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WM-Playoff: Franzosen mit »Siegeswut« - Ronaldo relaxt

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Cristiano Ronaldo
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Cristiano Ronaldo wurde von den schwedischen Fans mit einem Ständchen empfangen. Foto: Mario Cruz Foto: dpa

Berlin (dpa) - Allez les Bleus! Vor der Herkulesaufgabe im entscheidenden WM-Playoff gegen die Ukraine versprechen Frankreichs Nationalspieler der bangenden Grande Nation Kampf bis zum Umfallen.


»Das ist das wichtigste Spiel meiner Karriere. Keiner von uns zieht die Möglichkeit in Erwägung, dass wir nicht nach Brasilien fahren. Wir werden Siegeswut haben«, kündigte Mathieu Valbuena vollmundig an. Auf dem 29-Jährigen Mittelfeldstar ruhen nach dem schwachen Auftritt von Bayern-Star Franck Ribéry beim 0:2-Debakel in Kiew viele Hoffnungen, die Equipe tricolore vor einer historischen Blamage zu bewahren.

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Deutlich entspannter traten Cristiano Ronaldo und seine Kollegen mit dem 1:0-Vorsprung im Rücken die Reise nach Stockholm an. Zu einem ungewöhnlichen Mittel der Motivation griff Victor Piturca. Rumäniens Coach kündigte an, ins Kloster zu gehen, sollte seine Mannschaft nach dem 1:3 in Athen gegen Griechenland die WM-Qualifikation verpassen.

20 Jahre nach dem 1:2 gegen Bulgarien, das die Teilnahme an der WM 1994 in den USA kostete, stehen Frankreichs Profis erneut mit dem Rücken zur Wand. »Wir müssen daran glauben, wirklich daran glauben, wenn wir die Dinge noch drehen wollen«, beschwor Didier Deschamps seine Spieler. In Anspielung auf die Kampfansage der Bleus gab die L'Équipe am Montag auf ihrer Titelseite das Motto für die Partie im Stade de France aus: »Die Wut der Verzweiflung.« Bundestrainer Joachim Löw hat die Franzosen noch nicht abgeschrieben. »Ich habe es irgendwie im Gefühl, dass Frankreich noch in der Lage ist, es irgendwie umzudrehen«, sagte Löw am Montag in London. »Ich möchte nicht in deren Haut stecken.«

Selbstbewusst, aber nicht überheblich machte sich das ukrainische Team auf den Weg nach Paris. »Das Hinspiel in Kiew war pure Magie, aber in Paris brauchen wir ein zweites Wunder«, schrieb »Sport Express Ukraine«. Coach Michail Fomenko müsse noch einmal »den Deschamps-Code entschlüsseln«. Ein Blick in die Statistik sollte dem Trainer auf jeden Fall Mut machen. Seine Elf ist auswärts seit sechs Spielen ungeschlagen und ging in den letzten vier Begegnungen sogar als Sieger vom Platz. Frankreich war das letzte Team, gegen das man mehr als einen Treffer kassiert hat (0:2 bei der Euro im Juni 2012).

Zum Empfang von Ronaldo und Co. vor dem Hotel in Stockholm spielte ein Blasorchester die Melodie von Pippi Langstrumpf, auf dem Rasen wollen die Portugiesen wie schon im Hinspiel selbst den Ton angeben. In einer Onlineumfrage der Sportzeitung »Record« zeigten sich knapp 87 Prozent der Leser am Montag überzeugt, dass man die schwedische Hürde in Solna überwinden werde. »A Bola« warnte die Anhänger weniger vor Superstar Zlatan Ibrahimovic, als vielmehr vor der Kälte.

Die Skandinavier sind sich der Schwere der Aufgabe gegen einen vor Zuversicht strotzenden Gegner bewusst. »Wir müssen zwei Tore mehr schießen als sie, das ist klar«, sagte Rekord-Nationalspieler Anders Svensson. »Wenn sie ein Tor schießen, müssen wir drei machen. Wenn wir ein frühes Gegentor bekommen, kann das bei Publikum und Spielern viel Energie zerstören.«

Aufs Ganze ging Rumänen-Coach Piturca vor dem entscheidenden Playoff-Duell. »Wenn wir uns nicht qualifizieren, vergiss mich für drei Monate. Ich gehe ins Kloster«, sagte der Trainer der Zeitung »Prosport«. Mit einer Fotomontage, auf der er Piturca auf seiner Facebook-Seite mit Mr. Bean verglich, versuchte der nicht berücksichtigte Adrian Mutu seine Teamkollegen für das Spiel der Spiele aufzumuntern.

Trotz der Niederlage in Athen waren alle 50 000 Karten für das Spiel in Bukarest in Windeseile ausverkauft. Griechenlands Trainer Fernando Santos fürchtet nichts so sehr wie ein frühes Gegentor. Das könne das Ganze »in ein Rodeo verwandeln«, betonte er. Das verwundete Ego der Rumänen sei die größte Gefahr für sein Team.

Ohne ihren verletzten Torjäger Kolbeinn Sigthorsson treten die Isländer in Zagreb an. »Es ist sehr enttäuschend, das wichtigste Spiel der isländischen Fußballgeschichte zu verpassen. Aber ich werde es aufgeregt verfolgen und bin mir sicher, dass die Jungs das schaffen«, sagte er dem Rundfunksender RUV. Für Co-Trainer Heimir Hallgrímsson ist der Ausfall »ein schwerer Schlag«. Dennoch wollen die Nordländer mit ihrer Kampfkraft auch in Zagreb dagegenhalten und die erste WM-Teilnahme für den Inselstaat perfekt machen.

Die Insulaner müssen sich auf stürmische Kroaten einstellen. Auf die zuletzt wenigen Tore seiner Mannschaft will Coach Niko Kovac reagieren und in Bayern-Torjäger Mario Mandzukic und Luka Modric zwei Spitzen aufbieten. Daneben soll auch Niko Kranjcar in die Elf. Für die Internetplattform »tportal« steht schon jetzt fest: »Wenn wir Island nicht besiegen, dann haben wir nichts in Brasilien zu suchen.«