weather-image
24°
Kardinal Reinhard Marx hält zum 500. Jubiläum des Salzbergwerks Berchtesgaden Dankmesse am Schlossplatz – Festzug mit 2 500 Teilnehmern

Würde der Arbeit und des Menschen im Fokus

Berchtesgaden – Große Freude, ein weißblauer Himmel und 2 500 gut gelaunte Festzugsteilnehmer, aber auch die gesellschaftskritischen Worte von Kardinal Reinhard Marx über die Würde der Arbeit und des Menschen prägten diesen Pfingstmontag in Berchtesgaden. Es kamen etwa 6 000 Zuschauer zu dem Festzug nach Berchtesgaden.

Die Dürrnberger Zwerge ließen die Massen schmunzeln.
Die Berchtesgadener Bergknappen feierten ihr 500. Jubiläum mit viel Musik.
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer kam zum Festakt ins Kongresshaus (wir berichten gesondert). (Foto: Pfeiffer)
Es war ein besonderer Moment, als die Musikanten die Bayernhymne erklingen ließen.
Die Holzfigur auf der Schulter erinnert an die Bruderlade.
Gespannt verfolgten die Zuschauer den Festzug, bei dem 2 500 Teilnehmer mitmarschierten. (Fotos: Mergenthal)
Staatsminister MdL Marcel Huber und Kardinal Reinhard Marx fuhren mit der Kutsche beim großen Festzug mit.
Ein Modell des Ferdinand-Stollens, gezogen von zwei stattlichen Rössern.

Das Salzbergwerk Berchtesgaden begann seine 500-Jahr-Feier am Schlossplatz mit besonderen Gästen, wie Prinz Leopold von Bayern und Staatsminister Dr. Marcel Huber mit Gattin. Unter den Ehrengästen waren unter anderem auch Landrat Georg Grabner, Bundestagsabgeordneter Dr. Peter Ramsauer, Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber, Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Rennrodel-Legende Georg Hackl.

Anzeige

Der Kirchenzug führte vom Salzbergwerk durch das Nonntal zum Schlossplatz. Mit dem Berchtesgadener Pfarrer Monsignore Dr. Thomas Frauenlob und weiteren Priestern sowie Ministranten, die zum Teil auch Bergknappen-Uniform und Dirndl trugen, feierte Marx am Freialtar vor dem Stiftskirchen-Portal ein Lob- und Dankamt. »Eingeläutet« wurde sie von Böllerschüssen, den Stiftsglocken und Trommelwirbeln.

Michael Koller, Verwaltungsleiter des Stiftslandes Berchtesgaden, stellte die acht Musikkapellen vor, die den Gottesdienst mitgestalteten: Aus Berchtesgaden die Knappenkapelle, aus Bischofswiesen, Bad Dürrnberg, Maria Alm, Königssee, Ramsau, Maria Gern und Marktschellenberg. Thomas Frauenlob deutete den Gottesdienst auch als Zeichen des Dankes dafür, dass das Salz viele Menschen in Lohn und Brot gebracht habe und sie ihm bescheidenen Wohlstand verdanken, und dafür, bei dieser risikoreichen Arbeit von Unfall verschont geblieben zu sein.

»Ich bin immer gern in Berchtesgaden, auch in meiner Urlaubszeit«, gestand Marx. Der Kardinal erklärte, dass die Christen an Pfingsten, 50 Tage nach Ostern, die »schöpferische Kraft Gottes« im heiligen Geist feiern und dass 50 Tage nicht reichen, um Ostern zu verstehen. Es handle sich um eine »Veränderung der Ausrichtung der gesamten Geschichte und der Schöpfung«, indem wir »durch das Kreuz hindurch in die Arme des Vaters gezogen« würden. Auch in den großen Bewegungen der Menschheitsgeschichte, die die Würde des Menschen und die Befreiung von Unterdrückung und Ausbeutung zum Ziel hatten, lasse sich die österliche Kraft entdecken. In der modernen Arbeitswelt, die die Technik in den Mittelpunkt stellt und sich von der Natur und deren Schöpfer entfernt habe, gelte es, »sich immer wieder zu erinnern, woher wir kommen«, so Marx. Er rief auch die vielen Toten im Bergbau und den Kampf der Bergleute um Würde, Arbeitssicherheit und Selbstbestimmung in Erinnerung. Das weiße Gold habe zur Zeit der Fürstpröpste auch öfter Gier hervorgerufen. Das Fest deutete Marx als Auftrag, im Sinne der katholischen Soziallehre für eine Gesellschaft und Arbeitswelt zu sorgen, in der jeder eine Chance hat. Der Erzbischof segnete drei Fahnenbänder, die dann an die Bergwerks-Fahne geheftet wurden. Gestiftet hatten sie die Salzbruderschaft Saline Bad Reichenhall als Pate, Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp und die Knappschaftsbruderlade, eine Selbsthilfe-Organisation, der die Kollekte zugutekam und die ihr 400-Jähriges feiert.

Moderator Markus Othmer rief nach der Messe Wolfgang Rüther, Vorstand der Südwestdeutschen Salzwerke AG, zu der das Salzbergwerk gehört, Vorstands-Sprecher Ulrich Flick, Dr. Marcel Huber und Prinz Leopold von Bayern auf die Bühne. Der Wittelsbacher, der als Besitzer des Schlossplatzes quasi Hausherr ist, gratulierte zu den technischen Spitzenleistungen, auch bei der Inbetriebnahme der ersten Soleleitung von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall vor 200 Jahren. Der Prinz erinnerte an die Arbeit der Bergleute, die die 500-Jahr-Feier erst möglich macht.

Gemeinsam stimmten alle Musikkapellen die Bayernhymne an. Zum Jubelfest begleiteten erstmals 16 Mitarbeiterinnen des Bergwerks in neuer, schicker Uniform den Festzug. Bisher war dieser Männern vorbehalten. Zahlreiche Kapellen, viele Knappen- und Bergwerksvereine aus Deutschland und Österreich, die Berchtesgadener Zünfte und Vereine aus dem Talkessel gestalteten einen bunten Festzug, der über Marktplatz und Triembacheck bis hin zum Franziskanerplatz führte. Auf Festkutschen wurden ein Stollen-Nachbau des Ferdinandbergs, ein Deichelbohrer, das Berchtesgadener Natursalz und das Bad Reichenhaller Salz durch den Markt gefahren. Über den anschließenden Festakt im Kongresshaus berichten wir gesondert. Mehr Bilder gibt es online unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. Veronika Mergenthal