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Der neue Vorstandsvorsitzende Helmut Grundner zur Philosophie der Sparkasse BGL

»Wir brauchen Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit«

Berchtesgaden – Seit 1. Januar steht Helmut Grundner als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Sparkasse Berchtesgadener Land. Kundenzufriedenheit steht für den 52-jährigen Pidinger an oberster Stelle, wie er im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«, betonte.

Helmut Grundner ist überzeugt, dass die Finanzbranche durch kundenorientierte Beratung wieder Vertrauen gewinnen kann. (Foto: privat)

Herr Grundner, die Finanzbranche leidet seit Längerem unter einer Vertrauenskrise. Darf man dennoch stolz darauf sein, jetzt der mächtigste Banker im Landkreis zu sein?

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Helmut Grundner: Ich weiß nicht, ob ich der mächtigste Banker im Landkreis bin. Auf jeden Fall durfte ich ein sehr schönes Amt übernehmen. Wir haben uns auch nie als Banker gesehen, sondern immer als Sparkassler. Wir sehen uns verantwortlich für die Region und für die Leute, die hier leben. So steht es auch in der Sparkassen-Gesetzgebung. Unsere Aufgabe ist es, die Bevölkerung mit der Möglichkeit der Geldanlage und der Kreditaufnahme zu versorgen. Unsere Aufgabe ist es nicht, Gewinnmaximierung zu betreiben. Und ich bin auch sehr froh darüber.

Was können Sie denn in Ihrer neuen Position dazu beitragen, dass die Banken und Sparkassen allgemein wieder einen besseren Ruf bekommen?

Grundner: Ich glaube, dass wir ein zu kleines Licht sind, um die Dinge groß verändern zu können. Bei uns ist es wie in jeder anderen Branche auch: Es sollten die guten alten Kaufmannstugenden wieder mehr Einzug finden, damit man sich auf ein Wort wieder verlassen kann. Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit spielen eine wichtige Rolle, genauso das Betriebsklima. Nur wenn man zufriedene Mitarbeiter hat, wird man auch zufriedene Kunden haben, denn der Kunde merkt sehr schnell, ob jemand gerne in die Arbeit geht oder nicht.

Zum Thema Kundenfreundlichkeit gehört auch die sogenannte »bedarfsorientierte Beratung«, die Ihr Vorgänger Josef Schlosser eingeführt hat. Danach soll sich die Beratung ausschließlich an den Wünschen der Kunden orientieren. Das müsste doch eigentlich etwas ganz Selbstverständliches sein.

Grundner: Das sollte so sein. Wir haben uns ja die bedarfsorientierte Beratung schon seit zehn Jahren auf die Fahnen geschrieben, allerdings muss auch das Drumherum passen. Wenn nämlich ein Berater bestimmte Zielvorgaben erfüllen muss, dann wird er im Zweifel ein Produkt vorschlagen, dass ihn seinem Ziel näher bringt. Hier unterscheiden wir uns jetzt aber von den anderen, denn wir haben diese Zielvorgaben nicht mehr. Unser wichtigstes Ziel ist die Kundenzufriedenheit, die wir auch zu messen versuchen. Aber die Berater haben keine Stückziele, keine Volumensziele, keine Ertragsziele mehr. Sie müssen vielmehr mit ihren Kunden reden. Sie geben den Kunden ein Leistungsversprechen, das Optimale für sie zu finden. Das ist nur möglich, wenn sie keine Provisionen bekommen.

Die Bilanzsumme Ihres Geldinstituts lag im Jahr 2013 bei 1,5 Milliarden Euro. Die Bilanz 2014 wird bald vorgelegt, wie wird sie aussehen?

Grundner: Die Bilanzsumme wird in etwa gleich bleiben. Mit dem Ertrag waren wir im letzten Jahr eigentlich ganz zufrieden. Das zeigt, dass eine Bank einen ansprechenden Ertrag auch ohne Beraterziele in Volumen und Stück erreichen kann. Sorgen macht uns aber momentan die Entwicklung auf europäischer Ebene. Nur ein Beispiel: Wir müssen im Jahr 2015 rund 700 000 Euro für die Bankenabgabe und für die Einlagensicherung in der EU abliefern, obwohl wir ein funktionierendes Sicherungssystem haben. Es ist aber sowohl bei uns als auch bei den Genossenschaften der Bestand des Instituts garantiert. Wir zahlen also in ein Sicherungssystem ein, das wir nie in Anspruch nehmen werden. Diese 700 000 Euro muss man entweder irgendwo anders verdienen oder einsparen.

Vermutlich werden Ihnen die Kundeneinlagen in Anbetracht der aktuellen Zinsflaute auch Kopfzerbrechen bereiten.

Grundner: Ganz im Gegenteil: Wir hatten ein Wachstum von 70 Millionen Euro bei den Kundeneinlagen. Dabei ist in der Branche in den aktuellen Niedrigzinszeiten der Konkurrenzkampf um Kundeneinlagen gar nicht so groß, weil eine Anlage schwierig ist. Dennoch sind die Einlagen für uns nach wie vor wichtig, weshalb wir gemeinsam mit den Kunden nach der besten Anlagemöglichkeit suchen. Man prüft, ob der Kunde sein Geld vielleicht länger anlegen kann oder ob für ihn Aktien infrage kommen, denn es gibt ja durchaus auch dividendenstarke Aktien. Es muss halt auf den Kunden passen, denn wenn er nicht mehr schlafen kann, dann ist es nicht gut.

Kann man denn einem Kunden bei einem aktuellen Zinssatz von unter einem Prozent ein Tages- oder Festgeldkonto überhaupt noch empfehlen?

Grundner: Das bekommt man schon gar nicht mehr. Eine zehnjährige Bundesanleihe liegt momentan bei unter 0,40 Prozent. Auf der anderen Seite haben wir derzeit eine negative Inflationsrate, das Geld wird also mehr wert. Von daher wirft auch ein geringer Zinssatz einen Ertrag ab. Schlimmer wäre es, wenn die Inflationsrate wieder ansteigt. Schauen wir mal, was passiert, wenn der Ölpreis wieder ansteigt.

Wenn alles gut geht, werden Sie relativ lange Zeit Chef der Sparkasse im Landkreis sein. In dieser Zeit könnten Sie viel bewegen, da haben Sie doch sicher schon ein paar Ziele?

Grundner: Ja, natürlich. Die künftige Geschäftspolitik tragen ja auch meine weiteren Vorstandskollegen Alexander Gehrig und Christian Maltan mit. Wir werden gemeinsam unser Ziel Kundenzufriedenheit und optimale Kundenberatung weiterverfolgen. Das ist der Schwerpunkt, den vor allem Herr Maltan vorantreiben wird. Wir werden aber auch an den Kosten arbeiten müssen, um die Mehrbelastungen wie Bankenabgabe und Einlagensicherung einzusparen.

Noch eine private Frage: Ihre Mitarbeiter und Kunden kennen Sie nur im Anzug. Welche Kleidung bevorzugt denn der Privatmann Helmut Grundner?

Grundner: Da bin ich durchaus leger gekleidet, mit Jeans beispielsweise. Jedenfalls nicht mit Anzug. Der Beruf hat seine Tracht, meine ist halt der Anzug. Ich trage ihn auch gerne, aber zu Haue brauche ich ihn nicht. UK