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»Wir können nicht einen Tag aufmachen und am nächsten wieder zu«

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Foto: Montage/Wukits

Geöffnete Schulen und schnellere Hilfe für Unternehmen und Betriebe – das sind die Themen, die die Landräte Siegfried Walch und Bernhard Kern bei der heutigen Videokonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Markus Söder ansprechen möchten. Thema der Konferenz ist das weitere Vorgehen im Kampf gegen das Coronavirus. Eingeladen wurden alle bayerischen Landräte und Oberbürgermeister der kreisfreien Städte. Vor der Konferenz hat das Traunsteiner Tagblatt die beiden Landräte gefragt, welche Anliegen sie mit der Bundeskanzlerin besprechen möchten.


Traunsteins Landrat Siegfried Walch fordert vom Bund vor allem schnellere finanzielle Hilfe für Betriebe und Unternehmen. »Wir müssen unbedingt darauf schauen, dass der wirtschaftliche Schaden, der durch die Einschränkungen angerichtet wird, so gering wie möglich gehalten wird«, betont Walch. Das gehe nur, wenn die versprochenen Hilfen auch tatsächlich fließen. Deswegen ist es seiner Meinung nach nicht hinnehmbar, dass Unternehmen und Betriebe monatelang warten, bis sie ihre Hilfen bekommen.

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Besonders wichtig ist dem Landrat auch, dass man die Branchen mit einbezieht, die vom Tourismus abhängig sind. Das treffe vor allem Kleinvermieter, die bei den Hilfen »durchs Raster gefallen« sind. Viele Familien in der Region haben das jedoch als zweites Standbein, erklärt der Landrat.

Ein dritter Punkt, den er ansprechen möchte, ist der starke Preisverfall in der Landwirtschaft durch die Corona-Einschränkungen. Das liege vor allem daran, dass wegen der geschlossenen Gasthäuser und den ausfallenden Veranstaltungen viel weniger Rinder und Schweine gekauft werden. Die Tiere werden nun teilweise gar nicht mehr abgenommen und das sei für die landwirtschaftlichen Betriebe in der Region »ein ganz ein großes Problem«, so Walch. Deshalb fordert er zudem Sonderhilfen für die Landwirtschaft. Walch befürchtet, dass »wir hier auch in ein großes Problem reinrutschen, wenn das nicht endlich angegangen wird.«

Der Landrat des Berchtesgadener Lands, Bernhard Kern, möchte im Gespräch mit der Bundeskanzlerin vor allem die zusätzlichen Schwierigkeiten, mit denen das Berchtesgadener Land als Grenzregion zu kämpfen hat, ansprechen. Sein oberstes Ziel sei, so bald wie möglich die Schulen zu öffnen. Hier fordert er Alternativen für Landkreise, deren Inzidenzwert um 100 liegt. »Wir können nicht einen Tag aufmachen und am nächsten wieder zu. Eltern, Schüler, Lehrer und auch Beförderungsunternehmen müssen hier Sicherheit bekommen«, so Kern.

Die Öffnung der Schulen rein vom Inzidenzwert abhängig zu machen, findet er zu kurz gegriffen. Gerade im ländlichen Raum könne man gute Möglichkeiten für ein flexibles Beschulungssystem schaffen. So haben die Schulen hier bereits viel getan, wie Umbaumaßnahmen umgesetzt und zusätzliche Räume zur Verfügung gestellt, so Kern. Wegen der umfangreichen Testungen aufgrund der Einreiseregelungen werden mehr positive Fälle entdeckt. Dadurch könne man von einer deutlich geringeren Dunkelziffer ausgehen, erklärt der Landrat weiter. Aufgrund der hohen Anzahl an Pendlern sei das Testaufkommen im Landkreis nochmals erheblich gestiegen. In den ersten 14 Tagen im Februar waren laut Kern bereits 10 624 Testungen durchgeführt.

Gleichzeitig sei auch der Einfluss aus Salzburg, wo die Inzidenzen immer noch höher sind, aber Maßnahmen gelockert werden, nicht zu leugnen. »Das macht es für uns schwierig, die Fallzahlen langfristig auf ein niedrigeres Niveau zu bringen und dort zu halten«, so Kern.

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