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Der stellvertretende BDM-Kreisvorsitzende Albert Aschauer und seine Frau Liesi – sie ist BDM-Kreisvorsitzende – fordern einen fairen Milchpreis. Notwendig wären laut Aschauer 50 Cent pro Kilogramm Milch (konventionell) und mindestens 60 Cent für Biomilch. (Foto: Albrecht)

»Wir brauchen endlich einen anständigen Milchpreis«

Teisendorf – »Zum Sterben ist es zu viel, zum Leben zu wenig«, betont Landwirt Albert Aschauer (60). Der stellvertretende Kreisvorsitzende des BDM (Bund Deutscher Milchviehbauern e.V.) wird nicht müde,immer wieder zu betonen, dass der Milchpreis zu niedrig ist. Er wünscht sich von den Molkereien, dass sie endlich so viel bezahlen, dass die Bauern kostendeckend arbeiten können. »Das ist für uns alle ein großes Problem.«


Der Teisendorfer betont, dass Molkereien Rohmilch untereinander an den Spotmärkten der Börsen für bis zu 55 Cent pro Kilogramm handeln würden, während sich Milchbauern mit deutlich weniger zufriedengeben müssten. Albert Aschauer selbst bekommt für seine Biomilch 48 Cent pro Kilogramm. Er gibt seine Milch ins Allgäu zu den Milchwerken Sonthofen. »Da muss ich dann noch einmal fünf bis acht Cent für den Transport abziehen«, sagt Aschauer. Das ist seine persönliche Geschichte, doch auch seinen Kollegen gehe es nicht besser. Weder die Bergader Privatkäserei in Waging noch die Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG würden die dringend notwendigen 50 Cent pro Kilogramm Milch (konventionell) und mindestens 60 Cent für Biomilch bezahlen (wobei Bergader keine Biomilch erfasst; Anmerkung der Redaktion).

»Alles wird teurer. Die Spritpreise, die Futterkosten, der Düngerpreis für konventionelle Bauern.... «. Der Teisendorfer betont, dass viele Landwirte nur über die Runden kämen, weil sie Ferienwohnungen hätten oder zusätzlich noch arbeiten würden.

So wie er selbst. Albert Aschauer ist Besamungstechniker. Seine Frau arbeite »für nix«. Und er hilft ihr auf dem Nebenerwerbshof. »Das ist ein Nullsummenspiel«, sagt der Teisendorfer. Und das ärgert ihn. Denn er befürchtet, dass es bei vielen nicht weitergeht, »wenn die Bauern in fünf bis zehn Jahren in Rente gehen«. Wenn unterm Strich nichts übrig bleibe, dann wolle die nachfolgende Generation die Landwirtschaft nicht übernehmen. »Das ist doch ganz klar. Viele haben eine gute Arbeit, wieso sollten sie sich das dann antun?«, fragt er. Trotzdem hofft er immer noch, dass einer seiner beiden Söhne vielleicht doch den Hof übernimmt.

»Sommer zumVergessen«

Neben den seiner Meinung nach viel zu niedrigen Preisen für Rohmilch, leiden die Milchbauern zudem immer noch unter dem vergangenen witterungsmäßigen »Sommer zum Vergessen«, wie Albert Aschauer sagt. Er und seine Frau – sie ist die Kreisvorsitzende des BDM – vertreten im Berchtesgadener Land 250 Milchbauern. Aufgrund des vielen Regens habe man in den Sommermonaten 2021 weniger Futter gehabt als in anderen Jahren oder nicht dann ernten können, wenn es am besten gewesen wäre. »Und einige hat es natürlich durch die Flutkatastrophe richtig schlimm erwischt«, betont der Teisendorfer. Er wünscht sich, dass die Molkereien »endlich einen anständigen Milchpreis bezahlen, damit die Bauern auch kostendeckend arbeiten können«.

»Als Molkereigenossenschaft setzen wir uns schon seit Jahrzehnten für faire, überdurchschnittliche Milchpreise für unsere Landwirte und Landwirtinnen ein«, betont Geschäftsführer Bernhard Pointner von der Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. »So haben wir in den letzten 15 Jahren den höchsten Milchpreis für konventionelle Milch und Biomilch überhaupt gezahlt – und das in ganz Deutschland und Österreich.« Der Geschäftsführer sieht auch die derzeitigen Kostensteigerungen in der Landwirtschaft. Diese müssten abgefedert werden. »Deshalb hat der Vorstand bereits entschieden, in seiner nächsten Sitzung über eine weitere Milchpreiserhöhung für Januar zu diskutieren. Wie hoch diese ausfallen wird, muss noch abgewartet werden«, sagt Bernhard Pointner.

