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Knapp 3 700 Bürger unterschreiben für Erhalt des Caritas-Altenheims »St. Felicitas«

»Wir sind überwältigt«

Bischofswiesen – »3 693 Unterschriften sind zusammengekommen«. Als Paul Grafwallner das am Donnerstagnachmittag im Altenheim St. Felicitas verkündet, wird er von Applaus und Bravo-Rufen unterbrochen. Mitarbeiter und Bewohner sind begeistert von dem großen Zuspruch. »Der Applaus gilt nicht mir, sondern den Menschen, die unterschrieben haben«, wirft der Bischofswieser Gemeinderat ein. Sicherheit gibt es trotzdem nicht.

Paul Grafwallner (2.v.l.) ist sehr zufrieden mit der Petition zum Erhalt der Felicitas. Er übergab 3.693 Unterschriften an Doris Schneider, der Geschäftsführerin aller Caritas-Altenheime. Auch Dr. Reinhard Reichelt (l.) und Pfarrer Thomas Frauenlob (r.), waren beeindruckt von der Anteilnahme der Bevölkerung. (Foto: Voss)

Fünfzehn Prozent aller 24 000 Talkesselbewohner haben ihren Namen auf die Listen gesetzt, berichtet Paul Grafwallner. Man müsse berücksichtigen, dass zu den Einwohnern auch Säuglinge und Kleinkinder zählen. Der Gemeinderat dankt allen engagierten Sammlern, die Listen in Praxen ausgelegt haben. »Sehr viele Geschäfte, und nahezu alle Ärzte haben mitgemacht. Viele sind auch privat herumgegangen und haben Unterschriften gesammelt. Nur so kommt dieser tolle Erfolg zusammen«, freut sich Grafwallner. Der zweite Initiator ist Hans Lackner, der allerdings verreist ist. Lackner hat sich laut Grafwallner einen Tag lang mit den leeren Listen vor einen Einkaufsmarkt in Berchtesgaden gestellt. Zudem war er online aktiv auf der Suche nach Mitstreitern. Grafwallners Fazit: Eine unglaublich hohe Betroffenheit herrscht in der Bevölkerung. »Das zeigt, dass die Caritas ein sehr gutes Haus hier betreibt«, lobt er. Paul Grafwallner blickt bei seiner Rede stets in Richtung Doris Schneider, der Geschäftsführerin der Caritas-Altenheime im Caritasverband der Erzdiözese München und Freising: »Dass es Probleme gibt, haben Sie bereits dargestellt. Betriebswirtschaftliche Überlegungen sind mit Sicherheit legitim, die muss man bei jedem Unternehmen machen«, räumt er ein. Wie berichtet, trat am 1. Januar das Pflegequalitätsgesetz in Kraft. Eine der Folgen für die Felicitas sind Investitionen. Der Erhalt des Altenheims in seiner jetzigen Form würde sich laut Caritas erst ab 90 Heimbewohnern rechnen, wie Grafwallner informierte. Es gebe die Möglichkeit, für die Umsetzung der Vorgaben dieses Gesetzes 25 Jahre Aufschub zu bekommen. »Der Landkreis und die Heimaufsicht im Landratsamt würden dem mit Sicherheit zustimmen«, ist er überzeugt.

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Erhalt würde sich erst ab 90 Bewohnern rechnen

Zusätzlich weist das Gemeinderatsmitglied noch einmal auf den Fall einer Nutzungsänderung hin: »Die Nutzung des Gebäudes ist klar geregelt: Ein Seniorenheim. Wenn hier in Zukunft eine andere Nutzung angedacht wäre, müsste der Gemeinderat zustimmen. Entweder die Caritas oder der neue Eigentümer müssten eine Nutzungsänderung beantragen. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass das Plenum, dem ich angehöre, dies leichtfertig unterstützen wird – vor allem in Hinblick auf die hohe Betroffenheit der Bevölkerung.« Dabei deutet er auf die Unterschriften. »Das bitte ich bei ihrer Entscheidungsfindung bis Ende Mai zu berücksichtigen.«

