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Polizeichef Willi Handke: »100 Leuten können wir kein Bußgeld erteilen«

»Wir haben alles Mögliche getan«

Schönau am Königssee – Über hundert Personen haben, wie berichtet, am Wochenende das extrem dünne Königssee-Eis betreten. Ein Rentner ist sogar eingebrochen. Auch nachdem die Polizei per Hubschrauber und Lautsprecher ein Betretungsverbot ausgerufen hatte, blieben die Menschen auf dem Eis. Aber muss das nicht bestraft werden? Der Berchtesgadener Polizeichef Willi Handke sagt dazu auf Nachfrage: »Es ist personell für uns als Polizei gar nicht möglich gewesen, über hundert Leuten Bußgelder auszustellen.«

Die Lebensgefahr schien diesen Passanten egal zu sein: Sie sprangen am Wochenende einfach über den Riss, der sich durch das Eis auf dem Königssee zog. (Foto: privat)

Handke gibt zu: »Theoretisch hätten alle ein Bußgeld zahlen müssen.« Aber auch erst, nachdem der Polizeihubschrauber geflogen war und das Verbot ausgesprochen wurde. Zudem sei es einfach nicht machbar gewesen, von jedem einzelnen, der auf dem viel zu dünnen Eis spazierte, die Personalien aufzunehmen: »Ein Problem der praktischen Umsetzung.«

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Handke vergleicht die Situation mit der Lawinenwarnstufe vier: »Da kann man auch nichts machen, wenn die Leute trotzdem auf den Berg gehen.« Auch am Königssee herrschte eine Gefahrensituation. Hier betont Handke, auch die Gemeinde Schönau hätte das Ihrige getan, um die Leute zu warnen: Es gibt Warnschilder, der See wurde abgesperrt und es wurde deutlich auf der Homepage der Gemeinde Schönau davor gewarnt, das Eis zu betreten, da es nicht freigegeben ist.

Die Polizisten waren nicht direkt am See: Sie mussten einige Meter weiter oben, an der Kunsteisbahn, den Bob- und Skeletonweltcup betreuen. Außerdem sei die Gefahr für die Leute, die sich noch in der Nähe der Seelände befanden, nicht so groß gewesen, wie für diejenigen mitten auf dem Königssee. Und ein bisschen setzt Willi Handke auch auf die Selbstverantwortung der Menschen: »Wir können den See sowieso nicht hermetisch abriegeln.«

Im Übrigen hätten auch die Einsatzkräfte der Wasserwacht die Erlaubnis gehabt, Personalien aufzunehmen. Aber da die Retter bereits angefeindet wurden, wenn sie Warnungen aussprachen (wie berichtet), trauten sich manche nach eigener Aussage nicht. Letztlich hat das Tauwetter die Hoffnungen zunichte gemacht, dass der See in diesem Jahr komplett zufriert. Bleibt zu hoffen, dass sich nun niemand mehr auf das Eis und somit in Lebensgefahr begibt. Annabelle Voss