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Wolfsburg verpasst DEL-Sensation in Mannheim

Berlin (dpa) - Als Verteidiger Florian Kettemer mit seinem Distanzschuss die Entscheidung in der Zusatzzeit erzwungen hatte, fiel die gewaltige Anspannung von den Eishockey-Profis der Adler Mannheim ab.

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Sie können es doch noch! Frank Mauer feiert den Mannheimer Sieg. Foto: Uwe Anspach Foto: dpa

«Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Und wir wollten unbedingt gewinnen», meinte der Schütze des goldenen Tores zum 3:2-Erfolg des Vorrunden-Siegers. Zuvor hatten die Grizzly Adams Wolfsburg auch vor 12 000 Zuschauern in Mannheim großartig aufgespielt und sahen sich nach Toren von Tyler Haskins (6.) und Aaron Brocklehurst (16.) bereits vor dem entscheidenden vierten Sieg der Serie «Best of Seven».

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Noch nie in der DEL-Historie hat ein Tabellenzehnter das beste Team der Hauptrunde ausschalten können. Doch mit unbändigem Kampfgeist wehrten sich die Adler und glichen durch Kenneth Magowan (44.) und Frank Mauer (46.) innerhalb von 118 Sekunden aus.

«Das war wohl der Ketchup-Flaschen-Effekt», vermutete Adler-Manager Teal Fowler, nachdem Florian Kettemer für sein wichtiges 3:2 von den Mitspielern fast erdrückt worden wäre. Das Tor habe ein Blockade gelöst, meinte Fowler. Auch der Schütze ist zuversichtlich, dass nun am Samstag in Wolfsburg der Ausgleich in der Serie zum 3:3 gelingt. «Jetzt spricht alles für Mannheim», meinte er. Und Kapitän Marcus Kink fügte an: «Wir wollen jetzt den Schwung nach Wolfsburg mitnehmen».

Dass den Mannheimern bei 31 Überzahl-Situationen in fünf Spielen gegen die Niedersachsen erst ein Tor gelang, steckte Trainer Harold Kreis mit der ihm eigenen Ironie weg: «Playoff-Zeit ist auch Leidenszeit. Wir fanden heute einen anderen Weg.»

Erwartungsgemäß qualifizierten sich die Kölner Haie als erstes Team für das Halbfinale. Sie bezwangen die Straubing Tigers durch das Tor von Philip Gogulla in der Verlängerung mit 2:1. Gogulla scheint der Spezialist für die ganz wichtigen Tore zu sein: Bereis 2008 hatte er gegen Mannheim das 5:4-Siegtor in der sechsten Verlängerung und nach insgesamt 168:16 Minuten im längsten Spiel der deutschen Eishockey-Geschichte erzielt. Auch vor zwei Jahren gegen München hatte er in der Overtime getroffen. «Egal, wer die Tore schießt, Hauptsache wir gewinnen. Das war der erste Step in Richtung Titel», meinte der Matchwinner, der für den 4:1-Endstand in der Serie gesorgt hatte.

Aufgeschoben ist der Einzug in die Runde der letzten Vier für die Krefeld Pinguine. Nach dem 1:2 im überhart geführten Duell gegen Ingolstadt steht es in der Serie nun 3:2 für die Rheinländer. Vor der sechsten Partie gehen den Krefeldern aber langsam die Spieler aus, nachdem auch Mark Voakes wegen eines tiefen Schnitts am Unterschenkel ausfällt. «Ingolstadt ist ein sehr hartes Team», konstatierte Krefeld-Coach Rick Adduono.

Heftige verbale Duelle lieferten sich die Trainer auch nach der Partie in Berlin, die Jens Baxmann für die Eisbären gegen Hamburg eine Sekunde vor Schluss entschieden hatte. Nach dem 3:2-Sieg holte Freezers-Trainer Benoit Laporte zum Schlagabtausch aus. «Was die Eisbären machen, hat weniger mit Sport, sondern vielmehr mit Kino zu tun», meinte der Franco-Kanadier und schoss sich auf André Rankel ein. «Er ist ein guter Spieler, aber auch ein Diver, ein Schwalbenkönig. Wir sind Eishockeyspieler und keine Fußballer», schimpfte Laporte, der dem Rivalen vorwarf, so zahlreiche Strafzeiten herausgeholt zu haben.