Im Dezember 2021 zahlte die Molkereigenossenschaft seinen Worten nach für ein Kilogramm konventionelle Milch 40,5 Cent, 41,5 Cent für konventionelle Bergbauern-Milch, 52 Cent für Bio-Naturland-Milch und 54 Cent für Bio-Demeter-Milch. Zu den Forderungen von Albert Aschauer – also 50 Cent für konventionelle Milch und mindestens 60 Cent für Biomilch – äußert sich Pointner auf Nachfrage nicht.

Milchpreis um 20 Prozent gestiegen

Jürgen Dorfer, der Leiter Milch und Beschaffung bei der Bergader Privatkäserei GmbH in Waging, betont, dass es sehr stark von der »einzelbetrieblichen Situation« abhänge, »wie hoch der Milchpreis sein muss, um als Milcherzeugerbetrieb wirtschaftlich arbeiten zu können«. Doch auch er sieht die starken Kostensteigerungen bei Futtermitteln, Mineraldünger und Diesel. »Wir legen viel Wert auf partnerschaftliche Beziehungen zu unseren Landwirten. Dabei sind uns wettbewerbsfähige Preise wichtig, die den Betrieben eine auskömmliche Zukunft und Perspektive für die Hofnachfolger ermöglichen«, sagt Jürgen Dorfer.

Der aktuelle Milchpreis sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 20 Prozent gestiegen. »Man kann also mittlerweile nicht mehr von leichten Anstiegen beim Milchpreis sprechen«, betont das Mitglied der Geschäftsführung und ergänzt: »Auch die Molkereien sehen sich mit extremen Kostensteigerungen konfrontiert, zum Beispiel bei Verpackungsmaterial, Kunststoff, Weißblech oder Kartonagen.« Deutlich teurer seien auch Zutaten, Reinigungsmittel und Energiepreise. »Letztendlich ist es gerade in so herausfordernden Zeiten natürlich auch unsere Aufgabe als verarbeitendes Unternehmen, Kosteneinsparpotenziale im Unternehmen herauszuarbeiten und umzusetzen«, sagt Jürgen Dorfer. Gegenwärtig sei es alternativlos, die stark steigenden Kosten bei nahezu allen Rohstoffen auch über das Produkt umzusetzen. »Dies gelingt derzeit nur verzögert und in kleineren Schritten. Wir gehen mit den Milchpreisanstiegen in der aktuellen Phase dementsprechend in Vorleistung.« Was Bergader derzeit für ein Kilogramm Milch bezahlt, will Dorfer »aus wettbewerbs- und kartellrechtlichen Gründen« nicht sagen.

Deutlicher Rückgang von Rinderhaltungen mit Milchkühen

Wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilt, werden zum Stichtag 3. November 2021 im Freistaat 40.580 Rinderhaltungen mit einem Rinderbestand von insgesamt 2.885.723 Tieren gezählt. Das sind bei den Rinderhaltungen 2,5 Prozent und beim Rinderbestand 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Rinderhaltungen mit Milchkühen gehen überdurchschnittlich um 4,3 Prozent zurück.

Dieser Rückgang zeigt sich in allen Regierungsbezirken. Am höchsten fällt er in Unterfranken mit einem Minus von 8,5 Prozent aus, wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilte.

Durchschnittlich verfügen Milchkuhhalter in Bayern über 43 Tiere. Die größten Bestände gibt es in Mittelfranken mit 51 Kühen im Durchschnitt, die kleinsten mit 39 Tieren in Niederbayern. Milchkühe stellen mit 1.086.209 Tieren einen Anteil von 37,6 Prozent am gesamten Rinderbestand dar. Der Milchkuhbestand ging analog zum gesamten Rinderbestand um 1,7 Prozent (18.259 Tiere) und die Haltungen sogar um 4,3 Prozent (1137 Haltungen auf 25.208) gegenüber dem Vorjahr zurück.

Die Zahl der Milchkuhhaltungen ist in allen bayerischen Regierungsbezirken gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Der stärkste Rückgang zeigt sich hierbei in Unterfranken mit einem Minus von 8,5 Prozent auf 541 Haltungen. Den vergleichsweise kleinsten relativen Rückgang an Haltungen weisen mit einem Minus von jeweils 3,7 Prozent die Bezirke Niederbayern (3442) und Schwaben (5740) auf. Der Kreis Ostallgäu hat mit 65.418 den höchsten Milchkuhbestand auf Kreisebene, fast gleichauf mit dem Kreis Unterallgäu mit 63.505 Milchkühen. An dritter Stelle liegt der Landkreis Rosenheim mit 60.949 Kühen.

Gleichzeitig steigt binnen eines Jahres die durchschnittliche Größe einer Milchkuhhaltung von 42 auf 43 Tiere. Die größten Bestände gibt es in Mittel- und Oberfranken mit 51 beziehungsweise 49 Kühen. Am kleinsten sind die Bestände in Ober- und Niederbayern mit durchschnittlich 40 und 39 Tieren.

KR