Entscheidung fiel der Caritas schwer

Doris Schneider nimmt das »beeindruckende Ergebnis« von Paul Grafwallner entgegen. »Die Einbindung ins pfarrliche und gemeindliche Umfeld ist uns hier im ländlichen Bereich wichtig. Umso schwerer war es für uns, als wir die Entscheidung verkünden mussten, dass eine Veränderung ansteht. Uns ist die Situation sehr wohl bewusst und ich bin froh über die Lösungsmöglichkeit, ein verändertes Angebot zu schaffen und dass wir den Prüfungsauftrag bekommen haben.«

Die Hoffnung, dass das Altenheim in einer Form bestehen bleibt, hat auch Dr. Reinhard Reichelt. Er und seine Frau haben Erfahrung mit der Betreuung von Patienten im Altenheim und erinnert an die Angestellten: »Auch die Mitarbeiter haben hier hervorragende Arbeit zum Wohl der Patienten geleistet. Die Bewohner fühlen sich sehr wohl. Caritas bedeutet Menschenliebe, das hat man hier in diesem Haus gespürt.« Jedoch ist die Hiobsbotschaft der ausstehenden Entscheidung zwischen Konzeptänderung und Schließung nicht spurlos an den Bewohnern vorbeigegangen: »Natürlich ist die Verunsicherung sehr groß gewesen«, berichtet Dr. Reichelt.

Mitarbeiter halten fest zusammen

Andrea Schnurrer ist seit sieben Jahren Pflegedienstleiterin. Am 1. April hat sie die Heimleitung übernommen. Sie meldet sich auch zu dem Thema zu Wort: »Uns zeichnet aus, dass es ein kleineres Haus mit familiärer Atmosphäre ist. Die langjährigen Mitarbeiter und sehr viele Bewohner stammen aus dem Talkessel.«

Schnurrer und ihre Kollegin Ilona Keye, seit 14 Jahren Wohnbereichsleiterin und stellvertretende Pflegedienstleiterin, sind überwältigt von der Unterstützung aus der Bevölkerung. Keye berichtet auch vom Zusammenhalt innerhalb der Felicitas: »Die Teams arbeiten in der Konstellation seit über zehn Jahren zusammen. Wir kennen jeden Bewohner ganz genau. Es macht einfach Spaß, hier zu arbeiten.« Pfarrer Thomas Frauenlob geht auf die Wichtigkeit der Einrichtung ein: »Durch die Aktion wurde klar, welchen Stellenwert die Felicitas hat. Andererseits, dass der Vorstand der Caritas nicht aus herzlosen Apparatschiks besteht. Sondern einfach, dass es gewisse Sachzwänge gibt, die man einkalkulieren muss. Wobei ich auch für die Veränderung bin, die Faktenlage ist klar.« Es sei die Absicht des Gesetzgebers, die Altenpflege weiter zu entwickeln. Das neue Konzept wäre laut Frauenlob eine gute Ergänzung im Talkessel. »Es gibt eine Konkurrenzsituation zwischen drei Häusern. Wir können die Tagespflege sehr gut im Tal gebrauchen«, hier verweist der Seelsorger auf die vielen Demenzfälle.

Seelsorger Josef Neumann ist seit 2007 in St. Felicitas tätig. »Ich glaube, man kann sich hier wohlfühlen. Das ist etwas ganz Wichtiges für die alten Leute.« Sein Kollege Thomas Frauenlob lobt den 88-jährigen Neumann für seine gute Arbeit.

Ilona Keye betont abschließend: »Im Namen aller Mitarbeiter sage ich: Wir finden das sehr gut. Uns ist allen klar, dass das Altenheim in dieser Konstellation nicht weitergeführt werden kann. Wir sind bereit und wir meistern das.« Annabelle Voss