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»Wo das Amt zuständig war, haben wir ein Hochwasserproblem«

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Der Tennbodenbach, ein schöner Gebirgsbach, ist für die Ableitung im Fall eines Hochwassers zu gering bemessen. (Archivbild: T. Eder)

Grassau – Die verschiedenen Möglichkeiten des Hochwasserschutzes für das Gebiet des Tennbodenbachs wurden im Grassauer Heftersaal einem großen Publikum vorgestellt. Dabei gab es eine teils heftige Diskussion. Das Wasserwirtschaftsamt musste sich einiges an Kritik gefallen lassen.


Zum Hintergrund: Im August vor zwei Jahren hatte das Landratsamt die vorläufige Sicherung des Überschwemmungsgebiets mit Veränderungssperre am Tennbodenbach verhängt. Wie Bürgermeister Rudi Jantke erklärte, sei der Tennbodenbach in der Verantwortung des Wasserwirtschaftsamts, und laufe nach der Querung der Bundesstraße als Hindlinger Bach in der Zuständigkeit der Gemeinde weiter.

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Veränderungssperre gilt fünf Jahre

Johann Seiwald vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) informierte über die zwei Planungsschritte – zunächst der Hochwasserschutz ausgehend vom Tennbodenbach von der Hochplatte bis Niedernfels und danach von Niedernfels bis nach Kucheln. Vorrangig sei dabei der Schutz des Siedlungsraums bei einem 100-jährigen Hochwasser.

Laut Christian Nebel vom Landratsamt, gelte die Sicherung des Gebiets mit Veränderungssperre fünf Jahre und könne um zwei Jahre verlängert werden, also bis 2023. Anschließend werde es zum amtlichen Überschwemmungsgebiet ausgewiesen. In diesem Gebiet dürften keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden, keine Erhöhungen oder Vertiefungen ins Gelände eingefügt und auch keine baulichen Anlagen erweitert werden, betonte Nebel.

Dämme zum Schutz der Siedlungen

Vier Planvarianten stellte Planer Anton Henle, AlpInfra, vor. Er erklärte, dass ein Freilegen des Tennbodenbachs nicht reiche, um ein größeres Ereignis abzuweisen. Allen vier Varianten gleich ist, dass zunächst ein Geschieberückhaltebecken oberhalb des Hochplattenparkplatzes gebaut, die Bachsohle eingetieft und die Schlossbrücke angehoben werden muss.

Die erste Variante sieht Retentionsräume vor, die mittels niedriger, gut zu bewirtschaftender Dämme den Siedlungen Schutz biete. Ähnlich sei die vierte Variante, wobei hier statt Dämmen Mauern zur Straße geschaffen würden. Die zweite Variante sehe unter anderem einen stärken Grabenausbau und höhere Aufstauung des Wassers vor, das dann mittels einer Drossel abgeleitet wird. Hierfür müsste die Bundesstraße gehoben werden.

In der dritten Variante werde versucht, möglichst viel Wasser über eingedeichtes Gerinne nach Grassau abzuleiten. Diese Möglichkeit sei aber aufwändig. Alle Varianten kosten zwischen 4,2 und 4,6 Millionen Euro. Henle betonte, dass es sich um Vorplanungen handle. Bis 2020 sollte die Entwurfsplanung fertig sein und für 2022 sei dann der Baubeginn geplant.

Befürchtungen in Diskussion geäußert

Der Befürchtung, dass Piesenhausen durch den Grassauer Bach beeinträchtigt werden könnte, widersprach Hans Semmler vom Wasserwirtschaftsamt. Die Daten des Grassauer Bachs würden ebenfalls erfasst und eingearbeitet. Nach der Höhe der möglichen Mauern mit Durchlass im Bereich der Bundesstraße in Grassau fragte Franz Seifert. Laut Seiwald werden die Dämme eine Höhe von 0,50 und 2,50 Metern haben.

Bürgermeister Rudi Jantke meinte, diese Variante mit Mauern sei die am Unwahrscheinlichste, da riesen Bauwerke geschaffen und durch Geländemodellierungen Landwirte betroffen seien. Er betonte zudem, dass die befürchteten Wasserhöhen bei einem HQ100 zwischen zehn und maximal 50 Zentimetern liegen würden. Das Grassauer Gebiet könne gar nicht so massiv überschwemmt werden, da müsse man realistisch bleiben.

Rosi Aberger fragte, wie das Rückhaltebecken aussehe. Laut Planer werden hierfür die Flächen neben dem Hochplattenparkplatz genutzt und ein Auslaufbauwerk mit Rechen geplant. Der Bach müsse nach Osten verlegt, die Schlossstraßenbrücke gehoben und die Sole vertieft werden.

Der Tennbodenbach wurde 1908 vom WWA gebaut, um das Wasser vom Berg abzuleiten, erklärte Josef Sichler. Er kritisierte die mangelnde Pflege des Baches seit dem Bau durch das Amt. Mehrfach habe die Gemeinde, so wusste der ehemalige Marktgemeinderat, das Wasserwirtschaftsamt diesbezüglich angeschrieben. Das Hochwasser 2013 habe der zugewachsene Bach gerade noch geschafft abzuleiten. Das WWA habe nun auch die größten Stauden herausgeschnitten. »Wo das Wasserwirtschaftsamt zuständig war, haben wir plötzlich ein Hochwasserproblem«, so Sichler wörtlich. Der Bach sei viel zu klein, weil dieser nicht ordentlich gepflegt worden sei, bemängelte der Landwirt. Er forderte, den Bach auf seine ursprüngliche Größe auszubauen und dann das Hochwasserrisiko neu zu berechnen. Zudem prophezeite er maximalen Widerstand der Bauern.

Um minimale Beeinträchtigung bemüht

Hans Semmler vom Wasserwirtschaftsamt betonte, dass auch der ursprüngliche Querschnitt des Tennbodenbachs nicht reiche, um ein 100-jähriges Hochwasser auszuhalten. Man bemühe sich um minimale Beeinträchtigungen. Der Anregung von Peter Fitzner, die Entwässerung über den Wald von der Zeppelinhöhe nach unten zu leiten, stehe, so Semmler, die Gefahr von Erosion und Rutschungen gegenüber. Um den Wasserlauf spürbar zu drosseln, brauche man ein großes Retentionsbecken, betonte der Fachmann. Der Parkplatz, wie ebenfalls von Fitzner vorgeschlagen, sei hierfür zu klein. Seit Jahren, so Bürgermeister Andreas Scheck, dränge Marquartstein das Wasserwirtschaftsamt zu Maßnahmen am Tennbodenbach. Er sprach von Verklausungen im oberen Teil. Niedernfels und Piesenhausen seien stark betroffen. Ein Rückhaltebecken und Solevertiefung seien für ihn alternativlos.

Dass das Gebiet »Hinterm Bichl« »absaufen könnte, befürchtet Hans Weißenbacher. Schließlich komme das Wasser auch vom Berg. Semmler erklärte, dass dies berücksichtigt werde. tb