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»Wir sind kein Hausmeisterservice«

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Für 40 Jahre aktiven Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Traunreut gab es Ehrungen für Werner Urban (links) und Ingo Klepke (rechts). Kommandant Karl-Heinz Erhard übergab die Urkunden. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Traunreut hat ein sehr ereignisreiches Jahr hinter sich. Insgesamt waren 253 Einsätze abzuarbeiten und es wurden 10 975 ehrenamtliche Stunden geleistet. Deutliche Worte in der Jahreshauptversammlung fand Kommandant Karl-Heinz Erhard in Bezug auf manche unnötigen Einsätze: »Wir sind kein Hausmeisterservice.«


Erhard stellte heraus, was eigentlich allgemein bekannt sein sollte, nämlich dass die Feuerwehr ehrenamtlich tätig ist und keine Berufsfeuerwehr. Manche Bürger seien da aber anscheinend anderer Ansicht und meinten, »wir sitzen im Gerätehaus und warten nur auf einen Einsatz«. Immer öfter würden seine Leute zu völlig unnötigen Einsätzen gerufen. Als Beispiele nannte er ein abgerissenes Heizungsventil und einen tropfenden Wasserhahn in der Wohnung.

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Kritik übte er auch an der Form der Alarmierung. So werde nach den neuesten Regeln eine Rauchentwicklung mit einem Zimmerbrand bei der Alarmierung gleichgesetzt: »Oft handelt es sich aber um angebranntes Essen, das raucht, und nicht um Feuer.« Das sollte schon unterschieden werden, um nicht unnötig viele Kräfte zu mobilisieren. Von der Integrierten Leitstelle Traunstein würden oft mehr Feuerwehren alarmiert, als eigentlich notwendig wären. Bei einem Verkehrsunfall mit einer eingeklemmten Person seien im letzten Jahr fünf Feuerwehren im Einsatz gewesen, nach Meinung von Karl-Heinz Erhard entschieden zu viele. »Ich glaube, wir überziehen das System und müssen wieder zu vernünftigen Regeln zurückkehren.« Denn schließlich müssten die Feuerwehrleute für die Einsätze von der Arbeit weg.

Im Jahr 2017 absolvierte die Freiwillige Feuerwehr Traunreut 253 Einsätze, darunter 58 Brände, 149 Technische Hilfeleistungen, zwei Sicherheitswachen und 44 sonstige Einsätze. Die Zahl der THL-Einsätze wurde durch den Sturm im August hochgeschraubt. Laut Erhard ist es die »ureigenste« Aufgabe der Feuerwehr, Personen zu retten. 2017 taten dies die Traunreuter 41-mal bei diversen Einsätzen. 95 Prozent aller Einsätze fanden im Stadtgebiet von Traunreut statt.

Zusammen mit den Übungen und Lehrgängen, die 3964 Stunden ausmachten, den Einsätzen mit 4479 Stunden und der Jugendarbeit mit 2532 Stunden kamen letztes Jahr insgesamt 10 975 ehrenamtlich geleistete Stunden der Freiwilligen Feuerwehr zusammen. Die Mannschaftsstärke betrug zum 31. Dezember 2017 73 Aktive, davon elf Frauen. In der Jugend sind 19, darunter vier Mädchen. Dazu kommen noch 32 passive und 70 fördernde Mitglieder, sodass die Freiwillige Feuerwehr Traunreut insgesamt 194 Vereinsmitglieder verzeichnet. Eventuell noch in diesem Jahr werden zwei neue Feuerwehrfahrzeuge ausgeliefert. Ein HLF 20 und ein LF 20 wurden bereits bestellt und werden zwei Fahrzeuge ersetzen, die mittlerweile über 30 Jahre alt sind.

Über die Jugendgruppe mit 19 Jugendlichen berichtete die bisherige Jugendwartin Verena Unterstein. Letztes Jahr absolvierte die Jugend 2532 Stunden bei 89 Veranstaltungen. Herausragend sei die Feier zum 50-jährigen Bestehen der Feuerwehrjugend in Traunreut gewesen. Bei einer öffentlichen Präsentation auf dem Rathausplatz beeindruckten die Nachwuchsfeuerwehrler mit ihrem Können. Verena Unterstein hört aus familiären Gründen als Jugendwartin auf, wird aber den neuen Jugendwart Philipp Schenk unterstützen.

Laut Kassenbericht von Herbert Kellner verblieb 2017 ein Überschuss von 5246 Euro. Dies sei nicht zuletzt dem hervorragend gelaufenen Spritzenhausfest zu verdanken. Der langjährige Kassenprüfer Horst Klepke gab an, künftig nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Manfred Unterstein wird das Amt übernehmen.

Vorsitzender Hermann Künzner gab nach dem Jahresrückblick eine Vorschau auf 2018 ab. Die Traunreuter Feuerwehr beteiligt sich am 13. Mai am 150. Gründungsfest der Feuerwehr Kammer und am 15. Juli am 150. Jubiläum der Feuerwehr Palling. Das 20. Spritzenhausfest findet am 9. Juni statt und der Kreisjugendfeuerwehrtag ist am 21. Juli in Kienberg.

Kreisbrandinspektor Martin Schupfner und Polizeichef Johann Bohnert würdigten die beachtliche Leistung der Traunreuter Wehr im letzten Jahr und dankten für die Zusammenarbeit. Bürgermeister Klaus Ritter freute sich über die gute Jugendgruppe und sprach das leidige Thema Gaffer an.

Es folgten Ehrungen: Für zehn Jahre aktiven Dienst wurden Alexander Kohl, Maximilian Künzner und Philipp Schenk geehrt, für 30 Jahre Peter Wirth, für 40 Jahre Ingo Klepke und Werner Urban. mix