wolle sich dabei nicht dem Druck der Presse oder »hoher Politiker aus Berlin beugen«, die bereits früh eine Wiederherstellung der Anlage versprochen hatten.

Auslöser der Katastrophe war, wie mehrfach berichtet, der Klingerbach. Er hat die mit den extremen Niederschlagsmengen abgespülten Hangbereiche mit Schuttablagerungen am Grünstein mitgerissen, ebenso den vorhandenen Bewuchs mit Wildholz. Als Auslöser des Unglücks, das zur teilweisen Zerstörung der Bob- und Rodelbahn führte, wurde die Verklausung, also die Verstopfung, der Bachrinne an der Klingerbachbrücke ausgemacht. Die Wasser- und Geröllmassen suchten sich laut Willberger einen neuen Weg ins Tal, »über die asphaltierten Bereiche des Bobbahngeländes ebenso wie durch die Bahnschale selbst«.

Mit vielen Fotos veranschaulichte Willberger die entstandenen Schäden. Neben den sichtbaren Verwüstungen sind auch die Kälteversorgung, die Bahnverkabelung mit Schwach- und Starkstrom, die Fundamente der Flutlichtmasten, die Bahnschale und das Bobstartgebäude betroffen und großteils schwer beschädigt. Bevor man sich aber Plänen zum Wiederaufbau widmen könne, gelte es zunächst, Sicherungsmaßnahmen durchzuführen. Der Gutachter fand dazu deutliche Worte: »Eine Sicherung der oberhalb des Herrenrodelstarts liegenden Hangflächen kann nicht umgesetzt werden. Es ist davon auszugehen, dass bei Starkregen-Ereignissen oder starken Gewittern das in diesem Bereich vorhandene Wildholz oder die entwurzelte Bäume mit ausgetragen werden, was zu einer neuen Verklausung führen kann.«

Zuerst Hangsicherung am Grünstein

Die Hangsicherung am Grünstein habe darum erste Priorität, vor allem zum Schutz der Anwohner. Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland habe dafür bereits einen Geologen mit der Vermessung der Hangbereiche am Grünstein und der Begutachtung der geologischen Situation in diesem Bereich beauftragt. Ziel sei dabei, die erforderliche Größe eines neu zu schaffenden Geschiebe- und Murenauffangbeckens zu ermitteln. Es sei mit einer Bauwerkshöhe von zehn bis zwölf Metern zu rechnen. Zur Errichtung müsse der Herrenrodelstart bis zum Bobstartgebäude rückgebaut werden. Erste Erkenntnisse sollen bereits im Oktober vorliegen, die Sicherungsmaßnahmen aber erst 2024 begonnen werden, heißt es im Sachbericht weiter.

Ebenso dringend ist nach den Worten Willbergers die Sicherung und der Ausbau des Wildbachs Klingerbach. Die Zuständigkeiten des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, des Landkreises Berchtesgadener Land und der Gemeinde Schönau am Königssee überschneiden sich dabei. Abstimmungsgespräche zwischen den Beteiligen laufen aktuell und Zuständigkeiten müssen im Detail noch geklärt werden. Für die Bob- und Rodelbahn liegen die Bau- und Unterhaltsmaßnahmen beim Landkreis Berchtesgadener Land. Hier allein werden die Kosten »für die komplette Wiederherstellung der Kunsteisbahn nach einer ersten groben Inaugenscheinnahme von Experten auf 53,5 Millionen Euro geschätzt. Noch nicht mit eingerechnet ist dabei der Bereich des Herrenrodelstarts bis zum Bobstartgebäude. Entsprechend deutlich äußerte sich darum Landrat Bernhard Kern. »Bis die Kostenfrage und die Kostenlast nicht vollständig geklärt sind, wird es keine Auftragsvergabe geben.«

»Wir müssen bei einer Aufgabe dieser Größe Gründlichkeit vor Schnelligkeit walten lassen«, bekräftigte Landrat Kern weiter. Mit Spannung erwartet er ein Treffen der Ministerien in München am 27. September. Fachübergreifend soll hier über die Zukunft der Bob- und Rodelbahn befunden werden. Bernhard Kern hofft, dass auch der Landkreis zu diesem Gespräch geladen wird. Immerhin scheint sich bei den bereits entstandenen Kosten für die Aufräum- und Sofortmaßnahmen von insgesamt 209 000 Euro mittlerweile eine Lösung abzuzeichnen, berichtete Geschäftsbereichsleiter Hans Jahn.

Schutz der Anwohnerhat Priorität

Die Kreisräte und Mitglieder des Kreisausschusses sprachen sich geschlossen für den vordringlichen Schutz der Anwohner aus. Kreisrat Georg Wetzelsperger (CSU) und Sven Kluba (CSU) äußerten ihr Unverständnis darüber, dass die Sicherungsarbeiten wohl erst im Jahr 2025, also in vier Jahren, abgeschlossen werden sein sollen. Sie forderten ein schnelleres Handeln der Beteiligten, es gehe schließlich um den Schutz von Leben und Hab und Gut.

Dr. Bernhard Zimmer (Grüne) wolle auch zuerst die Fakten sehen, bevor Entscheidungen getroffen werden. Er betonte: »Ein Ende der Kosten ist ja heute noch nicht abzusehen. Auch kann man Kosten und personellen Aufwand nicht einfach auf den Landkreis abwälzen. Das ist nirgends vorgesehen.« Ebenso monierte Kreisrat Hans Metzenleitner (SPD): »Wir brauchen alle belastbaren Fakten. Vom Gesamtschaden über die Maßnahmen bis hin zu den Kosten. Michael Koller (Freie Wähler) schloss sich den Ausführungen seiner Vorredner an. Er appellierte aber zugleich, »dass wir die Bahn brauchen. Für den Tourismus und für die Förderung des Sports, der Nachwuchskräfte und des Spitzensports. Wir sollten zeitnah handeln«.

Gerd Spranger