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Christian Simonis dirigiert die Bad Reichenhaller Philharmonie beim Sinfonischen Konzert

Wiederhören macht Freude

Das vierte der diesjährigen Sinfonischen Konzerte Traunstein in der Aula der Berufsschule mit der Bad Reichenhaller Philharmonie wurde unter dem Dirigat von Christian Simonis zu einem der großen musikalischen Ereignisse der Saison. Der gebürtige Wiener hat bereits von 1985 bis 1990 die Bad Reichenhaller geleitet – das spürbar gute Klima zwischen ihm und dem Orchester, das er wieder übernommen hat, zeigte, dass er wieder »ganz daheim« ist. Auch die Zuhörer, leider nur in »Stammpublikum«-Anzahl, zeigte sich schon nach dem ersten Stück des Abends sehr angetan.

Christian Simonis leitet wieder die Bad Reichenhaller Philharmonie und sorgte beim Sinfonischen Konzert in Traunstein für einen musikalischen Höhepunkt. (Foto: Kaiser)

Das war Franz Schuberts (1797 bis 1828) Ouvertüre »Im italienischen Stil« C-Dur op.170 D 591 (1818). Ihr Name geht auf die Rossini-Begeisterung der Wiener zurück, denen Schubert beweisen wollte, dass auch er »derlei Ouvertüren jederzeit aus dem Ärmel schütteln« könne. Es lag ihm allerdings fern, sich über den »italienischen Geschmack« lustig zu machen, dazu hatte er vor Rossinis Genie einen zu hohen Respekt. Nach einer ruhig schwingenden, zurückhaltenden Einleitung zeigte das Allegro-Thema entfesselten »Rossinismus«, steigerte sich in sorgfältig abgestuften Crescendo-»Walzen« zu einem ersten Höhepunkt, den nur noch die abschließende Stretta übertraf. Christian Simonis dirigierte die Ouvertüre wie auch die beiden weiteren Programmteile ohne Stab, mit beredten Händen.

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W. A. Mozarts (1756 bis 1791) Violinkonzerte stammen aus früher Zeit, als sich der junge Musikerkomponist noch selbst als Geiger betätigte. Das letzte als authentisch geltende Konzert A-Dur KV 219 (1775) war für den 1989 in München geborenen Geiger Georg Pfirsch eine anspruchsvolle Aufgabe, die er in hoher Konzentration und souveräner Technik begeisternd meisterte. Nach einem pulsierenden Orchestervorspiel begann er im Piano, quasi zur eigenen Einstimmung auf das daraus entstehende, feurige Thema, bei dessen Gestaltung sich Solist und Orchester gegenseitig anspornten.

Im Adagio legte das Orchester ein tiefgründiges Thema vor, das der Solist liebevoll ausarbeitete. Ideal ausbalanciert war das Konzertieren der klar timbrierten Solovioline mit dem einfühlsam begleitenden Orchester. Auch das Rondeau war geprägt von der gleichen Intention der Konzert-Partner: vorwärtsdrängen, ohne zu hetzen. Aufreizend wirkte der »balkanische« Schlagwerkeffekt durch das Col-legno-Spiel der tiefen Streicher. Auch im letzten Satz legte Georg Pfirsch eine fulminante Kadenz vor, die vor »Kunststücken« nur so strotzte. Der Begeisterung der Zuhörer verschloss er sich nicht und gab einen Satz aus der d-Moll Solosuite von J. S. Bach BWV 1004 zu, bei dem der edle, volltönende Geigenton seiner Nicolas Darche aus dem Jahr 1845 zu intensivem Hinhören zwang.

Joseph Haydns (1732 bis 1809) letzte Sinfonie Nr.104 D-Dur Hob:I/104, die »Londoner« aus dem Jahr 1795, stellt gleichsam ein Kompendium dessen dar, was der Meister bei der Entwicklung der Gattung Sinfonie erreicht hat – Christian Simonis und seine Reichenhaller stellten sich diesem Anspruch in überzeugender Weise. Einer düster gemeißelten Einleitung antwortete nach einer Generalpause ein versöhnliches Streicherthema, das aber erst nach Eintrübungen Trost brachte. Das Andante lebte aus einer schier unglaublichen Innenspannung, verbunden mit köstlichen Überraschungsmomenten. Ein straffes Menuetto mit überbordendem Spielwitz, aber einem sehr behutsamen Trio leitete über zu einem unbändigen, fast ungezügelten Finale spirituoso mit verinnerlichten, gliedernden Ruhepunkten.

Mit dem Menuetto aus W. A. Mozarts »Jupiter-Sinfonie« statteten die Reichenhaller großzügig ihren Dank für den reichen Applaus der Traunsteiner ab. Engelbert Kaiser