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»Wir halten die Planungen für absolut nicht akzeptabel«

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Bergen: Kombiklassen für 3. und 4. Jahrgangsstufe: »Planungen absolut nicht akzeptabel«
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Nach dem Schuljahr ist vor dem Schuljahr: Auch wenn Lehrer und Schüler in Bergen gerade erst in die Sommerferien gegangen sind, laufen die Planungen für 2020/21 längst auf vollen Touren. Ein Streit überlagert die Vorbereitungen: Zwei Kombiklassen mit jeweils 26 Schülern für die dritte und vierte Jahrgangsstufe sind geplant – was viele Eltern strikt ablehnen. (Foto: Pültz)

Bergen – Gegen die im nächsten Schuljahr geplante Klasseneinteilung in der Grundschule Bergen laufen große Teile der Elternschaft Sturm: Rund 160 Mütter und Väter von Kindern, die die Schule besuchen, sind nicht einverstanden mit der Bildung von zwei, wie sie meinen, übergroßen Kombiklassen in der dritten und vierten Jahrgangsstufe.


Sie haben Briefe zum einen an das Schulamt in Traunstein und zum anderen an das Kultusministerium in München geschrieben. »Wir halten diese Planungen in der vorliegenden Form und in er aktuellen Situation für absolut nicht akzeptabel«, sagt Stefanie Stohwasser stellvertretend für die Unterzeichner der beiden Briefe.

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Dreh- und Angelpunkt für die Klassenbildungen auch in der Grundschule Bergen ist Jahr für Jahr das staatliche Schulamt in Traunstein. Im Auftrag des Kultusministeriums in München verteilt die Behörde Lehrerstunden und Personal. Und mit diesen Zuweisungen sind dann der Schulleitung in Bergen die Rahmenbedingungen für die Organisation des Unterrichts vorgegeben.

Im alten Jahr 2019/20 hatten in Bergen 102 Mädchen und Buben die Schulbank gedrückt. Aufgeteilt waren sie in eine erste und eine zweite Klasse, in eine Kombiklasse für die erste und zweite Jahrgangsstufe, sowie in eine dritte und eine vierte Klasse. Im neuen Jahr 2020/21 besuchen exakt wieder 102 Kinder die Grundschule. Statt bislang fünf werden, so der Plan, nur noch vier Klassen gebildet: eine erste und eine zweite Klasse sowie zwei Kombiklassen für die dritte und vierte Jahrgangsstufe.

Im Brennpunkt der Kritik der Eltern stehen vor allem letztere: 30 Dritt- und 22 Viertklässler sind im nächsten Jahr zu unterrichten – insgesamt also 52 Kinder. Vorgesehen ist, zwei Kombiklasse mit jeweils 26 Schülern zu schaffen.

Die Eltern kritisieren, wie Stohwasser ausführt, dass die »sehr erfolgreiche Kombiklasse 1/2 zerschlagen werde. »Gleichzeitig werden zwei übergroße Kombiklassen 3/4 eingerichtet und alle weiteren Kinder in zwei jahrgangsreinen Klassen untergebracht.« Als Grund nenne man den allgemeinen Lehrermangel. »Ziel des Ganzen ist es also, möglichst viele Kinder von möglichst wenig Lehrkräften unterrichten zu lassen.«

Für die Eltern sei es nicht nachvollziehbar, so Stohwasser, dass das Schulamt eine im Dorf ansässige Lehrkraft, die in die Schulgemeinschaft »bestens integriert« sei und von den Schülern und Lehrern gleichermaßen geschätzt werde, aus Bergen abziehe. Und ebenso wenig Verständnis zeigen sie laut der Sprecherin der Elterninitiative, dass in der Folge dann die Kinder »auf übergroße Klassen verteilt werden«.

