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Wohin mit den beiden Raben »Rajko« und »Láska«?

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Berchtesgaden: Wohin mit den beiden Raben »Rajko« und »Láska«?
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Können sie auch im nächsten Jahr noch gemeinsame Freude haben? Tamara-Jasmin Baldes und ihr Rabenpärchen »Rajko« und »Láska«. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Raben haben. Das kommt selten vor. In deutschen Haushalten finden sich meist Hunde oder Katzen. Aber Raben? Tamara-Jasmin Baldes hält seit Mai 2017 mit »Rajko« und »Láska« ein afrikanisches Schildrabenpärchen und es entwickelte sich seit der Aufzucht eine außergewöhnliche Beziehung. Jetzt aber droht der neue Vermieter mit der fristlosen Kündigung.


Tamara-Jasmin Baldes ist verzweifelt. Sie steht enorm unter Druck. Ihr voriger Vermieter ist letztes Jahr verstorben und fand es eigentlich recht »knackig« mit dem Federvieh. Er hatte überhaupt keine Probleme mit der Tierhaltung. Um die neue und brenzlige Situation noch zu retten, beziehungsweise ihre Tiere behalten zu können, bleibt nicht mehr viel Zeit.

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Bis zum Jahreswechsel drängt der neue Vermieter darauf, dass die beiden Ziervögel aus der Wohnung sind – sonst erhalte Baldes die fristlose Kündigung. Das war ein Schock. Wohin nur mit den geliebten Tieren? Baldes erzählt: »Mitte September hatte ich das Schreiben erhalten. Ich fiel aus allen Wolken. War ratlos. Mehrfach habe ich in Vorgesprächen versucht, meinem Vermieter auf die problemlose Vergangenheit hinzuweisen. Auch habe ich ihm angeboten, die Voliere in den Garten zu stellen. Sämtliche Vorschläge oder Alternativen schlug er leider aus.«

Erworben hatte Baldes das Rabenpärchen von einem Züchter aus Landshut. »Rajko« und »Láska« waren noch zwei Küken. Die Vögel mussten so jung sein, um sich auf sie zu prägen, sie als Mutter anzusehen. Die Prägungsphase gelang, obwohl eine Aufzucht recht aufwendig ist. Es entstand ein tiefes Verhältnis. In einem Zimmer mit einer verbundenen Außenvoliere haben die beiden derzeit reichlich Geäst zum Herumhüpfen.

Baldes ergänzt: »Sie sind wie Kinder, die ich von klein auf groß gezogen habe. Man kann sie nicht einfach zu einem Datum entsorgen, wie einen Einrichtungsgegenstand. Und fliegen lassen kann ich sie ebenfalls nicht. Erstens sind es Ziervögel, zweitens sind sie zu frech und zutraulich, was ihnen zur Gefahr werden könnte. Ich kann sie auch nicht einfach verkaufen.« Fakt ist, schnell eine neue Bleibe zu finden, in der sie die Raben mitnehmen kann.

»Rajko« und »Láska« bräuchten ja auch ein vorgeschriebenes Gehege von mindestens 25 Quadratmetern. Alternativ sucht Baldes nun nach einem Volieren-Standplatz. Diesen möglichst nur als Übergangsphase – oder eine provisorische Unterbringung bei jemanden, der einen Platz für die zwei Kerle hat, sodass sie in Ruhe den geeigneten Platz für eine möglichst günstige Wohnung bei einem tierlieben Vermieter findet.

»Ich will keinen Streit mit meinem derzeitigen Vermieter haben und gehe freiwillig. Auch stelle ich an die neue Wohnung keine besonders hohen Ansprüche. Wichtig ist lediglich ein eigener Internetanschluss«, sagt Baldes bescheiden. Tamara-Jasmin Baldes ist auch Inhaber des »Computer Stadls« an der Königsseer Straße. Dort ist sie für Hilfe ansprechbar.

Jeden Abend freut sie sich, wenn sie wieder in ihre Wohnung kommt. Und »Rajko« und »Láska« freuen sich ebenfalls. Noch.

Jörg Tessnow

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