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Wolfgang Ambros berührt sein Publikum

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Wolfgang Ambros schenkte seinen Fans in Traunstein nicht nur seine Lieder, sondern vor allem sich selbst. (Foto: Heigl)

Etwas sehr hüftsteif betrat Wolfgang Ambros die Bühne des Traunsteiner Kulturhauses Chiemgau und begann gemeinsam mit den beiden Musikerkollegen Roland Vogl (Slide-Gitarre und Bass) und Günter Dzikowski (Keyboard) ein Konzert, das die Zuhörer gewiss nicht unberührt ließ. Gleich das erste Lied handelte davon, dass er sich gerne die Kugel geben würde. Das Keyboard-Klavier dröhnte schauerlich laut dazu, es schrillte einem geradezu in den Ohren und war dem Thema angemessene Begleitung.


Die Wehmut und die morbid angefärbte Wiener Melancholie in seinen Texten, durchwoben mit der trotz allem nicht unterzukriegenden Lust am Leben, begeisterte seine Fans wie eh und je. Vom Alkohol gleichzeitig beflügelt und gleichermaßen zerstört, schenkte Wolfgang Ambros seinen Fans an diesem Abend nicht nur seine unvergänglichen Lieder, sondern vor allem sich selbst – auch wenn er schon seit Längerem daran arbeitet, sich mithilfe des Alkohols zu zerstören und er wirklich auch sehr »unterirdische« Momente während des Konzerts hatte, liebt ihn das Publikum, und das ist dass Entscheidende. Und Ambros liebt sein Publikum mit der Kraft, die er noch hat, heftig zurück.

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Den Zuhörern geht das Herz auf

Da ging den Zuhörern einfach das Herz auf, als er mit immer noch erstaunlich guter Stimme »Du bist wia die Wintersunn« sang. Und weil er und seine Band eine herzerfrischenden Lust am Jammen hatten und sie immer wieder das musikalische Thema neu aufrollten, waren all die Hits in einer »XXXL-Version« zu hören. Das war fein, denn seine Fans bekommen von seinen alten Liedern einfach nie genug.

Zwischendurch nahm Wolfgang Ambros einen Schluck Wein (»sonst halt' ich das nicht aus«), erzählte von der Einsamkeit, die ihn auf seinen Konzertreisen quält, mischte der Ernsthaftigkeit seiner Anklage an das Leben ein wenig Wiener Schmäh bei und war einfach berührend authentisch.

»Kumm her zu mir«, ein Lied, das er in der Einsamkeit in einem Hotelzimmer in Ludwigshafen schrieb, das mit an Pink Floyd erinnernden psychedelischen Slide-Gitarren-Loops und mit bombastischen Klavierphrasen begann, und andere, tieftraurige Lieder zeigten das ehrliche, schonungslose Psychogramm des hochsensiblen und hochbegabten, jetzt zur tragischen Figur gewordenen Künstlers. Viele seiner Lieder, die Wolfgang Ambros an diesem Abend spielte, sind hochdramatisch und pathetisch instrumentiert und verfehlten die Wirkung auf das Publikum nicht, auch wenn es mitunter quälend war, seiner Selbstdemontage zuzusehen und zuzuhören. Aber manchmal muss es einfach wehtun, denn der Schmerz gehört zum Leben.

Das Publikum singt die Hits inbrünstig mit

Nach der Pause spielte Wolfgang Ambros einige seiner Hits und möbelte die Stimmung damit entscheidend auf. Als er, nach dem offiziellen Teil, zur heftig erklatschten Zugabe die Bühne wieder betrat und die befreiend wirkenden alten Ambros-Lieder wie »Zwickts mi, i glab i dram«, »Der Hofer wars«, »A Mensch möcht i bleibn«, »Die Blume aus dem Gemeindebau« und »Schifoan« anstimmte, bei denen das Publikum textsicher und inbrünstig mitsang, während Wolfgang Ambros schwieg und das Publikum auf der Gitarre begleitete, war er fast wieder der Alte.

Wolfgang Ambros vermittelte durchaus den Eindruck, dass er seine in die Musikgeschichte nachhaltig eingegangenen Lieder noch gerne spielt. Auch wenn ihm das Publikum, das inzwischen andächtig und stehend zuhörte, gerne noch eine zweite Zugabe entlockt hätte, waren sich doch alle einig, dem Künstler seine wohlverdiente Ruhe zu gönnen, und man ließ den Applaus nach dem fast zweistündigen Konzert rücksichtsvoll sanft verklingen. Barbara Heigl