Ein solches Vorgehen bringe »ausschließlich pädagogische Nachteile für die Schülerinnen und Schüler« und sei auch »den Lehrkräften nicht zuzumuten«, so Stohwasser weiter. Diesem Procedere liege »ausschließlich« die Ausrichtung zugrunde, Lehrkräfte einzusparen. »Die Interessen und Bedürfnisse der Kinder werden völlig außer Acht gelassen.«

Für das Schuljahr 2020/21 fordern die Eltern, die dritte Jahrgangsstufe in zwei jahrgangsreine Klassen aufzuteilen. Außerdem sei eine jahrgangsreine vierte Klasse zu bilden, ferner die Kombiklasse 1/2 mit maximal 20 Schülern beizubehalten.

Die Eltern seien, wie Stohwasser betont, keineswegs grundsätzlich gegen Kombiklassen. Sie dürften aber nicht zu groß ausfallen – doch genau dieser Fall drohe sich nun in Bergen einzustellen. So mache in der Elternschaft die Befürchtung die Runde, dass mit dem Start ins neue Schuljahr nach wie vor der Unterricht bedingt durch die Corona-Krise eingeschränkt wird: dass man dann wieder kleinere Gruppen bilden und die Lehrerstunden auf diese Einheiten aufteilen muss – womit letztlich wieder Unterricht entfällt.

Schulamtsdirektor Otto Mayer räumt, dass die Klassenbildung, die für das nächste Jahr in Bergen geplant sei, auch dem Lehrermangel und damit dem Zwang geschuldet sei, Stunden zu sparen. »Ich habe das Personal nicht«, sagt Mayer. Aber er betont, dass die Lösung in Bergen nicht nur ein »Sparmodell« sei. So erläutert der Schulamtsdirektor die Bestimmungen für die Berechnungen und sagt, dass 102 Schüler – multipliziert mit dem Faktor 1,28 Stunden – rund 130 Lehrerstunden bedeuten. Mit dieser Zahl könnten jedoch schwerlich fünf Klassen gebildet werden. Dazu wären 150 Lehrerstunden erforderlich.

Das Personal in Bergen verringert sich. Otto Mayer erläutert, dass eine Lehrkraft aus Bergen abgezogen werde, die acht Stunden in der Woche Kinder unterrichtet hat.

Das Amt sei bestrebt, so Mayer weiter, die Schulen auch und gerade in den kleineren Gemeinden zu erhalten. Zu diesem Zweck müssten aber oft Kompromisse geschlossen werden – was bedeutet, dass Kombiklassen unumgänglich sind. Mayer erläutert, dass an 16 Standorten der von der Behörde in Traunstein kontrollierten Schullandschaft eben solche jahrgangsübergreifende Zusammenlegungen erfolgen. Eingedenk ihrer Notwendigkeit erfahren sie seinen Angaben zufolge durchaus viel Zuspruch.

Zu groß sind die beiden Kombiklassen, die im nächsten Jahr in Bergen geplant sind, nach Ansicht von Mayer noch nicht. So laute die Empfehlung, eine Kombiklasse erst dann zu teilen, wenn 27 Schüler auf der Lite stehen.

Otto Mayer betont, dass er an der Planung für das neue Schuljahr festhalten will. Denn wenn er Veränderungen in Bergen vornehmen würde, dann müsste er das gesamte Konzept »umschmeißen« und mit den Planungen in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich von vorne beginnen.

Bürgermeister und Räte äußern sich: Ein »Hammer«

Mit ihrer Kritik an der geplanten Klassenbildung fanden die Eltern Gehör im Gemeinderat. Für Bürgermeister Stefan Schneider (Grüne Liste Bergen) ist es ein »Hammer«, dass 30 Mädchen und Buben der dritten sowie 22 der vierten Jahrgangsstufe »zusammengeworfen« und dann in zwei Kombiklassen aufgeteilt werden. Dritte Bürgermeisterin Katharina Hallweger (ebenfalls Grüne Liste Bergen) sprach von einer »Bankrotterklärung unsers Bildungssystems«.

Monika Mitterer (Grüne Liste Bergen) – sie leitet die Schule in Bergen – zeigte Verständnis für die Kritik der Eltern. In deren Ausführungen sah sie auch »Frust gegen das Schulsystem«. Sabine Babl (auch Grüne Liste Bergen) fand die in Erwägung gezogene Klassenbildung »ungut« und kritisierte, das sie »uns aufgedruckt wird«.