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Wolf: »Scheiße gelaufen, aber fantastischer Verein«

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Hannes Wolf
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Trainer Hannes Wolf wird den HSV zum Saisonende verlassen. Foto: Friso Gentsch Foto: dpa

Der HSV wechselt mal wieder den Trainer. Nach dem Aus für Christian Titz verliert wegen der verpassten Rückkehr in die Fußball-Bundesliga auch dessen Nachfolger Hannes Wolf seinen Job. Die Rückrunde war einfach viel zu schlecht, um am Coach festhalten zu können.


Hamburg (dpa) - Das Rumeiern beim Hamburger SV hat ein Ende. Nach wochenlangen Treueschwüren und der peinlichen »Vielleicht«-Trennnung haben die Verantwortlichen des Fußball-Zweitligisten beim Nicht-Aufsteiger die Flucht nach vorne angetreten und das Trainer-Ende von Hannes Wolf beim HSV verkündet.

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»Wir haben entschieden, dass wir uns zum Saisonende trennen«, sagte Sportvorstand Ralf Becker. Der Coach saß neben ihm und nickte. »Ist scheiße gelaufen, aber es ist ein fantastischer Verein«, meinte Wolf und sprach von »heftigen letzten Wochen«.

Der Trainer-Verschleiß-Verein HSV sucht damit im 19. Jahr dieses Jahrtausends bereits seinen 19. Chefcoach. Als Favoriten gelten der Noch-Gladbacher Dieter Hecking sowie die Ex-Kölner Peter Stöger und Markus Anfang. Letzteren kennt Becker aus gemeinsamen Erfolgszeiten bei Holstein Kiel. Über den neuen Trainer »reden wird ab Montag«, meinte Becker aus Rücksicht auf seinen Tischnachbarn Wolf.

Ein Jahr nach dem erstmaligen Abstieg in die 2. Liga wird Wolf damit zum Hauptschuldigen für das verpasste Saisonziel der direkten Rückkehr ins Oberhaus gemacht. Becker wollte dies zwar so nicht formulieren (»Ich bin 100-prozentig überzeugt, dass Hannes Wolf ein sehr guter Trainer ist«) und beschrieb sich selbst als »Teil der Mannschaft«, betonte aber auch: »Mein Eingreifen ist relativ begrenzt.«

Wolf hatte den HSV über die gesamte Saison nicht als sicheren Aufstiegskandidaten gesehen. Die Mannschaft war in der Hinrunde am Limit, das sie danach nie mehr erreicht habe, meinte der Coach. »Das Limit ist ein 1:0 und 2:1-Sieg.« Soll heißen: Mehr war für den offensiv schwachen HSV nicht drin. Als in der Rückrunde der Defensive mehrfach Fehler unterliefen, war es mit der Herrlichkeit der Minimalisten von der Elbe endgültig vorbei.

Deutlich wurde eine grundsätzlich andere Beurteilung der Situation durch Trainer und Vorstand. Wolf wäre gern geblieben und hätte mit einer stark veränderten Mannschaft einen neuen Anlauf unternommen. Aber er hätte nicht den Bundesliga-Aufstieg als Sofortziel verkündet, sondern zunächst die Stabilisierung der Mannschaft. »Wenig Geld, aber neue Mannschaft - und damit aufsteigen«, gab er zu bedenken und merkte resignierend an: »So tickt der HSV.«

Becker nannte als unumstößliche Zielsetzung für die neue Saison den Aufstieg. »Ich kann nicht sagen, wir wollen nächstes Jahr Fünfter werden«, meinte er. So etwas könne man in Hamburg schlecht verkaufen. Er und Vorstandschef Bernd Hoffmann wollen einen Draufgänger-Coach, der ebenfalls keinen Zweifel am sofortigen Durchmarsch ins Oberhaus lässt. Angeblichen Dissonanzen mit Hoffmann widersprach Becker: »Bernd und ich haben ein sehr, sehr gutes und offenes Verhältnis.«

Der HSV musste nach dem katastrophalen Saisonverlauf reagieren. Nach der grottenschlechten Rückrunde mit der Bilanz eines Absteigers (16 Punkte aus 16 Spielen, zuletzt acht sieglose Spiele) wäre ein »weiter so« dem Umfeld und den leidgeprüften Fans kaum zu vermitteln gewesen.

»Ich bin aus dem Alter raus, dass ich Leistungen meiner Spieler persönlich nehme«, meinte Wolf und gestand: »Es ist auf jeden Fall eine Niederlage.« Eine Delle in seiner jungen Trainerkarriere befürchtet er aber nicht. Den Abschied am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) im unbedeutenden Heimspiel gegen Absteiger MSV Duisburg will er mit Würde nehmen. »Das ist eine Herausforderung«, betonte der Coach.

Becker hatte Wolf Ende Oktober als Nachfolger für Christian Titz geholt und mit einem Vertrag bis zum 30. Juni 2020 ausgestattet. Titz war nach nur zehn Spieltagen von den Club-Oberen nicht mehr zugetraut worden, die Rückkehr in die 1. Liga zu schaffen. Dabei hatte die Mannschaft unter Titz noch im Schnitt 1,80 Punkte geholt. Wolfs Schnitt lag nach 23 Spielen mit 1,52 Punkten weit darunter. In der Rückrunde sogar nur bei 1,00 Zählern.

Auch für Hoffmann und Becker ist die Trennung eine Niederlage. Beide wollten für ein Ende der Trainerentlassungsserie sorgen. Sie machten aber den Fehler, Wolf unnötig früh einen Persilschein auszustellen. Bereits bei der Mitgliederversammlung im Januar gab Becker dem Coach eine Jobgarantie. »Hannes Wolf ist in zwölf Monaten noch der Trainer des HSV.« Hoffmann folgte im April: »Wir werden im Oktober in der 1. oder 2. Liga eine Krise haben. Und anders als sonst werden wir den Trainer dann nicht wechseln.« Auch Chefs können irren!

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