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Wiener »Neujahrskonzert« beim Musiksommer

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Eva Maria Schinwald, Christian Simonis und die Bad Reichenhaller Philharmonie ernteten großen Applaus nach dem Musiksommer-Konzert in Tittmoning. (Foto: Aumiller)

»Auf Wienerische Art« war als Open-Air-Konzert im Tittmoninger Burghof im Rahmen des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« geplant. Dafür war das Wetter zu unfreundlich, folglich war die Turnhalle zum Konzertsaal umfunktioniert worden, deren Ambiente »auch gut geeignet« ist, wie der erste Bürgermeister Konrad Schupfner in seinem Grußwort zu Recht sagte.


Er lobte das vielseitige Programmangebot des Musiksommers und bekundete seine Freude, dass im Rahmen dieses breitgestreuten Festivals die Bad Reichenhaller Philharmonie erstmals in Tittmoning gastierte. Für die leichte und doch anspruchsvolle Musik des Operettenprogramms sei obendrein Christian Simonis als Wiener der ideale Brückenbauer, so Schupfner.

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Mit der Ouvertüre zur Johann-Strauss-Operette »Der Zigeunerbaron« ließen sich die Philharmoniker gleich in frischer Laune auf die goldene Operettendynastie ein. Bedächtig war zunächst der Beginn, der sodann in eine flotte Gangart überwechselte und dem Abend zündende Rhythmen signalisierte. Reizvoll betörte das Klarinettensolo, das im Verlauf wiederholt die Themenvorgabe einbrachte.

Als Bereicherung zu den orchestralen Klängen war die junge Sopranistin Eva Maria Schinwald mit von der Partie, die zum Auftakt mit dem Lied »Grüß dich Gott, du liebes Nesterl« aus der Operette »Wiener Blut« ihre stimmliche Visitenkarte gab und mit frischem jungem Sopran erfreute. Mit ihrem hellen, natürlich wirkenden Stimmeinsatz und ihrem ungekünstelten Liebreiz sicherte sie sich die Sympathien der Zuhörer. Ob als verliebte »Clivia« Nico Dostals oder als fröhliche Christel von der Post aus Carl Zellers »Vogelhändler« oder in Robert Stolz’ Wienerlied »Im Prater blüh’n wieder die Bäume«: Sie traf den richtigen Tonfall für die »leichte Muse«.

Kam Joseph Strauss’ Polka mazur »Die tanzende Muse« noch tänzerisch beschwingt, so raste die Polka schnell »Der Hectograph« von Eduard Strauss wie ein fescher rasanter Schnellzug vorbei. Christian Simonis gab zwischen den Musiknummern den launigen Moderator mit lustigen Anmerkungen und Histörchen zu den Komponisten und den Hintergründen der Musikstücke. Er brachte sein Publikum damit auch zu herzlichem Lachen; etwa, wenn er von den Rivalitäten der drei Strauss-Brüder Johann, Joseph und dem zehn Jahre jüngeren Eduard erzählte: Wenn der berühmte Johann kokettierte, dass Joseph der begabtere, er nur der populärere sei oder sich als Bruder vom »schönen Edi« outete, wenn er im Café sein »Geldtascherl« vergessen hatte. Nachfolger von Eduard als k. und k. Hofballmusikdirektor wurde der »fesche Michl« Michael Ziehrer, dem der alte Kaiser Franz Joseph prophezeihte, er werde wohl der letzte höfische Musikdirektor sein. Seine Melodien indes zünden bis heute. Seinen Walzer »Hereinspaziert« spielten die Musiker höchst einladend, schmissig und zugleich tänzerisch beschwingt. Mitreissend gaben sie der Polka schnell »Loslassen« ausgelassene Spritzigkeit.

Aus der Hellmesberger-Dynastie setzte der »Teuflestanz« von Joseph Hellmesberger jun. volle musikalische Schubkraft, die den Zuhörern ordentlich einheizte. So recht »teuflisch« pfiff die Piccoloflöte über das übrige Instrumentarium hinweg, das tiefe Blech gab dann ordentlich kontra. In wildem Wirbel raste der Tanz auch rhythmisch pfiffig und in brisantem Tempo dahin.

Und wieder war es die Piccoloflöte, die in August Jureks Regimentsmarsch der Hoch- und Deutschmeister allen ordentlich den Marsch blies. Simonis witzelte, dass in Österreich einen Brief zur Post bringen bedeute, ihn aufzugeben. Und zum wunderbaren Lehár-Walzer »Gold uns Silber« leitete er über mit der Geschichte, dass die Fürstin Pauline Metternich Franz Lehár zum Walzer inspiriert habe in ihrem Palais mit den großen Kristalllüstern. Dabei glitt sein Blick sehnsüchtig nach oben zum Turnhallen- »Kristall«.

Und dann durfte man walzerselig schwelgen in den philharmonisch exzellent zubereiteten »Gold- und Silber«-Klängen. Feine Harfenarpeggien brachten Zärtlichkeit und alle übrigen im Zusammenspiel sorgten für genießerisches Zuhören. Überdies hätte man den eleganten Walzer im wienerisch leicht verzögerten Dreivierteltakt am liebsten mitgetanzt. Zum Programmabschluss ritt der »Teufelsreiter« im »Grand Palotás de la Reine« von Emmerich Kálmán Dirigent und Orchester, dass es eine Pracht war.

Die Sopranistin wählte als Zugabe noch Lehárs lyrisches »Vilja Lied«, das ihr nicht ganz maßgeschneidert angepasst war, und als »Rausschmeißer« durfte natürlich der Radetzky-Marsch nicht fehlen. Elisabeth Aumiller

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