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»Wir machen nicht nur Holz«

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Telegener Waldfachmann: Dr. Daniel Müller (r.) stellte gestern den Jahresbericht des Forstbetriebs Berchtesgaden vor. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Die Folgen des Klimawandels machen dem Forstbetrieb Berchtesgaden, der zu den Bayerischen Staatsforsten gehört, zu schaffen. Im mitteleuropäischen Vergleich steht der heimische Betrieb, der von Ramsau bis nach Laufen, Nußdorf und Siegsdorf reicht, aber gut da. Die Gründe dafür erläuterte Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller gestern einer ungewohnt großen Journalistenschar in einer Pressekonferenz.


Sturmschäden, Käferbefall, Eschentriebsterben und ein schwieriger Holzmarkt: Probleme, die sich auch im Forstbetrieb Berchtesgaden bemerkbar machen. Aber nicht so stark wie im mitteleuropäischen Vergleich. Was laut Dr. Müller an den hohen Niederschlagsmengen in Südostbayern und am strategischen Geschick seines Teams liegt. Mit den Zahlen für das Jahr 2018 ist der Betriebsleiter deshalb durchaus zufrieden.

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Auf einer Gesamtfläche von 28 400 Hektar, wovon gut 14 000 Hektar Schutzwald sind, gab es einen Holzzuwachs von 143 000 Kubikmetern. »Wir haben sehr produktive Bestände. Dem Wald geht es zunehmend besser«, so Dr. Müller. Der Käferholzeinschlag lag mit 13 000 Festmetern im Mittelfeld des Zehn-Jahres-Vergleichs. Und war im Vergleich zur Zeit nach Orkan »Kyrill« im Januar 2007 harmlos.

Ein zentrales Problem für den Forstbetrieb sind laut dessen Leiter die hohen Ausgaben für die Holzernte. »Wir hatten bei geringeren Erlösen höhere Kosten«, so Dr. Daniel Müller. Deshalb lagen die Erträge heuer nur bei 7,86 Millionen Euro. 2012 lagen sie noch bei 9,62 Millionen. Bei einem Kostenaufwand von 7,68 Millionen Euro blieben nur 180 000 Euro. »Das war ein deutlicher Dämpfer. Wir sind froh, dass wir in den schwarzen Zahlen geblieben sind.«

Von Rekord zu Rekord geht es jedoch bei der Jagd. Und das seit sechs Jahren. Im Jagdjahr 2017/2018 gab es insgesamt gut 1 600 Abschüsse. Bei einem Soll von 1 428. Für die Fütterung des Rotwilds hat der Forstbetrieb übrigens fast 68 000 Euro ausgegeben. Der Leittriebverbiss liegt nach wie vor unter 10 Prozent. Inzwischen auch bei der dem Klimawandel trotzenden Weißtanne.

Wie Dr. Daniel Müller erklärte, herrsche in der Waldwirtschaft ein enormer Fachkräftemangel. Deshalb setze der Forstbetrieb Berchtesgaden verstärkt auf Ausbildung. Inzwischen sind drei Forstwirtazubis dort beschäftigt. Zwei weitere sollen demnächst hinzukommen.

Laut Dr. Müller berücksichtigt die Strategie des Forstbetriebs Berchtesgaden nicht nur die massiven Käferholzmengen in ganz Europa, sondern auch den Klimawandel. Eine niedrige Nachfrage beunruhigt den Forstbetriebsleiter aber nicht. Er findet »Jeder Baum, der steht, ist gut.« In erster Linie sollen deshalb liegende Bäume aufgearbeitet und verkauft werden. Neben dem Ausbau der Vermarktungsmöglichkeiten – zum Beispiel die Lieferung von Brennholz an Privatkunden – sollen Kosten eingespart und Investitionen verschoben werden, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Außerdem verfügen die Bayerischen Staatsforsten mit dem Borkenkäfermonitoring per Smartphone-App über ein äußerst effizientes Instrument, um den Fichtenbestand zu schützen.

Der Forstbetrieb Berchtesgaden engagiert sich aber auch sozial. »Wir machen nicht nur Holz«, betont Dr. Daniel Müller. Beispiele dafür gibt es viele. Unter anderem die Ausgaben für den Schutzwald und den Naturschutz, die heuer bei knapp 850 000 Euro lagen. Hinzu kommen das Birkwildmonitoring, die Anlage von Blühflächen sowie die Unterstützung von Schulen und Hochschulen. Christian Fischer

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