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»Wollen nicht Trainingsweltmeister werden«

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Christoph Dinkelbach, der Vize-Kapitän des SV Kirchanschöring, äußerte sich im Interview zur derzeitigen Situation. Er zeigte sich überzeugt davon, dass die Corona-Krise dem Amateursport nicht dauerhaft schaden wird. Aktuell hält er sich daheim fit.

Christoph Dinkelbach vom SV Kirchanschöring hofft darauf, dass es bald wieder mit dem Spielbetrieb weitergehen kann


Auch die Amateurfußballer wissen aktuell nicht, wann sie wieder starten dürfen. Das Bayernliga-Team des SV Kirchanschöring hält sich mit Videotrainings fit. Christoph Dinkelbach spricht im Interview, wie er die Corona-Krise erlebt, welche Auswirkungen er befürchtet und was er sich für den erneuten Re-Start wünscht.

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Herr Dinkelbach, wie geht es Ihnen? Wie verbringen Sie diese Phase und was vermissen Sie gerade?

Danke der Nachfrage: Mir geht es gut! Aktuell verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie und versuche, das Beste aus dieser außergewöhnlichen Zeit zu machen. Unsere Athletiktrainer (Harry Singhartinger und Andi Sitzl/Anm. der Redaktion) haben bis kurz vor Weihnachten mehrmals pro Woche Cybertrainings angeboten. So konnten wir uns auch in dieser Zeit sehen und austauschen, was viel Spaß gemacht hat. Bezogen auf den Sport vermisse ich natürlich das Spiel an sich, aber auch die Zeit mit den Jungs in der Kabine. Da geht’s schon oft lustig her!

Sie haben im Nachwuchsleistungszentrum des TSV 1860 München gespielt, waren danach unter dem heutigen U-21-Coach der »Löwen«, Frank Schmöller, Kapitän beim SV Pullach. Was glauben Sie, welche Auswirkungen haben diese Pandemie-bedingten Lockdowns auf die Fußball-Jugend? Stichwort: Playstation anstatt Sportplatz?

Wenn ich an meine Kindheit oder Jugend zurückdenke, wäre eine so lange Zeit ohne Fußball kaum vorstellbar gewesen. Gemeinsam mit meinen Freunden habe ich damals ja fast die gesamte Freizeit am Sportplatz verbracht. Ich glaube aber nicht, dass sich durch Corona das Interesse von Kindern oder Jugendlichen am Fußball groß verändern wird. Dafür merkt man gerade viel zu sehr, wie wichtig dieses mannschaftliche Miteinander ist. Dieses Gefühl ist niemals durch die Playstation zu ersetzen. Solange es Vereine und damit Jugendmannschaften mit guten Trainern gibt, wird es auch genug Kinder und Jugendliche geben, die im Verein Fußball spielen wollen.

Der Lockdown im März, die lange Vorbereitung im Sommer, der Pflichtspiel-Auftakt im Herbst, dann der erneute Lockdown: Verliert man als Fußballer da nicht langsam die Lust an allem?

Als Sportler ist das sicher nicht optimal, aber es ging nun mal nicht anders und die Gesundheit hat Priorität. Wir haben im Endeffekt sehr viel trainiert und nur wenige Spiele absolvieren können. Am Ende spielen wir Fußball, um Spiele zu gewinnen und nicht um Trainingsweltmeister zu werden. Es war aber mindestens genauso nervig, ständig dieser Ungewissheit zu begegnen, ob am Wochenende überhaupt gespielt werden kann. Von daher war die erneute Einstellung des Trainings-und Spielbetriebs die einzig logische Konsequenz. Um auf die Frage zurückzukommen, die Lust am Fußball habe ich trotzdem nicht verloren. Ich werde es dafür umso mehr schätzen, wenn wir endlich wieder auf dem Platz stehen dürfen.

Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass sich einige Spieler, Zuschauer, Sponsoren und ehrenamtliche Helfer an ein Leben ohne Fußball gewöhnen könnten? Ist der Amateursport in Deutschland nach der Corona-Krise am Ende?

Da kann ich erstmal nur für mich sprechen. Natürlich ist mit zunehmendem Alter oder je länger man sich auf einem gewissen Niveau bewegt, auch mal ein freies Wochenende ganz schön! Die Trainingseinheiten und die Spiele nehmen schon sehr viel Zeit in Anspruch. Aber nach einer gewissen Zeit fehlt einem das alles doch ziemlich. Natürlich spielt auch das Thema Sponsoring in der Bayernliga eine entscheidende Rolle. Ein Urteil, ob und in welchem Umfang Sponsoren nach Corona weiterhin am Ball bleiben, möchte ich mir jedoch nicht erlauben. Dafür haben wir in Anschöring viele fähige Leute, die den Verein mit Sicherheit auf gesunde Füße stellen werden. Ich bin optimistisch, dass der Amateursport diese schwierige Situation gut überstehen wird.

Einmal hat es ja schon ganz gut funktioniert...

Ja! Da kann man auch nochmals einen großen Dank an alle ehrenamtlichen Helfer aussprechen. Ich habe bei uns in Kirchanschöring mitbekommen, welcher enorme Aufwand zu bewältigen war, um die Hygienevorschriften bei den Spielen umzusetzen. Beispielsweise wurde mit dem Meterstab der ganze Sportplatz abgemessen, um die erlaubten Plätze zu markieren. Hut ab vor diesem Engagement!

Wie geht es beim SVK weiter? An einen Trainingsauftakt im Januar wie in den letzten Jahren ist derzeit wohl kaum zu denken...

Wir haben schon ein paar Einheiten online absolviert und werden das auch im neuen Jahr so beibehalten – vorerst auf freiwilliger Basis. Der Trainingsstart ist für Ende Januar geplant. In welcher Form dieser dann möglich sein wird, wird man sehen. Wir wollen auf alle Fälle bereit sein, wenn es früher oder später wieder um Punkte geht. Bis dahin sehe ich aber auch uns Spieler in der Pflicht, einigermaßen fit zu bleiben. Da mache ich mir in unserem Team aber keine Sorgen.

Mit etwas Glück kann die Saison 19/21 doch noch beendet werden. Der SVK gewann zwei Spiele im Jahr 2020, wo sehen Sie die Gelb-Schwarzen am Saisonende?

Zwei Siege, eine Niederlage: Das liest sich doch ganz passabel. Wir waren top vorbereitet. Sowohl im März nach der Winterpause als auch im September beim Re-Start. Von daher tut die Pause weh. Die Niederlage in Augsburg (1:4/die Red.) war verdient, aber vermeidbar. Da haben wir vernachlässigt, was uns auszeichnet: mannschaftliche Geschlossenheit und individuelle Klasse. Aber das kriegen wir wieder hin und dann hat es jede Mannschaft schwer gegen uns. Wichtig wird sein, wieder gut aus den Startlöchern zu kommen, um erst gar keine Zweifel aufkommen zu lassen. Dann sehen wir uns auch in der nächsten Saison wieder in der Bayernliga. mw

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