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Würdevoller Abschied von der politischen Bühne

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Sag zum Abschied leise »Servus« (v.l.): Bürgermeister Thomas Weber, Altbürgermeister-Gattin Anita Altkofer, Enkelin Heidi, der verabschiedete Altbürgermeister Toni Altkofer, Geschäftsleiter Rupert Walch und Personalratsvorsitzender Hannes Ilsanker. Fotos: Anzeiger/Wechslinger
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Erster und Zweiter Bürgermeister Thomas Weber (r.) und Thomas Resch (l.) bei der Übergabe der Ernennungs-Urkunde »Altbürgermeister« an den scheidenden Bürgermeister Toni Altkofer.

Bischofswiesen – Die Bischofswieser Gemeindebediensteten samt Gemeinderat verabschiedeten am Mittwochabend ihren langjährigen Bürgermeister Toni Altkofer in den Ruhestand. Der bisherige Rathauschef hatte mit Familie am Ehrentisch Platz genommen, den Saal im »Brenner Bräu« füllten außerdem viele langjährige Weggefährten sowie Freunde der Familie Altkofer. Höhepunkt der Abschiedsfeier war die Ernennung Altkofers zum »Altbürgermeister« Bischofswiesens.


»Vergangenheit ist Geschichte«, sagte der neue Bürgermeister Thomas Weber und leitete nach der Begrüßung der Gäste zu einem Lob auf die politischen und menschlichen Leistungen seines Vorgängers Toni Altkofer über. Zweiter Bürgermeister Thomas Resch, im politischen Leben nicht immer mit Altkofer einer Meinung, würdigte die großartigen Leistungen des bisherigen Bürgermeisters, die er nicht nur in den zwölf Jahren seiner Amtszeit als Bürgermeister erbracht habe, sondern auch schon davor, als er den bereits von seiner Krankheit gezeichneten ehemaligen Bürgermeister Simon Schwaiger maßgeblich unterstützt und vertreten hatte.

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Resch erinnerte in seiner Laudatio aber auch an den ganz besonderen Führungsstil Toni Altkofers, mit dem manche nicht immer einverstanden gewesen seien. Im Weiteren zählte Resch die Glanzpunkte in der Politkarriere Altkofers auf, die Bischofswiesen erheblich weitergebracht hätten. Der Zweite Bürgermeister vergaß aber auch die Bürgermeister-Gattin Anita Altkofer nicht, die einiges aushalten musste, wenn der Toni sicher so manches Mal seine Kontroversen mit dem Gemeinderat mit nach Hause genommen hatte. Mit dem Anliegen, dass Toni Altkofer seinem Nachfolger immer noch mit Ratschlägen zur Seite stehen möge, wünschte Resch im Namen aller lange Gesundheit und den Ruhestand, den sich der »Altbürgermeister« verdient und gewünscht hat. Diesen Titel nämlich verlieh der neue Bürgermeister Thomas Weber seinem Vorgänger nach einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss.

Das größte Lob für einen Bürgermeister ist jedoch auch die Anerkennung seiner Mitarbeiter. Personalrat Hannes Ilsanker (Pulverer) sprach im Namen der Gemeindebediensteten und drückte Altkofer größten Dank dafür aus, dass er für seine Mitarbeiter immer ein offenes Ohr gehabt habe und diese sich beim Bürgermeister auch geborgen fühlen konnten.

Toni Altkofer selbst dankte allen, die den Abschiedsabend mitgetragen haben. Ein besonderer Dank galt denen, die ihn während seiner Arbeit als Bürgermeister konstruktiv begleiteten. Dankbarkeit sei auch das hauptsächliche Gefühl, das er als Bürgermeister gehabt habe. Auch deswegen, weil es wohl keine ehrenvollere Aufgabe gebe, als für seine Heimatgemeinde Bürgermeister sein zu dürfen, befand der Altbürgermeister, der auch bekannte, im Gemeindebetrieb den besten Arbeitsplatz gehabt zu haben.

In seiner bekannt direkten Art, Dinge beim Namen zu nennen, sprach Altkofer auch davon, dass sein Amt durchaus mit Ärger verbunden gewesen sei. Gerade deshalb, weil speziell in Bischofswiesen ganz gerne draufgehauen werde. Doch er habe mit der Zeit gelernt, damit umzugehen und »Wichtiges und Wichtigmacher« einzuordnen und entsprechend darauf zu reagieren. Dazu gehöre auch, wenn nötig, dagegen zu halten und bisweilen ein bisschen zu »tratzen.

Mit berechtigtem Stolz erinnerte der abgetretene Rathauschef, was in seiner Amtszeit in Bischofswiesen geschaffen wurde. So seien die Gemeindefinanzen viel besser als vor zwölf Jahren, obgleich 40 Millionen Euro in die Gemeindesubstanz investiert worden seien. Dabei erinnerte der Altbürgermeister an das bei Einheimischen und auch österreichischen Gästen sehr beliebte »Aschi«, das Pfaffenfeld, das neue Feuerwehrhaus, das generalsanierte Schulhaus, den vorzeigewürdigen Spielplatz, den Bauhof, die Sportanlagen mit dem Kunstrasenplatz, Kanal, Straßen und vieles mehr.

Dem jedoch hatten manche in der Gemeinde vermeintliche Missstände entgegen gehalten. So einen Umweltskandal, die nicht gebaute Bahnhofbrücke, Bürgerversammlungen, die keine gewesen seien, Altkofers streitbares Verhalten in Alm- und Panohotel-Angelegenheiten und eine Kommunikationsverweigerung des Bürgermeisters bei nicht öffentlichen Angelegenheiten. Es wurde dem scheidenden Bürgermeister auch vorgeworfen, seine Gemeinderäte nicht mit Infos bedient, sondern mit Mist beworfen zu haben. Auf all diese Vorwürfe antwortete Altbürgermeister Toni Altkofer mit ein paar Reimen zum Nachdenken.

Volksschauspieler Udo Beil hat mit seinem Ensemble mit viel Arbeit und Akribie ein halbstündiges Theaterstück über den letzten Arbeitstag des ehemaligen Bürgermeisters Toni Altkofer und auch dessen Faible für das weibliche Geschlecht versteckt und sehr geschickt dargeboten. Mehrere Laienschauspieler aus dem Bereich der Gemeindebediensteten spielten ihre Rollen wie echte Profis. Die Festgäste spendeten lang anhaltenden Applaus für eine überaus gelungene Darbietung. Christian Wechslinger

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