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»Wir sollten den Tourismus fördern, ihm aber nicht alles opfern«

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Bürgermeisterkandidatin Sabine Kruis als »Mutter Natur« auf einem Mittelalter-Weihnachtsmarkt. Dort erzählt sie den Leuten von den Bräuchen der Raunächte und dass man die Natur mehr respektieren müsse. (Foto: privat)

Schönau am Königssee – Mit Parteien und Vereinen hat sie es nicht so. Deshalb ist Sabine Kruis bislang auch nicht Mitglied bei den Grünen. Und doch will die 59-Jährige als Kandidatin der Ökopartei am 15. März den Chefsessel im Rathaus von Schönau am Königssee erobern. Denn mit grünen Zielen kann sich die Betreiberin einer Biopension in Unterstein durchaus identifizieren. Ihren Kampf gegen Raubbau und Ausverkauf der Heimat dokumentiert die Bürgermeisterkandidatin aktuell vor allem mit ihrer Ablehnung des Hotelbaues am Königssee in seiner vorgesehenen Dimension.


»Für mich ist es nicht wichtig, ob und in welcher Partei jemand ist. Was zählt, ist die Transparenz«, sagt Sabine Kruis. Weil es in dieser Angelegenheit ihrer Meinung nach noch viel zu tun gibt, will sie sich nach ihrer Gemeinderatskandidatur vor sechs Jahren nun erneut um ein Amt bewerben: um das der Bürgermeisterin. »Es gibt schöne Orte, in denen der Ausverkauf schon begonnen hat. Dort werden die Preise in die Höhe getrieben und vieles wird für die Einheimischen unbezahlbar«, sagt die Untersteinerin. Sie will dazu beitragen, dass das in Schön­au am Königssee nicht so wird.

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Dass Sabine Kruis in den letzten Jahren ihr politisches Engagement weitgehend ruhen ließ, hing mit der Pflege ihrer Eltern zusammen. Doch jetzt ist wieder genug Energie vorhanden, entdeckt sie in sich wieder den Kampfgeist, mit dem sie sich »gegen die Blindheit der Menschen« stemmt und »für menschliches Zusammenhalten« wirbt. Vehement plädiert sie für ein bedingungsloses Grundeinkommen und unterstützt deshalb auch die Internetplattform www.mein-grundeinkommen.de. Schließlich weiß die 59-Jährige, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Ihre soziale Ader beweist die leidenschaftliche Vermieterin und Vegetarierin sogar in der eigenen Pension: »Wenn ein Gast in finanziellen Schwierigkeiten ist, dann wird er auch mal eine Woche zu einem Urlaub eingeladen.«

Dass Sabine Kruis bereit für eine Kandidatur war, hängt auch mit ihrem Demokratieverständnis zusammen. »Der Bürger muss eine Wahlmöglichkeit haben, das wäre bei einem einzigen Kandidaten nicht der Fall gewesen.« Außerdem ist die Untersteinerin der Überzeugung, dass die Politik mehr Frauen braucht. Deshalb hat sie gleich einmal einen Frauenstammtisch eingeführt, den sie auf alle Fälle auch nach der Wahl beibehalten will.

Vor allem geht es Sabine Kruis aber darum, die Heimat vor schlimmen Entwicklungen zu schützen. Und eine solche befürchtet sie aktuell bei den Planungen für das Königssee-Hotel. »Dass man da hinten was machen muss, ist klar. Aber muss es denn gleich in dieser Größenordnung sein?«, fragt die 59-Jährige. Und sie glaubt die Antwort zu kennen: »Es muss wohl diese Größe sein, damit am Ende alle Beteiligten ihren Profit machen können.« Das sei beim Hotel »Edelweiss« anders, denn dort seien Planer, Investoren und Betreiber dieselbe Familie. Darüber hinaus müsse man sich die Frage stellen, wo das Personal für das Königssee-Hotel untergebracht werden soll. So werde das Problem des fehlenden bezahlbaren Wohnraums nur noch größer. Sabine Kruis wünscht sich deshalb einen sensibleren Umgang mit solchen Großprojekten. »Wir müssen weg von dem Glauben, dass der Tourismus ein Goldenes Kalb ist, dem wir alles opfern dürfen«, sagt sie. Sie sei zwar durchaus für Tourismusförderung, aber die müsse nachhaltig geschehen und Lebensqualität für alle schaffen. Es könne nicht sein, dass die Einheimischen künftig nicht mehr an den Königssee kommen. »Es wird einfach zu viel.«

Immerhin sieht die Bürgermeisterkandidatin der Grünen bei ihren Zielen auch einige Parallelen mit CSU-Amtsinhaber und -Kandidat Hannes Rasp. Ein neues Verkehrskonzept mit Stärkung des ÖPNV und kostenlosen Bustickets auch für Einheimische sowie die Einführung von Car-Sharing-Projekten liegen ihr am Herzen. Die Schaffung von Busspuren und die Förderung des Radfahrens könnte ihrer Meinung nach dazu beitragen, dass das Autofahren weniger wichtig wird. Das alles ist für Sabine Kruis Teil der immer bedeutsamer werdenden Klimapolitik. Auch in puncto Wertschöpfung lässt sich nach Ansicht der Untersteinerin einiges verändern. Neben dem Tourismus könnte man das Holzgewerbe, die Schnitzschule, die Feinmechanik und die Pflegeeinrichtungen stärken. »Wir können ja nicht davon ausgehen, dass alle Kinder einmal die Pensionen ihrer Eltern übernehmen. Deshalb brauchen wir auch Lebensqualität außerhalb des Tourismus.«

»Kommunalpolitik muss parteien- und gemeindeübergreifend sein«, erläutert Sabine Kruis ihre politische Grundeinstellung. Aber es geht ihr auch darum, den mündigen Bürger zu fördern. Bürgerbegehren und Bürgerentscheide sind nach ihrer Meinung dafür geeignete Mittel.

Noch engagiert sich Sabine Kruis neben ihren aktuellen Wahlkampfauftritten leidenschaftlich in ihrer Biopension. Sollte sie tatsächlich Bürgermeisterin in Schönau am Königssee werden, hat sie vorgesorgt und will den Betrieb an Bekannte abgeben. Dabei ist sich die 59-Jährige aber der Schwierigkeit ihrer Mission bewusst. »Als Frau für die Grünen in Schönau am Königssee Bürgermeisterin zu werden – das wäre schon ein sehr hoher Sprung.« Und doch will sie bis zuletzt um das Amt kämpfen – ganz nach dem Motto: »Sei Realist, glaube an Wunder.« Ulli Kastner

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