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Wonderwoman, Schampus, Tränen: Mancuso beendet Karriere

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Julia Mancuso wird TV-Expertin. Foto: Alessandro Della Valle Foto: dpa

Sie ist die erfolgreichste US-Skirennfahrerin bei Olympia oder WM - nach 399 Weltcups hat Julia Mancuso nun ihre Laufbahn beendet. In Cortina sorgte die extrovertierte Sportlerin neben Siegerin Goggia noch einmal für eine Show. Aber auch der DSV konnte happy sein.


Cortina d'Ampezzo (dpa) - Am Ende ihrer aktiven Ski-Karriere hatte Julia Mancuso noch einmal richtig viel Spaß.

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Im Wonderwoman-Kostüm samt rotem Cape sauste die Amerikanerin die Abfahrt von Cortina d'Ampezzo hinab, ließ sich im Ziel mit Schampus bespritzen, von ihrer jahrelangen Teamkollegin Lindsey Vonn auf Schultern tragen und von der neuen Weltcup-Dominatorin Mikaela Shiffrin mit dem Handy filmen.

Der Heimsieg von Sofia Goggia vor Vonn und Shiffrin geriet ebenso kurz in den Hintergrund wie der starke neunte Platz von DSV-Starterin Kira Weidle - beendete doch eine der aufregendsten Rennfahrerinnen des vergangenen Jahrzehnts ihre Laufbahn. Vonn kamen deshalb die Tränen. «Ich werde dich vermissen», sagte sie im ORF.

Mit dem 399. Rennen im alpinen Weltcup sagte Mancuso «bye bye». Am Start küsste sie die Startnummer und warf sie hinter sich, bevor sie sich ein letztes Mal aus dem Starthaus stürzte und ihre Lieblingsstrecke hinabfuhr. Die Riesenslalom-Olympiasiegerin von 2006 muss den Kampf um ihre fünften Olympischen Winterspiele nach jahrelangen Hüftproblemen aufgeben, wird in Pyeongchang aber als TV-Expertin dennoch anwesend sein.

«Es ist wirklich schade, dass ich wegen meiner Hüftverletzung nicht mehr fahren kann», sagte die 33-Jährige nach ihrem Show-Lauf auf der Tofana-Piste, wo sie 2006 ihren ersten von 36 Podestplätzen einfuhr. «Skifahren wird immer in meinem Herzen sein», ergänzte die extrovertierte Sportlerin mit einer kleinen Tiara auf der Mütze.

Mancuso hat etwas erreicht, was Vonn verwehrt blieb und von dem auch Shiffrin entfernt ist. Keine Amerikanerin hat bei Ski-Großereignissen so viele Medaillen gewonnen wie sie. Sie holte Olympia-Gold 2006 und noch zweimal Silber bei den Spielen 2010 in Abfahrt und Kombination sowie Bronze in der Kombination 2014. Dazu kommen fünf WM-Medaillen.

In all den Jahren war Mancuso immer so etwas wie der Konterpart von Vonn. Während jene mit eisernen Verbissenheit um den Siegrekord von Ingemar Stenmark kämpfte und noch immer kämpft, ließ es Mancuso gelassener angehen, regelmäßiges Surfen auf Maui inklusive.

Die chronischen Probleme mit ihrer Hüfte plagten Mancuso seit dem 18. Lebensjahr. Im Sommer 2015 wurde sie operiert, erholte sich von dem Eingriff aber nicht mehr richtig. «Vor einem Monat habe ich nach jedem zweiten Training noch geheult und mich gefragt, warum ich das mache. Aber es ist wichtig im Leben, dass man durchhält», sagte sie bei ihrem Comeback im Dezember.

Vom Aufhören ist auch Vonn noch entfernt, sie will so lange fahren, bis sie den Stenmark-Rekord von 86 Weltcup-Siegen geknackt hat. Am Freitag war für die Amerikanerin alles angerichtet für Erfolg Nummer 79, aber sie patzte und stürzte bei einem kleinen Lapsus fast. «Leider habe ich einen Fehler gemacht», sagte sie. «Gott sei Dank bin ich nicht ins Netz geflogen.» Am Samstag (10.00 Uhr) hat sie in der zweiten Abfahrt von Cortina die nächste Siegchance. «Ich bin happy mit der Form und weiß, dass ich besser fahren kann», sagte sie.

Auf die zweite Schussfahrt kann sich auch Kira Weidle freuen, die mit Platz neun das zweite Top-Ten-Resultat ihrer Karriere einfuhr und drei Wochen vor Olympia weiter in Fahrt kommt. «Ich kann sehr zufrieden sein», sagte sie in der ARD.