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»Wir können nicht 1,8 Millionen Euro in eine Blackbox schütten«

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Berchtesgaden: Peter Nagel verlässt TRBK – Diskussion über Haushalt und Finanzen
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Vor allem finanzielle Transparenz vermissten die BGLT-Gesellschafter bei Geschäftsführer Peter Nagel, von dem man sich kürzlich überraschend getrennt hatte. Das wurde am Donnerstag im TRBK-Ausschuss deutlich. (Archivfoto: Gerd Spranger)

Berchtesgaden – Der Name Peter Nagel fiel am Donnerstag in der Ausschuss-Sitzung der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee nur wenige Male. Und dennoch ging es bei der Diskussion über den Wirtschaftsplan 2020 der Berchtesgadener Land Tourismusgesellschaft (BGLT) zum Großteil um das Vermächtnis des früheren BGLT-Geschäftsführers, von dem man sich vor zwei Wochen überraschend getrennt hatte.


Die BGLT-Haushaltsansätze der Berchtesgadener Marke »Bergerlebnis« tragen die Handschrift des Garmisch-Partenkircheners und stellten die Ausschussmitglieder nicht ganz zufrieden.

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Um die laufenden Geschäfte der BGLT nicht zu blockieren, empfahl man dem Zweckverband, der in zwei Wochen tagt, zwar einstimmig die Verabschiedung des Haushaltsplans, einigte sich aber gleichzeitig darauf, die Haushaltsansätze nach verschiedenen Umschichtungen im ersten Quartal 2020 noch einmal neu zu beschließen.

Fast 4 Millionen Euro Gesellschafterzuschüsse

Nach dem plötzlichen Weggang von Peter Nagel ist Dr. Brigitte Schlögl vorübergehend alleinige BGLT-Geschäftsführerin. Ihr oblag es, den Ausschussmitgliedern der TRBK, einer von drei Gesellschaftern der BGLT, den Wirtschaftsplan 2020 zu präsentieren. In dem werden die Zahlen für die Marken »Alpenstadt« und »Bergerlebnis« erstmals komplett getrennt.

Folgende Summen werden angesetzt: Verwaltung -290.000 Euro (Alpenstadt) / -328.000 Euro (Bergerlebnis); Urlaubsberatung 28.500 Euro / 3000 Euro (ein Plus wegen zahlreicher Erlöse); Service und Marktbearbeitung 6000 Euro / 31.000 Euro; Gastgeberberatung (unter anderem Schulungen und Zertifizierungen) -10.000 Euro / -19.000 Euro; Kommunikation (Online-Kommunikation, Pressearbeit, Fotoproduktion) -78.000 Euro / -122.000 Euro, Stadtmarketing - 201.000 Euro (nur Alpenstadt), Vermarktung und Drucksorten (u.a. Gastgeberverzeichnis, Magazin, Marktforschung, Beschilderungen, Wanderungen, Patenprojekte) -465.000 Euro / -375.000 Euro, Veranstaltungsmanagement/Kooperationen (Kulturschmankerl, Fremdveranstaltungen wie Jennerstier oder Wanderfestival, Markenbotschafter, Eisbären Berlin) -750 Euro / -60.000 Euro; Film- und TV-Management -4000 Euro / -16.000 Euro.

Dazu kommen die Personalausgaben, für die in der Marke »Alpenstadt« 984.000 Euro angesetzt sind und in der Marke »Bergerlebnis« 1,1 Millionen Euro. Zum Haushaltsausgleich geben die Gesellschafter hohe Zuschüsse: 2 Millionen Euro die Stadt Bad Reichenhall, 1,825 Millionen Euro die TRBK und 172.000 Euro die Erlebnisregion.

Unzufriedenheit mit Haushaltsansätzen

Im Rahmen der Diskussion bekundeten die Ausschussmitglieder mehrmals ihre Unzufriedenheit mit einzelnen Haushaltsansätzen. Gefordert wurden teilweise Umschichtungen. Birgit Gschoßmann (Ramsau) bemängelte beispielsweise, dass ihr einige Kostenstellen zu hoch seien. Unter anderem der Bereich Gastgeberverzeichnis werde sehr stiefmütterlich behandelt, hier könne man durchaus höhere Einnahmen erzielen. Sie wollte auch wissen, wer denn nun für die Ansätze zuständig gewesen sei. Die Haushaltsansätze für den Bereich Bergerlebnis seien von Peter Nagel fixiert worden, sagte Dr. Brigitte Schlögl und betonte: »Die Zeit, hier noch etwas zu ändern, war einfach zu kurz.«

Hannes Rasp, 2. Verbandsvorsitzender und Bürgermeister von Schönau am Königssee, bedankte sich bei der Geschäftsführerin für die Haushaltserläuterungen. Die Ansätze seien nicht auf Kante genäht, man komme so schon über die Runden, sagte Rasp. Allerdings forderte Hannes Rasp auch mehr Flexibilität bei der Bezuschussung durch die Gesellschafter. Statt fix jedes Jahr 1,8 Millionen Euro zu geben, sollte man diese Summe künftig lieber den Zielen anpassen.

Dr. Bartl Wimmer (Berchtesgaden) bedauerte, dass man immer noch keinen Überblick habe, wie denn das aktuelle Jahr finanziell gelaufen sei. Nebenbei bemerkte er, dass die Ausschussmitglieder aus der Zeitung vom Weggang Nagels erfahren hätten. »Richtig verarscht« fühle er sich aber, wenn er sich den schon lange geforderten und nun vorgelegten Fünfjahresplan anschaue, der ihm nicht gefiel. »So kann man nicht mit uns umgehen«, kritisierte Wimmer. Schließlich erfahre man darin nichts darüber, in welche Richtung man künftig gehen wolle.

»Wir sollten endlich eine Debatte über die weitere strategische Tourismusausrichtung führen«, forderte Wimmer. Das sah auch Vorsitzender Franz Rasp so. Der schlug vor, dem Wirtschaftsplan als Empfehlungsbeschluss grünes Licht zu geben. Im ersten Quartal 2020 werde man dann die kritisierten Punkte und Haushaltsansätze neu behandeln. Das hielt auch Geschäftsführerin Dr. Brigitte Schlögl für vernünftig. Sie will bis Anfang nächsten Jahres einige Haushaltsansätze umschichten und auch touristische Oberziele fixieren.

»Waren zwei Jahre lang im Blindflug unterwegs«

Seinem Ärger freie Luft ließ 3. Verbandsvorsitzender Thomas Weber, Bürgermeister von Bischofswiesen. Der ließ erstmals durchblicken, warum man sich so plötzlich von Peter Nagel getrennt hatte: »Wir haben den Geschäftsführer ein paar Mal aufgefordert, endlich Zahlen vorzulegen. Wir waren ja zwei Jahre im Blindflug unterwegs«, schimpfte Weber. Geärgert hat ihn vor allem ein Artikel im »Münchner Merker«, in dem Nagel bekundet hatte, dass er sich nicht verbiegen lasse. »Wir haben halt eine andere Erwartung an den Geschäftsführer. Wir können ja nicht 1,8 Millionen Euro in eine Blackbox schütten, ohne zu wissen, was damit passiert.« Immerhin konnte Weber feststellen, dass nun Transparenz gegeben sei.

Der Ausschuss empfahl schließlich dem Zweckverband die Zustimmung zum Haushalt. Im neuen Jahr will man dann einzelne Ansätze neu diskutieren und auch Oberziele festlegen, die messbar sein müssen. Ob es so gemacht wird, entscheidet der Zweckverband am 12. Dezember.

Ulli Kastner

Italian Trulli