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Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten verabschieden Praktikanten

»Wir können viel von diesen Menschen lernen«

Traunreut – Für ein Jahr waren junge Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern als Praktikanten in den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten (CLW) tätig und sammelten dort wichtige Erfahrungen für ihr weiteres Berufsleben. Jetzt werden sie verabschiedet und blicken noch einmal zurück auf die Zeit, in der sie an der Seite von Menschen mit Behinderung arbeiteten. »Wir können viel von diesen Menschen lernen«, stellte eine Teilnehmerin fest.

Beschäftigte Maria Havranek (links) mit der Bundesfreiwilligen Guzel Ibragimova beim Abpacken der Temperaturfühler »Singlepoint« für die Firma Bosch-Siemens-Hausgeräte. (Foto: CLW)

Zwölf Praktikanten sind derzeit noch an den verschiedenen Standorten der CLW tätig. Vier Praktikanten aus Deutschland machen den Bundesfreiwilligendienst, ein deutscher Mitarbeiter ist im Freiwilligen Ökologischen Jahr, es gibt sechs Bundesfreiwillige aus Bosnien, Israel, Polen, Russland, Ukraine, Weißrussland sowie eine europäische Freiwillige aus Griechenland. Die jungen Damen stellen am Ende eines sehr ereignisreichen Praktikumsjahrs fest, dass sie vorher teils vorhandene Vorurteile rasch abgebaut hätten. Die Menschen mit Behinderung, die in den Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten den für sie und ihre Fähigkeiten am besten geeigneten Arbeitsplatz haben, seien selbstständiger, als sie zunächst dachten. »Ich war überrascht, wie viel die können«, erklärte eine Praktikantin. Die Beschäftigten hätten ihnen die Annäherung leicht gemacht und es sei schnell gegenseitiges Vertrauen gewachsen.

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Bei Guzel Ibragimova aus Russland reifte im Laufe des Praktikums der Entschluss, sich auch künftig beruflich für Menschen mit Handicap zu engagieren. Sie beginnt im Herbst eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin in Nürnberg. Auch einige der übrigen europäischen Praktikanten wollen in Deutschland bleiben, entweder um ebenfalls eine Ausbildung zu absolvieren oder um die deutsche Sprache für ein späteres Studium noch besser zu lernen.

Neben den Praktikanten aus anderen Ländern absolvierten auch Rosalie Kirchner aus Grassau und Louisa Hofmann aus Traunstein nach ihrem Schulabschluss ein freiwilliges Jahr in den Werkstätten. Louisa Hofmann kann so ein Praktikum nur empfehlen, meint aber auch: »Man sollte offen und kontaktfreudig sein, gern mit Menschen zu tun haben.«

Ulrike Reitelshöfer, Gesamtleitung Pädagogischer Fachdienst der CLW, betonte, dass die Praktikanten jedes Jahr eine große Bereicherung darstellen. In den einzelnen Gruppen leisten sie einen wichtigen Beitrag, indem sie die Fachkräfte bei der Betreuung der Beschäftigten unterstützen. Der Betriebsleiter der Nordwerkstätte Franz Lohmeyer bewunderte den Mut der jungen Leute, ein Jahr ins Ausland zu gehen, und zollte ihnen größten Respekt.

Im Herbst beginnt das Praktikum für neue Freiwillige, deren Bewerbungsphase derzeit noch läuft. »Wir bekommen eigentlich immer genügend Bewerbungen rein und können unser Kontingent leicht füllen«, erläutert Gerhard Ameiser vom pädagogischen Fachdienst. mix