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Wortgefechte um die Liebe

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Durch das Minenfeld an Vorwürfen seiner Frau Joana (Alexandra Holzner) kämpft sich Valentin (Lukas Herschke, rechts) in der Therapie bei Paarberater Harald (Kurt Lohwasser). (Foto: Wannisch)

Der Schauplatz der turbulenten Beziehungskomödie »Die Wunderübung«: ein typischer Therapeutenraum, abstrakte Kunst an der Wand, die Topfpflanze in der Ecke, zwei Sessel für das zu therapierende Paar, der Drehstuhl vor dem wuchtigen Schreibtisch des Paarberaters und nicht zu vergessen, der gelbe Anti-Stressball, wenn das Aggressionslevel während der Sitzung mal wieder steigt.


Schon nach kurzer Zeit weiß jeder Zuschauer, wo er sich im Beziehungschaos von Joana (Alexandra Holzner) und Valentin (Lukas Herschke) wiederfindet. Das Paar ist nach sieben Ehejahren und zwei Kindern »nicht in der besten Phase«, wie Valentin zu Beginn der ersten Sitzung bei Therapeut Harald (Kurt Lohwasser) unumwunden zugibt. Joana und Valentin sind in Daniel Glattauers Beziehungskomödie »Die Wunderübung« ein stereotypes Paar par excellence: gefrustet und voneinander und den eingefahrenen Konflikten genervt, kommuniziert wird nur noch über gegenseitige Vorwürfe, die Liebe ist irgendwo zwischen Haushalt und Pflichten auf der Strecke geblieben.

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Auch wenn es Glattauers Figuren keineswegs an klischeehaften Attitüden mangelt, macht es dies dem Zuschauer einfach, sich im Ehepaar Dorek wiederzufinden. Genau das reizte Salztheater-Regisseur Gerhard Brusche, die Komödie zu inszenieren: »Jeder, der schon mal in einer Beziehung war, kennt diese Situationen und kann die Schadenfreude mitempfinden.«

Bei seiner aktuellen Produktion gewährt das Salztheater Traunstein seinem Publikum einen schonungslos überspitzten, aber nicht weniger von ehrlichem Witz geprägten Blick in den Spiegel. Die Ausgewogenheit aus bitterbösen Wortgefechten und komödiantischem Slapstick macht beim Zuschauen viel Spaß. Die Schauspieler laufen dabei über die 90 Spielminuten hinweg zur Hochform auf. Denn das Stück lebt neben den rasanten Dialogen voller Witz und Esprit, von Kurt Lohwasser als Therapeut sowie Alexandra Holzner und Lukas Herschke als Ehepaar Dorek, die kongenial mit Spielfreude und großartiger Bühnenpräsenz ihre Beziehung sezieren. Das Tempo des Stücks lässt wenig Zeit zum Grübeln, dafür um so mehr zum Schmunzeln und Lachen. Besonders wenn Kurt Lohwasser als Therapeut Harald die Doreks im Eifer des Gefechts ganz trocken mit der Frage: »Warum trennen Sie sich eigentlich nicht?« zurück aufs Parkett der Paarberatung holt.

Die spielerische Leistung des Trios überzeugt. Hervorzuheben ist dabei Holzners mimisches Spiel. Manchmal reichen eben schon eine hochgezogene Augenbraue oder die zur Schnute gekräuselten Lippen, um Glattauers verbalem Waffenarsenal eine zusätzliche Schärfe zu verleihen. Lukas Herschke als Valentin, der die Rolle des resignierten Ehemanns routiniert verkörpert, setzt in seinem Spiel dem spießigen Look mit Honecker-Brille und Rollkragenpullover gekonnt die Aggressivität des genervten Ehemanns entgegen. Ganz bildlich gesprochen zwischen den Stühlen steht Therapeut Harald. Salztheater-Urgestein Kurt Lohwasser gelingt es, den erfahrenen Therapeuten facettenreich und mit allen Wassern gewaschen zu interpretieren. Das verzeiht auch das grellorange, eher atypische Therapeuten-Hawaiihemd.

Ob die Erfahrungen von Therapeut Harald schließlich reichen, um das Ehepaar Dorek wieder zusammen zu bringen? Davon können sich die Zuschauer noch am morgigen Samstag sowie am 3,/5./6. und 20./21. Januar, jeweils um 20 Uhr, in der Theater-Strickerei Grabenstätt, Chiemsee Straße 24, überzeugen. Karten gibt es unter der Telefonnummer 0177/32 16 06 4, auf der Internetseite der Theater-Strickerei sowie ab 19 Uhr an der Abendkasse. Zudem wird das Stück als Theaterdinner am 10. und 17. März beim Hafenwirt in Seebruck gespielt. Verena Wannisch