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»Wir schauen positiv nach vorn«

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»Kuscheln in Corona-Zeiten«: Amelie El-Daribi mit ihrem Pferd Sirius auf der Anlage des Reitvereins.

Erleichtert über die neuen Regelungen in der Corona-Krise zeigt man sich beim Reit- und Fahrverein Traunstein. Denn die vergangenen gut zwei Monate »haben uns schwer getroffen, der gesamte Schulbetrieb und alle Veranstaltungen sind ausgefallen«, blickt Petra Ostermayer El-Daribi zurück.


Der Verein hat in seinem Stall rund 25 Einsteller-Pferde und zehn Schulpferde, die auch während der gesamten Einschränkungen betreut werden mussten. Das heißt, es liefen die Kosten für die Reitlehrerin und zwei Stallarbeiter weiter, und auch die Fixkosten (z. B. Futterkosten, Tierarzt für Schulpferde) blieben bestehen, berichtet die Vorsitzende. Reitlehrerin Kerstin Mallee musste zusätzlich die Schulpferde in der Zwischenzeit alle selbst bewegen.

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Für die Einsteller war nur eine »Notbewegung« der Pferde erlaubt. Die Pferdebesitzer mussten sich jeweils tags zuvor in einen Belegungsplan eintragen. Zum einen, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, zum anderen wegen der Einteilung.

Es waren maximal vier Personen in der Halle zulässig und Ausreiten nur als Einzelreiter oder mit zwei Reitern aus dem gleichen Haushalt erlaubt. Jetzt darf zumindest der Schulbetrieb vorsichtig anlaufen. Es sind im Freien oder in der Halle maximal vier Reitschüler plus Reitlehrer gleichzeitig erlaubt. Sonst waren es oft sechs bis sieben Kinder je Stunde. Daher fehlt derzeit immer noch ein Teil der üblichen Einnahmen. Zudem »brauchen auch die Einsteller Zeiten, in denen sie die Halle nutzen können.«

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Viel Auslauf ist für die Pferde wichtig – dazu gehören unter anderem auch die Paddocks des Reit- und Fahrvereins.

Weiterhin müssen viele Dinge beachtet werden. »Wir haben an den Ein- und Ausgängen Desinfektionsmittel, und es darf nach wie vor niemand zuschauen.« Wichtig sei es, zu dokumentieren, wer sich wann wo aufgehalten habe.

Für den Ausfall der Einnahmen aus dem Schulbetrieb stellte der Verein beim Staatsministerium für Wirtschaftsförderung einen Antrag auf einen Zuschuss. Dieser wurde nun am Dienstag auch bewilligt. Damit können die Kosten wohl zu einem großen Teil gedeckt werden. »Das Geld ist auf dem Weg«, freut sich Ostermayer El-Daribi.

Klar sei jetzt schon: Für die Paddockboxen, die der Verein heuer anbauen wollte, hatte der RFV zwar schon etwas angespart, doch nach den jüngsten Entwicklungen »müssen wir erst einmal warten.«

Auch organisatorisch bleiben große Herausforderungen. »Von den Terminen her hängen wir total in der Luft.« Daher wird es wohl auch nichts mit der Stadtmeisterschaft, die der Verein normalerweise im Herbst ausrichtet, »aber eine endgültige Aussage will ich da noch nicht treffen«, betont Ostermayer El-Daribi.

Auch bei den Prüfungen herrsche noch Unklarheit. »Vielleicht in den Sommer- oder Herbstferien« könnten die Reitabzeichen abgelegt werden, »und falls das geht, versuchen wir, am Prüfungstag noch ein oder zwei zusätzliche Springen zu ermöglichen.«

Doch derzeit gibt es drängendere Fragen – zum Beispiel die Futterkosten. Dabei »haben uns auch einige Einsteller und Schulreiter mit Futter und Patenschaften geholfen«, lobt sie.

»Etwa 500 Rundballen im Jahr mit guter Qualität zu bekommen, ist schon schwierig«, weiß die Vorsitzende – zumal die Preise (derzeit ca. 60 bis 65 Euro pro gutem Ballen) relativ hoch seien.

»Wir hoffen, dass wir das alles erhalten können«, spricht sie für die ganze Vereinsführung. Jeder Einsteller habe derzeit einen täglichen Paddock- und Koppelplan und könne sein Pferd bei Bedarf auch für die Führanlage anmelden. Die drei festen Beschäftigten des Vereins müssen streng getrennt arbeiten »und danach immer alle Gerätschaften desinfizieren.«

Der gesundheitliche Aspekt zählt auch bei Reitern und Angestellten: »Wir müssen einfach versuchen, Ansteckungen so gut wie möglich auszuschließen. Dabei geht es ja auch um die Tiere: Es ist unsere ständige Sorge, wer diese dann versorgen würde. Die brauchen ja nicht nur Futter, sondern sollen auch zweimal am Tag Bewegung haben und möglichst auch gearbeitet werden«, verdeutlicht die Vorsitzende.

Doch dank der Lockerungen gebe es nun »kleine Schritte nach vorn.« Daher gelte beim RFV trotz aller Sorgen: »Wir schauen positiv nach vorn.« who